TSV 1860 München Geheimtraining: Löwen planen Abschottung!

Hier gibt’s nichts zu sehen: So könnte es bald auch an der Grünwalder Straße aussehen. Foto: imago/Augenklick

Künftig Geheimtraining bei den Löwen: Beim TSV 1860 laufen die Vorbereitungen, um sich künftig besser vor Spionen anderer Vereine zu schützen.

 

München – Bei anderen Vereinen seit Jahren gängige Praxis, an der Grünwalder Straße noch immer undenkbar: Geheimtraining. Damit soll bald Schluss sein. Das bestätigten Markus von Ahlen und Gerhard Poschner der AZ.

Das Ziel von Trainer und Sportchef ist klar: Sechzig will an der Grünwalder Straße endlich in Ruhe trainieren, ohne dass neugierige Blicke der Konkurrenz alles aufsaugen und an die gegnerischen Trainer weitergeben. Bislang stehen den Kiebitzen auf dem Trainingsgelände Tür und Tor offen. Die Zeiten sind bald vorbei.

Die Löwen planen die Abschottung.

Trainer Markus von Ahlen: „Wir wissen, dass hier Leute rumlaufen und unsere Trainings beobachten. Genauso wie wir das auch tun.“ Das Problem: Andere Klubs setzen Geheimtrainings an, üben spezifische Dinge wie Pressing, Spielzüge und Standards hinter verschlossenen Türen. Und üben vor aller Augen nur allgemeine Dinge.

Während die Spione anderer Klubs an der Grünwalder Straße jeden Tag freien Blick haben, können die Gegner des TSV die Löwen-Spione schön hinters Licht führen. So, wie es der VfR Aalen gemacht hat. „Aalen hat gegen uns nicht das gemacht, was wir erwartet hatten. Statt aufzubauen wie gegen Sandhausen oder Fürth, haben sie nur lange Bälle gespielt.“ Das hatte Coach Stefan Ruthenbeck allerdings hinter verschlossenen Türen trainieren lassen.

Jetzt haben auch die Löwen endlich erkannt, dass Geheimtrainings kein Affront gegen die Fans sind, sondern eine dringende Notwendigkeit, um professioneller zu arbeiten. „Dafür brauchen wir Verständnis – von den Medien, aber auch von der Öffentlichkeit“, warb von Ahlen. „Derzeit haben wir einfach einen Wettbewerbsnachteil. Das sind Dinge, die für den gesamten Klub wichtig sind.“

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Bei anderen Klubs gehören Geheimtrainings schon seit Jahren zum täglichen Programm. Nicht weit von der Löwen-Geschäftsstelle ist beim FC Bayern gerade mal jede zweite Trainingseinheit für Interessierte zugänglich. Wenn überhaupt. Diesem Trend hinkt Sechzig seit Jahren hinterher.

Bislang zierte man sich, um die treuen Anhänger nicht zu vergraulen, die jeden Tag im Löwen-Stüberl einkehren und den Fanshop bevölkern. Schließlich ist der Besuch der Fans auch ein Wirtschaftsfaktor für den Klub. Deswegen werden diese Bereiche auch weiterhin öffentlich bleiben. Egal, ob die Löwen abgeschottet trainieren oder nicht – das Tor zur Grünwalder Straße wird offen bleiben. „Wir wollen die Menschen ja nicht vor den Kopf stoßen. Alles andere wäre kontraproduktiv“, bestätigte Poschner der AZ.

Neuer Zaun am Trainingsplatz

Das Ziel ist, den Trainingsplatz 5 am Ende des Geländes umzubauen. Eine neue Umzäunung soll her, ein Sichtschutz, der auch Spione mit Ferngläsern und großen Kameraobjektiven keine Chance lässt. Zur Zeit prüfen die Löwen noch die logistischen Möglichkeiten. Doch Poschner will schon „zeitnah“ Geheimtrainings möglich machen.

Poschner und von Ahlen wissen: Ohne diese Möglichkeiten rennt der TSV 1860 weiter seiner Zeit hinterher. Der Misserfolg der letzten Wochen ist zwar nicht alleine durch fehlende Trainings unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu erklären. Doch eines ist klar: Bislang wusste jeder Gegner schon vorher, was die Löwen im nächsten Spiel vorhatten. Von Ahlen und sein Trainerteam hingegen mussten ins Blaue hinein planen. Damit soll endlich Schluss sein. Auch, wenn die Fans die Nase rümpfen sollten.

Die AZ meint: Sechzig hechelt schon zu lange einer zwingenden Notwendigkeit hinterher. Es wird höchste Zeit, das zu ändern.

 

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