TSV 1860 Löwen-Poker um Rösler

Jubelt Sascha Rösler (Mitte) auch nächste Saison noch in Weiß-Blau? Der Klub hat ihm einen Einjahresvertrag angeboten. Foto: dpa

Nach dem 1:2 gegen Cottbus wähnt der 1860-Torschütze die Trümpfe in seiner Hand– und mischt sich in Lienens Taktik ein.

 

MÜNCHEN Nein, anbiedern wollte sich Sascha Rösler nicht, als er am Ostersonntag nach dem vermeidbaren 1:2 des TSV 1860 gegen Energie Cottbus in den Stadion-Katakomben der Allianz Arena stand und nach seinen Zukunftsplanungen gefragt wurde. „Ich mach' mir da keinen Stress“, sagte der 32-Jährige. „Der Verein ist noch nicht so weit mit seinen Planungen, und mir reicht’s auch, wenn wir uns erst im Mai zusammensetzen und schauen, ob ich noch der Richtige bin.“

Dabei hat Rösler, dessen Vertrag nach anderthalb Jahren im Sommer endet, nun alle Trümpfe in der Hand. Und das nicht nur wegen seines genialen Freistoßtreffers zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Cottbus, sondern weil der ehemalige U21-Nationalspieler beim TSV 1860 binnen fünf Monaten vom kritisch beäugten Mitläufer zum hoffnungsvollen Führungsspieler gereift ist. „Was der Sascha in den letzten Monaten geleistet hat, spricht für sich“, sagt Trainer Ewald Lienen anerkennend.

Für 1860 ist Rösler inzwischen fast unverzichtbar – egal, ob er im Angriff eingesetzt wird oder wie gegen Cottbus im linken Mittelfeld. Der Ex-Gladbacher, der Benny Lauth als Kapitän vertrat, setzt plötzlich Akzente, und das bringt ihn in eine gute Ausgangsposition bei den anstehenden Vertragsgesprächen. Selbst Sportdirektor Miki Stevic, der sich in der Personalie Rösler bislang immer bedeckt hielt, sagt nun: „Sascha war in den letzten Spielen sehr wichtig für die Mannschaft, von seiner Körpersprache und Persönlichkeit.“

Deswegen könnte es bereits in dieser Woche zu einer ersten Annäherung zwischen dem TSV 1860 und Rösler kommen. Zumindest sagt Stevic jetzt der AZ: „Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und besprechen, wie es weitergehen kann.“

Natürlich wird dabei auch der Faktor Geld eine Rolle spielen. Ob der TSV 1860 Rösler weiterhin ein derartiges Gehalt bezahlen kann wie bisher? Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage sind die Löwen gezwungen, bei den Gehältern zu sparen. Und weil der Mittelfeldspieler bislang neben Benny Lauth zu den Spitzenverdienern gehörte, kann es sein, dass Röslers Lohn (geschätzt bislang rund 400000 Euro) nur verlängert wird, falls er Abstriche in Kauf nimmt.

Der Poker um Rösler jedenfalls geht jetzt in die heiße Phase. Zwar wiederholte der Löwen-Profi erneut, 1860 sei seine „erste Option“, doch er macht auch kein Geheimnis daraus, dass er sich nach Alternativen umschaut. „Es ist klar“, sagt er, „dass man sich Gedanken macht und mein Berater mit anderen Vereinen spricht“.

Doch Rösler will bei seinen Gesprächen Fragen stellen: Wie sieht die Löwen-Elf der Zukunft aus? Plant der Verein noch mit den beiden Sorgenkindern Benny Lauth und Alexander Ludwig, Röslers Kumpels bei 1860? Gegen Cottbus standen beide nicht in der Startelf, was Rösler nicht so recht nachvollziehen mag. „Da fragt man sich schon", sagt der 32-Jährige, „warum die beiden nur auf der Bank sitzen. Vielleicht setzt man sie einfach nicht richtig ein.“ Ob Trainer Lienen es gefällt, wenn sich ein Spieler in die Taktik einmischt?

Oliver Griss

 

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