TSV 1860 Löwen-Vize Dieter Schneider im Sportgespräch: „Wie ein Gedicht“

Der Lieblingsspieler des neuen 1860-Vize: Löwen-Legende Rudi Brunnenmeier (l.), der sich hier in der Saison 1966/67 gegen Bayerns Franz Beckenbauer durchsetzt. Foto: Imago Foto: az

Der neue Löwen-Vize war mal Tanzlehrer in den USA – und schwärmt bis heute für 1860-Legende Rudi Brunnenmeier, mit dem er einst gemeinsam Europapokalspiele im Fernsehen schaute.

Von Marco Plein

AZ: Hallo Herr Schneider, seit einer Woche sind Sie neuer Löwen-Vizepräsident. Wie kam es denn dazu?

DIETER SCHNEIDER: Da mein Herz schon seit der Kindheit heißblütig für die Löwen schlägt, ich seit vielen Jahren Mitglied bin und 1860 auch als Sponsor unterstütze, habe ich schon lange sehr gute Kontakte. Ich habe öfter mit den Vorstandsmitgliedern über wirtschaftliche Konzepte geredet, und am 13. Oktober, ich war gerade in England auf einer Messe, rief mich Präsident Rainer Beeck an. Ich habe sofort ja gesagt.

Sie sind in Olching im Landkreis Fürstenfeldbruck aufgewachsen. Dort starb vor einigen Jahren Rudi Brunnenmeier, der wohl beste Löwe aller Zeiten. Hatten Sie guten Kontakt?

In der Jugend ja, er war zwar ein paar Jahre älter als ich, aber ich habe im selben Haus wie seine Schwester und sein Bruder gelebt. Die Schwester war auch die einzige, die einen Fernseher hatte. Bei vielen Europapokalspielen saßen wir dort zusammen, ich erinnere mich an das 7:3 von Real Madrid gegen Frankfurt. Rudi war meistens dabei. Später riss der Kontakt ab. Leider ist es dann mit ihm traurig zu Ende gegangen. Er kam mit dem Luxusleben nicht zurecht und wurde nicht beraten.

War er Ihr Lieblingsspieler?

Ja klar, zusammen mit Hans Rebele und Fredi Heiß, die haben im Dreierblock gewirbelt wie ein Gedicht. Später habe ich Bernhard Winkler und Martin Max gerne gesehen. Ich hatte immer ein Herz für Stürmer.

Waren Sie selbst Fußballer?

Ja, aber nur in der Kreisklasse bei der SpVgg Hebertshausen. Heute treffe ich mich noch einmal die Woche mit einer Edel-Grufti-Mannschaft, da bin ich Torsteher, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir tun so, als würden wir eine Stunde Fußball spielen. Es geht mehr um die Gemeinsamkeit. Ich hatte im Leben immer viel zu viel anderes zu tun, als zu versuchen, ein guter Fußballer zu werden.

Zum Beispiel waren Sie lange in den USA, wie kam es dazu?

Ich wollte schon als Kind auf große Reise gehen. Mit 17 bin ich wegen Faulheit vom Gymnasium geflogen, später habe ich all mein Geld gespart und bin mit 21 rübergeflogen. Ich kam sonntags an, bin montags mit 200 Dollar in der Tasche und einem Lexikon in der Hand durch Dayton gelaufen und hatte mittwochs den ersten Job. Ich war zweieinhalb Jahre weg und habe mich als Arbeitskünstler behauptet. Ich war Ingenieur, Tanzlehrer, Autoverkäufer und sogar Vizepräsident einer Immobilienfirma. In der Zeit habe ich viel für mein Leben gelernt. Aber ich bin froh, wieder zurückgekommen zu sein. Heute habe ich vier Kinder, alle mit derselben Frau. Mir geht es gut. Das gibt mir auch Stabilität, mich bei 1860 zu engagieren.

Was haben Sie denn beim TSV 1860 alles vor?

Ich will den Verein mit heißem Herzen, kühlem Verstand und solider Kaufmannschaft voranbringen.

Sie sind mit Ihrem Unternehmen, Dieter Schneider Holding (DSH) weiterhin als Premium-Sponsor bei den Sechzgern aktiv. Wie lässt das vereinbaren?

Ganz klar: mit Eigendisziplin. Wenn ich als Vizepräsident an Sitzungen teilnehme, dann bin ich kein Sponsor. Und andersherum genauso. Ich muss dann eben einen Teil in mir ausknipsen, nur so kann es gehen. Es gibt immer nur den Vizepräsidenten oder den Sponsor Schneider. Beides gleichzeitig, das darf es künftig im Bezug auf 1860 nicht geben.

Die letzte Woche verlief für 1860 enttäuschend. Sie hätten sich sicherlich einen schöneren Start erwünscht.

Natürlich, aber man kann sich so etwas nicht aussuchen. Ich weiß aber sehr wohl, dass die Stimmung gut ist und die Fans an den Verein glauben. Ich erlebe das immer wieder, wenn ich in der Fankurve stehe, auch diese Saison. Ich stand schon früher im Grünwalder Stadion unter der Tafel, auch heute ist es für mich noch ein Genuss, ein Spiel aus der Kurve zu verfolgen. Wenn ich irgendwann die Bodenhaftung und den Kontakt zur Basis verlieren würde, wäre es vorbei, dann wäre ich tot.

Als Premium-Sponsor dürften Sie eigentlich weitaus mehr Komfort genießen.

Genau an diesem Punkt will ich tätig werden. Ich möchte zeigen, dass die typischen mittelständischen Partner, die den Verein unterstützen, ihm Leben schenken, nicht irgendwelche Schampus schlürfenden Saftsäcke sind, sondern dass sie alle mit großem Herzen hinter dem Verein stehen.

 

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