TSV 1860 Kritik an Ismaik: Die Bosse punkten

Waren nicht in Köln mit dabei: Löwen-Geschäftsführer Robert Schäfer (rechts), hier im Gespräch mit Noch-Präsident Hep Monatzeder. Foto: sampics

Hep Monatzeder und Robert Schäfer kritisieren die rüde Art des Investors. TSV-1860-Trainer Alexander Schmidt fordert „Respekt, egal aus welchem Kulturkreis”

 

MÜNCHEN - Ach, was wäre das für eine tolle Geschichte gewesen, wären die Spieler auf dem Platz gegen Cottbus mit der gleichen unbedingten Entschlossenheit aufgetreten wie die Bosse vor der Partie. Dabei kann man den Löwen gar nicht so viele Vorwürfe machen, das 1:1 gegen die Lausitzer war eine der kompakteren Mannschaftsleistungen, nach dem Führungstreffer von Daniel Halfar (58.) hätten sie den Sieg durchaus verdient gehabt. Doch Cottbus kam mit der ersten wirklichen Chance in Halbzeit zwei doch noch zum Ausgleich, und so war der Löwenjammer groß nach der nächsten vergebenen Chance, den Rückstand auf Kaiserslautern entscheidend zu verkürzen. „Wenn man zu Hause so auftritt, kann man vorne nicht rankommen”, sagte Kapitän Benny Lauth. Statt vier Zählern beträgt der Rückstand auf Kaiserslautern nun sechs Punkte.

Und so haben am Ende nur die Bosse gepunktet. In einer bei 1860 selten erlebten Einigkeit setzten sich vor dem Spiel sowohl Präsident Hep Monatzeder, Geschäftsführer Robert Schäfer sowie Trainer Alexander Schmidt gegen den Vorstoß von Investor Hasan Ismaik zur Wehr. Die Fronten sind verhärtet, nur zwei Tage nach einem Treffen, das ein Friedensgipfel sein sollte. Stattdessen herrscht eine Art Kalter Krieg. „We need a new Sportchef”, hatte der Investor am Freitag verkündet und die Ablösung von Sportdirektor Florian Hinterberger gefordert. Monatzeder hatte umgehend reagiert und Ismaik zur Zahlung der letzten zwei Raten aus dem Dreijahresplan bis Dienstag gefordert. Erst das Geld, dann könne man über alles reden, so das Motto.

Ismaik scheint nicht sehr amused gewesen zu sein ob des Gegenwinds aus Giesing; sein neuer Berater, der frühere ägyptische Nationaltrainer Hassan Shehata, erschien am Sonntag jedenfalls nicht in München. Und sollte Ismaik am Freitag nicht gemerkt haben, dass Monatzeder nicht der für ihn bequeme Präsident sein will, der alle Launen Ismaiks sofort umsetzt – spätestens nach dem sonntäglichen Auftritt sollte es ihm klar sein. „Wenn Herr Ismaik meint, er müsse seine alten Forderungen wieder aufstellen, dann ist das die Sache des Herrn Ismaik. Wir können immer miteinander reden, aber dass Herr Ismaik ein bissl viel redet, ist sein Thema.” Er wolle erstmal sehen, ob Ismaik bis Dienstag das Geld überweise. Einen zweistelligen Millionenbetrag erwarten die Löwen von ihrem Investor, genauer „13 Millionen”, wie Schäfer rausrutschte.

Auch der Geschäftsführer wirkte irritiert vom Investor uind Ismaiks rüder Art. Zum ersten Mal stellte er sich öffentlich gegen ihn – und vor Hinterberger. „Mit einem Mann, der jeden Tag alles für den Verein tut, in der Öffentlichkeit so umzugehen, das ist nicht fair”, sagte er. „Solches Feuer aus den eigenen Reihen, das kann er mit mir machen, wenn er unbedingt will, aber nicht mit meinen Leuten.” Schmidt setzte einen drauf: „Das, was da in dieser Woche gelaufen ist, das war nicht okay. Das war nicht förderlich für die Mannschaft. Ich erwarte mir Respekt, egal aus welchem Kulturkreis”, sagte er bei „Sky”. 

 

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