TSV 1860 im DFB-Pokal Löwen gegen Bochum: Kult mit Kluft

Die beiden offensiven Hoffnungsträger: Löwe Rubin Okotie (l.) und Bochums Peniel Mlapa. Foto: firo, sampics/Augenklick

Der TSV 1860 trifft im Pokal-Achtelfinale auf den VfL Bochum. Peter Neururer vergleicht die beiden Traditionsvereine. „Bochum hat einen besseren Kader“, sagt er. „Bei den Löwen fehlt Erfahrung“

München - „In der Zweiten Liga herrscht ab Platz drei kein Riesen-Unterschied. Jeder kann jeden schlagen“, sagt LöwenTrainer Benno Möhlmann. Der TSV 1860 hat es derzeit nötig, vor dem Pokal-Achtelfinale heute gegen den VfL Bochum (20.30 Uhr) diese Phrasen zu predigen: um den Glauben an die eigene Stärke wiederzufinden.

Nach den beiden Liga-Heimpleiten gegen Frankfurt (0:1) und Heidenheim (1:3) soll ausgerechnet gegen Bochum, zuletzt durch ein 4:0 gegen den SC Paderborn wiedererstarkt, ein Sieg her. Den Aufschwung haben die Bochumer auch einem Ex-Löwen zu verdanken: Peniel Mlapa, zweifacher Torschütze gegen Paderborn, will gegen jenen Klub nachlegen, zu dem er als Achtjähriger wechselte, für den er mit 18 Jahren sein erstes Tor erzielte und von dem er 2010 nach Hoffenheim weiterzog. „Mit dem VfL will ich in München gewinnen und eine Runde weiterkommen. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht“, sagte Mlapa auf der 1860-Vereinshomepage.

Während sein Ex-Verein um die nackte Existenz in Liga zwei bangt, hegen Mlapa und der VfL insgeheim Aufstiegspläne. Im Pokal geht’s im Duell der beiden Kult-Klubs nun nicht um Punkte, sondern ums Viertelfinale. Wie groß der Unterschied zwischen den taumelnden Löwen und dem Ruhrpott-Klub ist? Bochum-Ikone Peter Neururer zieht im Gespräch mit der AZ den Vergleich:

Die Mannschaften: Hier die Löwen mit nur zwei Saisonsiegen auf Platz 17, dort der VfL Bochum auf Rang sechs mit lediglich drei Punkten Rückstand auf den Dritten – Nürnberg. In der Liga herrscht eine tiefe Kluft. „Ich glaube, dass Bochumer einen spielerisch besseren, eingespielten Kader hat“, sagt Neururer und sieht bei Sechzig viel Luft nach oben. „1860 hat im Vergleich eine gute Entwicklungsmöglichkeit. Bochum spielt am Limit, viel mehr geht nicht. Das ist schon relativ konstant. Bei den Löwen fehlt diese Konstanz“, so der Bochumer Ex-Coach. Er führt es auf die Kader-Zusammensetzung zurück: „Klar, die Löwen haben viele junge Spieler, Talente zuhauf im Kader. Aber: Die Erfahrung fehlt.“ Fazit? „Im Pokal ist alles möglich.“

Die Hoffnungsträger: Einen Spieler habe Sechzig allerdings im Kader, nach dem Bochum verzweifelt suche: Rubin Okotie. „Ein Mann, der in vielen Erstligamannschaften spielen könnte“, so Neururer, „der ist immer gefährlich.“ Und beim VfL? Rückkehrer Mlapa. „Er hat es geschafft, mit Simon Terodde den zweitbesten Torjäger der Liga zu verdrängen. Auf ihn müssen die Löwen besonders aufpassen“, sagt Neureurer.

Die Trainer: Hier heißt das Duell Benno Möhlmann gegen Gertjan Verbeek. „Zwei gute Trainer. Möhlmann ist als erfahrener Mann ja gar kein Vergleich zu den 1860-Trainern vorher. Wenn die Löwen absteigen sollten, liegt’s nicht an ihm“, sagt Neururer, „und Verbeek ist nicht so knorrig wie sein Ruf: Mit ihm habe ich öfter gesprochen, er ist immer positiv aufgetreten. Wenn sich Bochum nicht selbst Probleme macht, ist Verbeek sicherlich dazu imstande, den VfL auf den dritten Platz zu führen – Leipzig und Freiburg sind zu weit weg.“

Fans und Umfeld: „Die Löwen stehen im Schatten der großen Bayern, obwohl es derzeit wegen der sportlichen Übermacht der Roten fast keine Rivalität mehr gibt. Bochum wird von BVB und Schalke in die Zange genommen“, weiß Neururer: „Beide Vereine haben trotz ihres Status als kleine Nachbarn ein riesiges Fan-Potenzial. Durchaus eine Gemeinsamkeit: Das Bochumer Publikum ist sehr sensibel. Vielleicht nicht ganz sehr wie die leidgeprüften Löwen.“  

 

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