TSV 1860 gegen Paderborn Löwen vor Abstiegsfinale - Hoffnung auf Erlösung

, aktualisiert am 07.05.2016 - 11:13 Uhr
Noch ist die Anspannung nicht vorbei: Ein Sieg fehlt dem TSV 1860 und Trainer Daniel Bierofka noch zum Klassenerhalt. Foto: dpa

Mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten aus Paderborn kann sich 1860 fast aller Abstiegssorgen entledigen. „Das müssen wir jetzt zu Ende bringen“, sagt der Neu-Trainer. Cassalette fürchtet „Dämpfer“

 

München - "From Zero to Biero“ – dieser Schriftzug ziert ein T-Shirt, das im Internet-Shop „Löwenblau.de“ zu haben ist. Für 18,60 Euro. Von Null auf Biero, der nach seinen zwei Siegen als neuer Löwen-Coach für die 100 steht, von der es von der Null aus geht. Das sinnige Shirt suggeriert vortrefflich, was beim TSV 1860 kürzlich geschah. „Wir wären fast schon weg gewesen“, sagt jener Mann der AZ, der verantwortet, dass Sechzig nach dem bitteren 1:2 gegen das damalige Schlusslicht MSV Duisburg nicht schon längst abgestiegen ist.

Daniel Bierofka, Nachfolger des ebenso erfolg- wie seltsam überzeugungslosen Benno Möhlmann, hat den TSV 1860 bei „Zero“, also in höchster Not, übernommen. Und er hat die Hoffnung, den Glauben an sich selbst, zurückgebracht. „Braunschweig war ein Leben-oder-Tod-Spiel“, erinnert sich Bierofka, „da mussten wir was vermeiden“. Nach dem 1:0 gegen die Eintracht und dem folgenden 2:0-Auswärtssieg beim FC St. Pauli weiß er: „Jetzt können wir was erreichen. Wir haben uns eine Ausgangsposition erarbeitet, die keiner für möglich gehalten hat, als ich angefangen habe. Das müssen wir jetzt zu Ende bringen.“

Vor dem letzten Saison-Heimspiel gegen den Zweitliga-Letzten SC Paderborn am Sonntag (15.30 Uhr, Sky) fehlt nur noch ein Dreier, der sich für eine Beflockung sämtlicher Löwen-Fanartikel mit dem Slogan „From Biero to Hero“ höchst absatzfördernd erweisen könnte: Ein Sieg gegen den Bundesliga-Absteiger, und die Blauen könnten nicht mehr direkt in die 3. Liga abstürzen, der Nichtabstiegshelden-Titel würde von Relegations-Siegtorschütze Kai Bülow an Bierofka weitergereicht.

Und Biero würde mit dem Power-Klassenerhalt mittels drei Erfolgen in Serie unsterblich bei den Löwen. Die Euphorie scheint nach dem Sprung auf Tabellenplatz 14 und der großen Chance, die zweite Spielzeit in Folge voller Abstiegsängste endlich beenden zu können, schier grenzenlos. Heißt: ein Rückschlag droht! Das weiß Präsident Peter Cassalette dank zahlreicher schmerzlicher Beweise der Löwen-Vergangenheit: „Wenn du bei 1860 an den Rande der Euphorie gerätst und denkst: Jetzt ist alles toll, kommt der Dämpfer“, sagte der leidgeprüfte Cassalette der AZ.

„Das Tabellenbild ist trügerisch“

Nicht nur Oberlöwe Cassalette warnt: Bierofka während der Spieltags-Pressekonferenz („Es ist nach wie vor alles möglich“), Sportchef Oliver Kreuzer im AZ-Interview („Das Tabellenbild ist trügerisch“) und Geschäftsführer Markus Rejek im Vorwort des Stadionmagazins („Wir leben wieder, aber unser Ziel haben wir noch nicht erreicht!“) – sämtliche Löwen geben den Oberlehrer. Und zwar zurecht, denn im Gegensatz zu den letzten Gegnern, bei denen es um nichts mehr ging, steht Paderborn kurz davor, aus der höchsten in die dritte Spielklasse durchgereicht zu werden.

„Es hätte wohl zu Saisonbeginn niemand gedacht, dass sie als Bundesliga-Absteiger so weit unten stehen werden. Damit müssen wir umgehen“, sagt Bierofka, der vor Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp warnt („Alleine kann ihn keiner halten, wir müssen ihm im Team den Zahn ziehen“). 1860 erwartet ein echter Keller-Krimi, in dem sich Paderborn mit allen Mitteln wehren wird.

„Am Ende wird entscheidend sein, wer dem Gegner mehr wehtun will.“ Mit welchem System die Löwen nach den Ausfällen der Linksverteidiger Maximilian Wittek (Muskelquetschung und Sperre) und Jannik Bandowski (Ermüdungsbruch) den Ostwestfalen Schmerzen bereiten wollen, stehe laut Bierofka, der zuletzt ein 3-5-2-System getestet hatte, noch nicht fest: „Der Gedanke ist noch nicht verworfen. Dafür spricht: Wir haben drei gute Innenverteidiger, gute Außenbahnspieler und zwei gute Stürmer, also können wir das spielen“, so Bierofka. Der Nachteil: „Mit einem Systemwechsel gehen Automatismen verloren, es ist ein Risiko in einer so kurzen Zeit.“

Mit Bieros Aufstieg zum Helden soll es nicht zuletzt wegen schon knapp 50 000 verkaufter Tickets klappen: „Eine solche Kulisse kann vielleicht diesen einen Pluspunkt herauskitzeln.“

 

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