TSV 1860 in der Relegation Löwen gegen Saarbrücken: Anspannung gegen Lockerheit

"Wenn uns Bierofka die Favoritenrolle zuschieben möchte und sich dadurch besser fühlt, nehmen wir sie eben an, sagte Saarbrücken-Coach Dirk Lottner am Mittwoch. Foto: firo/AK/dpa

Der TSV 1860 München spielt am Donnerstag gegen den FC Saarbrücken um den Aufstieg in die 3. Liga - und man wird das Gefühl nicht los: Den unberechenbaren Löwen ist - positiv wie negativ - alles zuzutrauen.

München/Saarbrücken - Wie sehr das Relegations-Duell der Löwen in Saarbrücken eine Nervenschlacht ist, zeigt sich an den Trainern. Sechzigs Bierofka versucht, den Druck kleinzureden, FCS-Coach Lottner stichelt genüsslich

Meister der Regionalliga Bayern gegen den Titelträger aus dem Südwesten. Abgestürzter Traditionsverein gegen einen ebensolchen, der schon seit Jahren wieder nach der Rückkehr in den Profifußball lechzt.

Sechzig gegen Saarbrücken. Daniel Bierofka gegen Dirk Lottner. Jetzt ist es endlich soweit: die (Relegations-)Spiele können beginnen (Alle Infos zur Relegation im AZ-Newsblog)

Löwen hoffen auf  gute Ausgangsposition

Der TSV 1860 trifft im ersten Akt des finalen Zweiteilers, im ersten schicksalsträchtigen Aufstiegsduell auf den 1. FC Saarbrücken (17.30 Uhr, live im BR und im AZ-Liveticker). Es ist angerichtet. 6800 Zuschauer in Saarbrückens Heimspielstätte, dem Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen, womöglich mehrere tausend Löwen-Fans in der Stadt, obwohl nur gut 1000 Tickets erhalten haben. Und noch bedeutend mehr Sechzger vor den Fernsehern, die fiebern, zittern, hoffen und beten: Möge Sechzig doch nur einen Sieg mit nach München bringen und sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am Sonntag in der Heim-Festung Grünwalder Stadion (14 Uhr, live im BR) erarbeiten.

Auch Trainer Bierofka konnte die kollektive Anspannung nicht verbergen. "Momentan ist es noch relativ entspannt", versuchte der 39-jährige Coach der Sechzger zwar zu erklären: "Die Anspannung kommt morgen."

Wer ihn auf der Pressekonferenz im Mannschaftshotel "Mercure" in Saarbrücken sah, der wusste: Die Anspannung ist längst da beim Löwen-Coach, der schon kurz vor der eingefahrenen Meisterschaft einige schlafarme Nächte eingestand. Klar ist: Es geht nach dem katastrophalen Absturz im vergangenen Sommer darum, den entstandenen Hype fortzusetzen. Bierofka, der, wie hinlänglich bekannt ist, ohne seinen Spielmacher Timo Gebhart und auch Nicholas Helmbrecht antreten muss, wollte sich aber nicht mit Endzeitszenarien auseinandersetzen: "Man braucht nicht übertreiben, wir sind in dem Sommer aus dem Nichts gekommen. Jetzt haben wir die Chance, die Saison zu krönen", meint er: "Wir haben die Chance, das, was im Sommer passiert ist, vergessen zu machen. Das ist positiver Druck. Wenn es nicht klappt, heißt es: Mund abputzen und nochmals angreifen."

Droht ein neues Löwen-Beben?

Nicht alle Sechzger-Fans dürften dem Coach Recht geben, schließlich würde ein Scheitern womöglich noch ein erneutes Löwen-Beben nach sich ziehen - und zwar eins der negativen Sorte. Bierofka schottete die Löwen vor dem Showdown ab, er hielt ein Geheimtraining ab.

Und Bierofkas Pendant Lottner? Von Nervosität keine Spur. Die Kölner Fußball-Ikone (161 Spiele für den 1. FC Köln, 231 für Fortuna Köln) gab sich auf der nahezu zeitgleichen PK der Saarbrücker gutgelaunt: "Wichtig ist, dass wir uns nicht allzu verrückt machen." Zudem verpasste er Bierofka nach dessen Aussagen darüber, dass Sechzig Saarbrücken wegen des höheren Etats und der höheren Qualität auf das Niveau der Blauen herunterziehen müsse, einen Seitenhieb.

Dirk Lottner schlagfertig

"Wenn man die Erstligaerfahrung nimmt, kommt 1860 deutlich über uns hinaus, bei der Zweitligaerfahrung auch, also ich weiß nicht, warum Bierofka so von sich reden macht", so der 46-Jährige, der selbst bezüglich des Budgets von einer "Augenhöhe" sprach. "Aber wenn uns Bierofka die Favoritenrolle zuschieben möchte und sich dadurch besser fühlt, nehmen wir sie eben an."

Schlagfertig, Herr Lottner!

Bierofka war damit beschäftigt, seine Elf stark- und die Bedeutung der Duelle herunterzureden. Die Relegation sei "eine schöne Situation. Im Sommer war kein Verantwortlicher mehr da. Wir haben eine Mannschaft zusammengebastelt, der wir alles zutrauen." Seiner Elf attestierte er, "fokussiert und locker zugleich zu sein. Sie dürfen sich nicht zu sehr unter Stress setzen. Es ist eine ganz gute Mischung drin."

Würde man das Trainer-Duell nach der nötigen Lockerheit bewerten, stünde es 1:0 für den Saarbrücker Coach. Am Donnerstagabend zählt selbstredend nur das Geschehen auf dem Platz. Dort könne man als Coach ohnehin nicht mehr viel einwirken.

Bierofkas Vorgabe fürs Hinspiel: "Wir müssen Saarbrücken fordern, in jeder Phase des Spiels. Wenn sie Ruhe haben, haben sie die Stärke, das Spiel zu bestimmen." Welche Hinspiel-Taktik wird aufgehen? Bierofkas Understatement voller Zurückhaltung, oder die Lockerheit Lottners?

Video: Pressekonferenz mit Daniel Bierofka vor dem Relegations-Hinspiel

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