TSV 1860 Ignjovski: Eine Frage der Moral?

Illustration Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Die Löwen wollen den 19-Jährigen verkaufen, weil sie das Geld brauchen. Doch der Jungstar will 1860 gar nicht verlassen. Stevic: „Ich kann nicht immer auf Einzelschicksale achten“

 

MÜNCHEN Die Entscheidung lässt Miki Stevic sicher nicht kalt. Und klar, der Löwen-Sportdirektor würde wohl anders handeln, wenn es um seinen Klub finanziell etwas besser bestellt wäre.

Doch beim geplanten Verkauf des serbischen Supertalents Aleksandar Ignjovski, stellt sich auch die Frage nach der Moral.

Ignjovski ist erst letzte Saison aus Belgrad nach München gekommen, der 19-Jährige hat mehrmals und vor allem glaubwürdig erklärt, dass er sich bei den Löwen wohl fühlt und gar nicht wechseln möchte. Stevic hält seinen Landsmann im defensiven Mittelfeld für eines der größten Talente Europas. Er sieht, wie sehr Ignjovski sich bemüht hat, sich bei den Löwen zu integrieren, wie sehr er sich bemüht hat, Deutsch zu lernen. Und Stevic weiß auch, dass ein Verkauf gegen den Willen des Jungstars dessen weitere Entwicklung gefährden kann. Wer weiß schon, ob Ignjovski bei größeren ausländischen Klubs – vor allem die Serie-A-Klubs Florenz und Neapel scheinen interessiert zu sein – so viel Spielpraxis bekommen würde wie bei den Löwen.

Trotzdem sagt Stevic in aller Deutlichkeit: „Ich kann nicht immer auf Einzelschicksale achten. Ich muss auch an das Gesamtwohl des Vereins denken.“ Und mehr noch: „Wir sind ein Fußballverein und kein Kindergarten. Ich verstehe, wenn sich jemand etwas wünscht. Aber Profifußball ist kein Wunschkonzert.“

Heiligt die finanzielle Notlage der Löwen also alle Mittel? Philipp Kaß, Leistungspsychologe an der Sporthochschule Köln, meint das nicht. „Aus ökonomischer Sicht kann ich das Vorgehen des Vereins verstehen“, sagt er zwar, ergänzt aber: „Menschlich-ethisch ist dieses Vorgehen sehr zweifelhaft.“ Klare Worte des Experten. Und weiter: „Für einen jungen Spieler, der sich gerade erst in einem neuen Umfeld eingelebt hat, ist es sehr riskant, wenn er im Ausland erneut bei null anfangen und sich sprachlich, sozial und sportlich in einer völlig fremden Umgebung neu integrieren muss.“

Ignjovski droht also auf der Strecke zu bleiben.

Oder doch nicht?

Neben dem AC Florenz (soll bereit sein, 3,5 Millionen Euro Ablöse zu zahlen) und dem SSC Neapel soll nun auch der Bundesliga-Spitzenklub Schalke 04 sein Interesse an Ignjovski intensiviert haben. Durch den Verkauf von Rechtsverteidiger Rafinha nach Genua (8 Millionen Euro), hat Schalke wieder Geld in der Kasse. Es wäre nicht das erste Mal, dass Trainer Felix Magath sich bei den Löwen bedient – Marcel Schäfer ist da ein Beispiel. Da auch Ignjovski selbst betont, dass er, wenn er wirklich gehen müsste, wenigstens gerne in Deutschland bleiben würde, könnte Schalke am Ende die beste Lösung sein. „Ein Wechsel innerhalb des Landes wäre aus sozialer Sicht weitaus empfehlenswerter“, sagt auch Kaß. Ob Ignjovski bei den Schalkern, die noch weitere große Transfers planen, zum Zuge käme, ist jedoch zweifelhaft.

Marco Plein

 

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