TSV 1860 Löwenjammer-Verbot in der Länderspielpause

Möchten nicht über die Länderspielpause jammern, optimal ist sie aber ganz und gar nicht: Löwen-Kapitän Christopher Schindler und Trainer Torsten Fröhling. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

1860-Trainer Torsten Fröhling musste in der Vorbereitung für das Spiel in Düsseldorf auf fünf Nationalspieler verzichten. Doch als Ausrede will er das nicht gelten lassen – und verweist auf die Bayern.

 

München - Mittwoch, 15.35 Uhr, Grünwalder Straße. Die Löwen trainieren. Flanke von links, ein Spieler steigt in bester Mittelstürmer-Position hoch und nickt den Ball locker ein. Zwei Minuten später ist er schon wieder drin – und es ist derselbe Spieler, der trifft: Michael Netolitzky.

Der dritte Löwen-Keeper ist aber nicht verrückt geworden, sondern wie alle Torhüter regelmäßig auf dem Feld zu finden: spielerische Fähigkeiten verbessern. Vielleicht sollte er zum Stürmer umschulen, wenn man bedenkt, dass er in kürzester Zeit so viele Buden geschossen hat wie die ganze Löwen-Mannschaft zusammen in dieser Saison.

Doch war Netolitzky einer, der auffüllen musste, denn die Stürmer waren alle ausgeflogen. Mit Rubin Okotie, Stefan Mugosa und Fejsal Mulic weilten alle fitten Löwen-Stürmer sowie die Flügelflitzer Marius Wolf und Daylon Claasen bei ihren Nationalteams, erst heute sind sie wieder im Training. „Es ist nicht optimal, aber damit haben andere auch zu tun. Was macht der FC Bayern? Da hilft kein Jammern, da müssen andere Mannschaften auch mit klar kommen. Ich hätte natürlich gerne meine Spieler alle hier gehabt“, sagte Trainer Torsten Fröhling.

Immerhin: Für die National-Löwen gab’s auch das ein oder andere Erfolgserlebnis. Okotie schaffte mit Österreich die Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich, kam aber nur im ersten der beiden Spiele gegen Moldawien (1:0) und Schweden (4:1) zu einem Sechs-Minuten-Kurzeinsatz. Trotzdem gab’s einen „Glückwunsch“ von Fröhling: „Er hat zwar nicht viel gespielt, aber durch seine beiden Tore vorher (gegen Russland und Montenegro, Anm. d. Red) seinen Anteil daran.“

Der Montenegriner Mugosa konnte auch zweimal gewinnen (je 2:0 gegen Moldawien und Liechtenstein) und hat als Vierter der Österreich-Gruppe auch noch Chancen auf die EM. Mulic durfte sein Debüt in der serbischen U21 feiern, Wolf zwar erstmals für die Deutsche U21 nominiert, musste auf der Bank schmoren. Außerdem im Einsatz: Claasen (Südafrika), Milos Degenek (U23 Australien) und Maximilian Wittek (U20 DFB).

„Es ist immer was Besonderes, für sein Land spielen zu dürfen. Das alleine kann schon einen Schub geben“, erhofft sich Christopher Schindler der AZ. Der Löwen-Kapitän ist aber auch einer der wenigen, die in der „Wir-spielen-ja-gut“-Löwenwelt mal den Finger in die Wunde legen. Denn er weiß: Die Länderspielpause kam zur Unzeit für 1860, die zwei Wochen auf die bisherigen zwei Punkte (und Törchen) aus fünf Spielen und Tabellenplatz 16 blicken mussten.

Durch die Ausflucht der sieben National-Löwen vor dem Katastrophenstart konnte Fröhling auch nicht wirklich an der Mannschaft feilen. „Natürlich ist das nicht gut für uns: Die Trainingsqualität ist schon eine andere ohne die Nationalspieler“, gibt Schindler zu. Und hadert mit dem schwächsten Saisonstart seit 1974, als man nur einen Zähler in fünf Spielen holte. „Klar ärgert das. Die Stimmung ist durch die Ergebnisse, die wir bisher geliefert haben, sehr schlecht.“

Auch Neu-Löwe Michael Liendl pendelte zuletzt mehr zwischen München und Düsseldorf, als auf dem Platz zu stehen. Seit Dienstagnacht ist Sohn Ben endlich auf der Welt, Frau und Kind wohlauf. „Jetzt ist der Kopf wieder frei, das ganze Ungewisse ist vorbei.“ Am Sonntag muss Liendl beruflich nach Düsseldorf. Und sollte mit den Kollegen beim Tabellen-Letzten besser gewinnen, denn sonst könnte sich in den Köpfen der Löwen schnell wieder eine Art der Ungewissheit breitmachen, die man eigentlich vermeiden wollte: die der Liga-Zugehörigkeit im nächsten Jahr.

 

0 Kommentare