TSV 1860 Lauth: „Nähe und Geborgenheit, das ist das Wichtigste“

Frau wird ja mal fragen dürfen: Sky-Moderatorin Isabella Müller-Reinhardt interviewt für die AZ Löwen-Torjäger Benny Lauth. Foto: Sofianos Wagner

Hier erzählt Löwen-Star Benny Lauth, wie er Windeln wechselt, welche Rolle seine Freundin spielt, was er von Gehaltsreduzierung hält. Und verrät, dass er an einen Wechsel ins Ausland denkt.

 

Von Isabella Müller-Reinhardt

AZ: Herr Lauth, was ist schwieriger: ein Kind zu zeugen oder ein Tor zu schießen?

BENNY LAUTH: (lacht) Zu beidem gehört ’ne Menge Glück.

Sie sind ja seit Oktober Vater des kleinen Liam. Waren Sie bei der Geburt dabei?

Natürlich. Ein sehr emotionaler und schöner Moment! Das kann ich jedem Mann nur empfehlen!

Was ist denn anstrengender: zwei Trainingseinheiten oder ein Tag alleine mit dem Sohn?

Ein Kind bedeutet schon sehr viel Arbeit. Es macht aber unglaublich Spaß. Ich stehe nachts gerne auf, um ein Fläschchen zu machen, und auch mit Windeln wechseln hab’ ich kein Problem.

Hat sich Ihre Einstellung zur beruflichen Zukunft verändert, weil Sie eben gerade Vater geworden sind?

Ja, natürlich! Eine wichtige Person mehr in meiner Familie ist jetzt da, für die ich Verantwortung übernehmen muss.

Damit wären wir beim Thema. Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie geht’s weiter?

Ich bin froh, dass der Verein mit dem Lizenzerhalt für die Rückrunde eine wichtige Hürde genommen hat. Zu meiner persönlichen beruflichen Zukunft werde ich im April eine Entscheidung treffen.

Daniel Bierofka hat seinen Vertrag zu reduzierten Konditionen verlängert. Auch für Sie eine Option?

Als ich vor drei Jahren aus Hannover kam, habe ich auf sehr viel Geld verzichtet. Das war nicht selbstverständlich. Auch jetzt bin ich dem Verein entgegengekommen und habe auf zehn Prozent meines Gehalts verzichtet. Der finanzielle Verzicht im Vergleich zu anderen Optionen muss in einem vertretbaren Rahmen bleiben.

Haben Sie keine Angst, als geldgierig zu gelten?

Geld ist ein sensibles Thema. Wir Profifußballer wissen um unser Privileg, sehr viel Geld zu verdienen. Allerdings können wir bis maximal Mitte 30 unser Geld mit dem Sport verdienen. Man hat hier als Familienvater auch eine Verantwortung. Das verstehen unsere Fans.

Sie sind bald 30 Jahre alt. Ist das der wichtigste Vertrag in Ihrem Leben?

Vielleicht ist es der letzte, den ich unterschreibe. Ich bin nicht mehr am Anfang der Karriere. Daher muss ich mir diesen Schritt gut überlegen. Der TSV 1860 ist und bleibt mein erster Ansprechpartner.

Haben Sie schon mal nachgedacht, Ihre Freundin Juliane zu heiraten? Spart Steuern – und vielleicht haben Sie dann die zehn Prozent Gehaltsverzicht wieder drin.

Nein, in dieser Hinsicht haben wir das nicht besprochen. Ich glaube nicht, dass man die Ehe als Steuersparmodell missbrauchen sollte. Alles weitere ist privat.

Besprechen Sie denn Ihre berufliche Zukunft auch in erster Linie zu Hause – mit Ihrer Freundin Juliane?

Wir sind eine Familie. Juliane entscheidet mit und ihre Meinung bedeutet mir sehr viel.

Würde Ihre Lebensgefährtin Ihnen überall hin folgen?

Es ist klar, dass sie mitkommen würde – wenn es nicht etwa nach Indonesien ginge.

Wie wichtig ist es, dass eine Spielerfrau ihr eigenes Leben hinten anstellt?

Schon wichtig. Ich will aber keine Frau, die zu Hause nur auf mich wartet. Juliane hat einen Job, einen großen Freundeskreis und ist selbstständig.

Kommt denn ein Transfer ins Ausland überhaupt in Frage?

Sportlich, aber auch, um Sprachen zu lernen: definitiv! Spanien und die USA wären für mich sehr interessant.

Die Chance besteht ja noch: Wenn 1860 aufsteigt, ist ein Wechsel nicht nötig, oder?

Dann stimmt natürlich alles. Ich liebe die Stadt, habe Familie und Freunde hier. Am liebsten würde ich mit 1860 in der ersten Liga spielen.

Wollen Sie sich die erste Liga wirklich noch einmal antun?

Das ist keine Frage. Das ist mein Ziel. Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt.

Aber sind Sie nicht zu lieb und zu nett für die erste Liga?

Ich habe viele Jahre im Oberhaus gespielt. Mir würden aber sicher ein paar andere Eigenschaften gut tun. Ellenbogen braucht man halt doch.

Sind etwa alle erfolgreichen Spieler Rüpel?

Das ist zu hart gesagt! Aber man darf es gerade in der Bundesliga nicht jedem recht machen wollen. Das gehört leider dazu. Wir stehen als Mannschaft auf dem Platz – am Ende kämpft aber auch jeder für sich.

Haben Sie einen richtig guten Freund bei 1860?

Ich verstehe mich mit vielen Spielern gut. Nicht nur bei 1860, sondern auch aus den alten Klubs. Aber meine wirklich engen Freunde sind alle außerhalb des Sports.

Dürfte sich dennoch ein junger Spieler mit Liebeskummer bei Ihnen ausweinen?

Das kann er gerne machen. Ich habe immer ein offenes Ohr für junge Spieler, auch bei privaten Problemen.

Sehen Sie sich als Vorbild für junge Spieler-Kollegen?

Ich denke schon, dass die älteren Spieler Vorbilder sein sollen. Auch dafür, wie man sich außerhalb des Platzes verhalten soll. Ob die Jungen das dann annehmen, ist eine andere Sache.

Sie waren ja auch mal bei 1860 einer der Jungspunde.

Ja, klar! Es ist extrem, wie schnell sich das gedreht hat. Vor ein paar Jahren waren Andi Görlitz und ich mit 20 noch die Kleinen und mussten uns um nichts Sorgen machen, weil uns Icke Häßler den Rücken frei gehalten hat. Jetzt bin ich in dieser Rolle.

Und in der Vater-Rolle! Was möchten Sie Ihrem Sohn vermitteln?

Nähe und Geborgenheit – das ist das Wichtigste! Und dass wir als Familie immer für den Kleinen da sind.

Ich bin eine gute Fee und schenke Sechzig drei Bundesligaspieler. Wen wollen Sie?

Mario Gomez hätte ich gerne als Sturmpartner, Sven Bender, der die Drecksarbeit macht, und Mats Hummels, der hinten aufräumt.

 

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