TSV 1860: Kevin Volland im Interview Volland: "Ich verprasse nicht alles"

KEVIN VOLLAND: Viel Laufaufwand, aber wenig Spielbeteiligung. Der 19-Jährige ganz früh ausgewechselt. Note 5 Foto: dpa

Hier erklärt Löwen-Stürmer Kevin Volland (19), der aus dem Allgäu stammt, wieso er so sparsam und bescheiden ist – und weshalb er sich bereits darauf freut, zur TSG Hoffenheim zu wechseln

 

AZ: Glückwunsch, Herr Volland. Sie erhielten jetzt vom DFB die Fritz-Walter-Medaille in Bronze für besondere Leistungen in der Kategorie U19.

KEVIN VOLLAND: Dankeschön, das freut mich sehr. Es war eine tolle Sache, da dabei zu sein. Und ein bisschen stolz bin ich auch.

Lassen Sie uns über Ihre Vertragssituation sprechen: Sie haben in Hoffenheim bis 2015 unterschrieben, sind jetzt an die Löwen ausgeliehen. Wenn die TSG Sie schon im Winter will, müssen Sie 1860 verlassen. Zuletzt hieß es, dass Sie noch gar nicht weg wollen.

Nein, das ist sicher nicht der Fall, und das habe ich so auch nicht gesagt. Im Augenblick spiele ich für die Löwen. Wenn ich dann nach Hoffenheim in die Bundesliga wechsle, bedeutet das ja gleichzeitig, dass ich den nächsten Schritt in meiner Entwicklung mache. Ich sehe dies vielmehr als Luxussituation. Wir werden uns im Oktober zusammensetzen und über die weitere Zukunft sprechen.

Letztes Jahr spielten Sie noch in der Regionalliga, jetzt sind Sie Stammspieler in Liga zwei – ein schneller Aufstieg...

Das stimmt, im Grunde ging alles schon sehr schnell. Wobei ich im letzten Jahr auf meine Chance gewartet habe und mich erst einmal über Kurzeinsätze empfehlen musste.

Welche Rolle spielt dabei Reiner Maurer?

Ich habe dem Trainer viel zu verdanken, er hat mir das Vertrauen geschenkt und mir die Chance gegeben. Für mich ist Reiner Maurer ein super Trainer, der auf die Jugend setzt und vor allem nach Leistung aufstellt. Als junger Spieler profitiert man da.

In den ersten vier Pflichtspielen haben Sie schon drei Mal getroffen. Genauso oft wie Benny Lauth. Dennoch steht oft nur er im Fokus. Hätten Sie selbst nicht gerne mehr Wertschätzung?

Nein, ich fühle mich ganz wohl so. Außerdem ist Benny ein super Spieler. Ich bin nicht der Typ, der jeden Tag in der Zeitung stehen muss. Ich schaue schon mal, welche Note ich bekomme, aber ich gehe morgens sicher nicht extra zum Kiosk.

Sie gelten als bodenständiger Typ. Mit extravaganten Klamotten fallen Sie nicht auf...

Nein, eine Dolce& Gabbana-Jeans brauche ich nicht. Meine Eltern haben mir gewisse Grundsätze mit auf den Weg gegeben. Das sind so einfache Dinge, dass ich alle grüßen soll oder, dass man sich beim Essen richtig verhalten soll. Auch die Schule war bei uns immer wichtig.

Was ist Ihnen noch wichtig?

Für mich ist es wichtig, dass ich von meinem Profigehalt jeden Monat einen fixen Betrag spare. Da achtet auch mein Vater darauf. Klar gönne ich mir auch mal etwas von meinem Geld, aber ich verprasse nicht alles. Ich denke schon daran, mir in den rund zehn Jahren, die ich als Profi vor mir habe, eine gewisse Sicherheit aufzubauen.

Sie wohnen mit Ihrem Mannschaftskollegen und besten Kumpel Markus Ziereis zusammen in einer WG. Wann geht es in die erste eigene Wohnung?

Im Augenblick bin ich mit unserer WG absolut zufrieden. Wenn man nach Hause kommt, ist man nicht alleine und langweilig wird es auch nie. In Hoffenheim werde ich dann wohl in eine Wohnung ziehen.

Ihre Eltern stehen hinter Ihrer Karriere. Ihr Vater berät Sie in Vertragsdingen, Ihre Mutter fuhr Sie früher zu jedem Training.

Ja, ich habe meinen Eltern sehr viel zu verdanken, sie haben mich beide immer voll unterstützt. Vor allem meine Mama hat mich früher ziemlich viel durch die Gegend gefahren, erst nach Memmingen und später dann nach Thannhausen. Mein Vater kennt sich gut in Vertragsfragen aus und kann mich hier unterstützen.

Sie hatten nie viel Freizeit: Früher waren Sie auf einer Ganztagsschule, jetzt müssen Sie als Profi leben. Wie und wo schalten Sie denn ab?

Ganz klar, bei der Familie. Hier habe ich meine Ruhe und kann am allerbesten relaxen.

Werden Sie inzwischen auf der Straße oft erkannt?

Nein, das kommt nicht so häufig vor. In München sowieso kaum. Bei mir zu Hause in Marktoberdorf kennen mich die Leute natürlich, die Gemeinde ist ja recht klein. Aber es ist bei mir zum Glück noch nicht so wie bei Bastian Schweinsteiger, der nur mit Cap und Sonnenbrille durch die Stadt geht.

Dennoch haben Sie gewiss noch große Träume...

Ja, klar. Bundesliga, A-Nationalmannschaft, Champions League – alles, wovon man schon als Junge träumt. Und vorher will ich mit 1860 aufsteigen, wenn ich bis zum Ende der Saison bleibe. Ich hoffe, dass vor allem Letzteres klappt. Dafür gebe ich alles.

 

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