TSV 1860: Investor im Interview Ismaik sauer: Schneider hat's vermasselt

1860-Investor Hasan Ismaik. Foto: Maximilian Wessing

Dass Sven-Göran Eriksson nicht Trainer des TSV 1860 wird, ist die Schuld von Präsident Dieter Schneider - sagt Hasan Ismaik im Interview mit der AZ. Der Investor will dennoch am Drei-Jahres-Plan festhalten.

 

AZ: Herr Ismaik, Ihr Wunschtrainer Sven-Göran Eriksson möchte nun doch nicht mit den Löwen zusammenarbeiten.Wie haben Sie seine Absage aufgenommen?

HASAN ISMAIK: Ich bin ehrlich gesagt sehr traurig und enttäuscht deswegen.

Noch am Montag hatte Eriksson der AZ bestätigt, dass er mit Ihnen bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt hätte. Wieso ist es Ihrer Meinung nach bei Ihrem Wunschtrainer dann doch noch zum Sinneswandel gekommen?

In erster Linie haben wir ihn sehr lange warten lassen. Im November war Eriksson noch sehr enthusiastisch und hatte uns erklärt, dass er das Projekt sehr spannend finden und er der Mannschaft gerne helfen würde. Wir haben einfach den Zeitpunkt verpasst. Doch dann sind im Klub viele Dinge passiert, die auch ihm nicht verborgen geblieben sind. Als er mitbekommen hat, wie skeptisch Herr Schneider (1860-Präsident, d. Red.) sich zu seiner Person geäußert hat, hat Eriksson es sich wohl anders überlegt.

Also hat’s Schneider vermasselt? Sie machen den Präsidenten verantwortlich für das Scheitern der Gespräche?

Ihn und seine Unterstützer, ja. Natürlich mache ich Schneider verantwortlich dafür. Im Klub geht es zu sehr um Politik, kaum um den Sport. Herr Eriksson hat erkannt, dass 1860 schwere strukturelle Probleme hat. Außerdem ist kein klares sportliches Konzept erkennbar. Das macht es für einen Mann wie ihn schwer.

In der Nacht auf Dienstag haben Präsidium und Aufsichtsrat das Kommen Erikssons quasi schon als fix verkündet, es hieß: Der Schwede stoße zum Trainerteam.

Natürlich war es ein Fehler, dass der Klub die Verpflichtung quasi schon verkündet hat, obwohl noch gar kein Kontakt erfolgt war. Das war sehr unglücklich.

Sie haben bei Ihrem letzten München-Besuch die Hoffnung ausgesprochen, dass die Mitglieder bei den Präsidiumswahlen im März die „richtige Entscheidung“ treffen würden. Wie meinen Sie das konkret?

Ich setze große Hoffnungen in die Mitgliederversammlung im Frühjahr. Ich hoffe, dass dort ein Generationswechsel in der Vereins-Führung stattfindet und Menschen an die Macht kommen, die den Sport und die Entwicklung der Mannschaft in den Vordergrund stellen und weniger interessiert sind an politischen Ränkespielchen. Menschen, die sich gerne Herausforderungen stellen und Visionen haben für das Wohl des Klubs. Nur so kann es zu einer positiven Entwicklung der Löwen kommen, die wir uns alle wünschen – und die vor allem die großartigen Fans so sehr verdient hätten. Darauf hoffe ich.

Geschäftsführer Robert Schäfer hat erklärt, dass Ihr Dreijahresplan bestehen bleibt...

Ja, das ist richtig.

Sie sehen die Zusammenarbeit mit 1860 also nicht als gescheitert an, die Vereinbarungen aus Ihrem Kompromissvorschlag bleiben also bestehen – auch ohne Eriksson als Trainer?

Richtig, ja. Unsere Vereinbarungen gelten weiter. Vor allem, weil ich in den letzten Tagen gemerkt habe, dass es bei unserem Partner Personen gibt, denen die Entwicklung der Mannschaft über alles geht. Ich würde gerne die Gelegenheit nutzen, diesen verantwortungsvollen Menschen im Verein zu danken und ihnen meine tief empfundene Wertschätzung mitzuteilen. Namentlich würde ich gerne Otto Steiner (Aufsichtsratsvorsitzender, die Red.) und Siegfried Schneider (KgaA-Aufsichtsrat) erwähnen, die bei den Verhandlungen wirklich bewiesen haben, dass für sie das Wohl des Klubs an erster Stelle steht.

Ist Alexander Schmidt im Moment der richtige Trainer für die Löwen?

Schmidt ist ein Trainer, der schon lange im Verein ist und der mit der U 21 und im Jugendbereich seine Erfolge gefeiert hat. Auch bei den Profis gibt er sein Bestes, man hat mir berichtet, dass die Mannschaft nun besser spielt, das erkenne ich an. Außerdem rechne ich ihm sehr hoch an, dass er den Trubel, der im Klub herrscht, so weit wie möglich von der Mannschaft ferngehalten hat und er die auch für ihn sicherlich schwierige Situation bis jetzt so bravourös gemeistert hat. Ich danke Schmidt dafür.

Das klingt, als ob jetzt ein Aber folgen würde...

Aber ich möchte eine sehr starke Mannschaft aufbauen, und dafür brauchen wir sicherlich auch einen Trainer, der im Profibereich bereits Erfolge gefeiert hat und der international anerkannt ist - so wie es Eriksson ist.

Gerüchteweise soll Lothar Matthäus im Gespräch sein...

Davon wissen wir wirklich gar nichts. Über Matthäus haben wir nie nachgedacht.

 

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