TSV 1860 Löwen in der Krise: Maurers Rettungsplan

Löwen-Trainer Reiner Maurer Foto: dpa

Traurige Löwen-Bilanz: Kein Selbstbewusstsein, kaum Tore, die Defensive schwächelt. Jetzt ist der Trainer gefragt, um die Saison und damit seinen Job noch zu retten. Die AZ analysiert, was passieren muss.

 

Reiner Maurer ist angezählt. Das weiß der Trainer des TSV 1860 selbst am besten. „Es ist doch klar: Wenn der Erfolg nicht da ist, wird der Trainer infrage gestellt.“ Löwen-Präsident Dieter Schneider hatte nach der 0:2-Niederlage am Samstag gegen den FC. St Pauli im Interview mit der AZ betont, dass es im Fußball „gewisse Gesetze“ gibt, denen ein Trainer unterliegt – und Maurer damit ganz klar in die Pflicht genommen.
Auch die Fans äußern sich zunehmend verärgert über Maurer. Beim Training am Dienstag folgte dann auch der erste für die Mannschaft sichtbare Prozess. Ein Fan entrollte ein Plakat mit der Aufschrift: „Ein Trainer ohne Emotion zermürbt Spieler, Fans, ja den ganzen Verein.“ Maurer und die Spieler nahmen’s mit einem Lächeln hin.
Zuvor hatte der Löwen-Coach das Trainingspensum vor dem Spiel beim FSV Frankfurt am Sonntag erhöht. Die Übung am Morgen begann mit einer 45-minütigen Stippvisite im Kraftraum – der ersten nach drei Wochen. Danach ging’s auf den Kunstrasenplatz, wo Maurer auffallend ruhig blieb: „Es bringt nichts, jetzt den Hampelmann zu spielen. Für mich zählt nur die Arbeit mit der Mannschaft, alles andere ist mir egal.“
Damit reagiert er auch auf den für ihn zunehmenden Druck. „Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen und analysieren, was wir vielleicht falsch gemacht haben und wie wir die Fehler jetzt abstellen können.“
Welche Baustellen Maurer derzeit hat und wie er darauf reagieren muss, zeigt die AZ auf:
Die fehlende Torgefahr: Nur einen Treffer haben die Löwen in den vergangenen vier Spielen erzielt. Weil das Tor in Guillermo Vallori ein Verteidiger erzielt hat, ist die Offensive schon seit dem 4:0 gegen den SV Sandhausen am 29. September ohne Erfolgserlebnis. Dem Spiel der Löwen fehlt es an Ideen. „So können wir kein Tor erzielen“, sagt Daniel Halfar. Jetzt ist Maurer gefordert. Er muss Wege aufzeigen, Benny Lauth öfter als Abnehmer in Stellung zu bringen, Abwehr und Mittelfeld müssen schneller den Weg nach vorne suchen. Maurer muss dafür im Training Vorgaben machen, Lösungsansätze liefern.
Das Selbstvertrauen: Seit der 0:3-Niederlage bei der Hertha Anfang Oktober wirken die Spieler verunsichert. „Wir können seitdem nicht mehr auf einen Rückstand reagieren“, sagte etwa der Kapitän Benny Lauth. Die Spieler sind zunehmend unzufrieden. „Das ist der ganz normale Frust“, sagt Reiner Maurer. Genau auf diese Signale der Mannschaft muss der Coach aber reagieren. Jetzt sind gezielte Gespräche gefragt, Videoanalysen, die positive Sequenzen aus dieser Saison zeigen. Maurer muss die Spieler neu motivieren und darf sie nicht alleine lassen. Maurer hat das scheinbar erkannt: „Wir werden viele Einzelgespräche führen.“ Am Dienstag bat er das Team zudem zu einer ausführlichen Besprechung. Der Frust soll bald ein Ende haben.
Das Zweikampfverhalten: Bisher war der TSV 1860 vor allem für eine stabile Defensive bekannt. Am Samstag war davon nichts mehr zu sehen. Zwar kehrt der zuletzt gesperrte Vallori am Sonntag zurück, doch alleine auf seine Rückkehr zu hoffen, wäre zu wenig. Für die Anbindung zwischen Mittelfeld und Abwehr wird daher Grigoris Makos ein Thema werden. Der Grieche war am Samstag nach seiner Einwechslung noch eine der positivsten Erscheinungen. „Er hat noch am ehesten überzeugt“, sagt Hinterberger.

 

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