Für die Löwen geht’s im DFB-Pokal gegen Holstein Kiel. Mit dem Zweitligisten verbindet die Sechzger eine spezielle Geschichte. Gäste-Coach Tim Walter stichelt: "Ich habe jedes wichtige Spiel im Grünwalder Stadion gewonnen."

München - Der 2. Juni 2015, Sporthochschule Oberhaching. Daniel Bierofka, der seinen Trainerlehrgang für die Jugendlizenz absolviert, sitzt dort in einem kleinen Kämmerlein – und droht auszuflippen. "Der Fernseher war nur so groß", sagt der Löwen-Trainer und zeichnet ein kleines, TV-unwürdiges Rechteck in die Luft: "Ich saß einen Meter davor. Zum Glück war keiner außenrum, ich hab‘ vorher meinen Zimmerkollegen rausgeschmissen. Am Ende hab’ ich mich einfach nur riesig gefreut."

Löwen zitterten bis in die Nachspielzeit

Vor dem Erstrundenduell des TSV 1860 im Pokal gegen Holstein Kiel am Sonntag (18.30 Uhr, im AZ-Liveticker) schwelgte Bierofka in Erinnerungen, wie er beim sensationellen Last-Minute-Sieg in der Relegation mitgefiebert hatte. Zweitligist Sechzig gegen Drittligist Kiel hieß damals das Duell, bei dem Bierofka und alle Löwen bis in die Nachspielzeit zittern mussten, ehe Kai Bülow durch den goldenen 2:1-Siegtreffer zum Nichtabstiegshelden aufstieg. "Ich wäre froh, wenn wir noch mal so ein Spiel hinlegen und gewinnen würden", sagt Bierofka vor dem erneuten Duell.

Die Löwen, damals Zweitligist, haben mit dem Kontrahenten aus dem hohen Norden, damals in der dritten Spielklasse, die Liga getauscht. Sie sind also nur Underdog. Aber: Auch jetzt soll, wie in der Relegation (auch im August 2014 im Pokal) ein Sieg her. "Das wird eine Riesen-Herausforderung für uns, aber ich hoffe, dass wir es zusammen hinkriegen. Mit den Fans und dem Stadion, Sonntagabend, 18.30 Uhr – das ist was Besonderes." Bierofka und die Löwen haben Bock aufs Revival!

Duell Bierofka gegen Walter

Sechzig gegen Kiel, es ist auch das Duell Bierofka gegen Tim Walter. Der Holstein-Kiel-Coach trainierte vorige Saison die Reserve des FC Bayern – und vermieste Bierofka mit zwei Derbysiegen die Tour. "Es ist auf Deutsch gesagt schon scheiße, wenn ich gegen die Roten zweimal im Jahr verliere", stichelte Walter damals provokant. In der "Bild" wollte er nun noch etwas loswerden: "Ich habe jedes wichtige Spiel im Grünwalder gewonnen."

Bierofkas Konter? "Ich kann deswegen schon nicht mehr schlafen. Ist mir relativ egal", sagt er knapp: "Ich spiele nicht gegen Tim Walter." Das Duell der beiden aufbrausenden Wesen würde Bierofka allzu gerne gewinnen. Dazu müsse 1860 versuchen, den "mutigen" Walter-Fußball zu unterbinden: "Sie spielen guten, zweitligauntypischen Fußball mit viel Ballbesitz, das ist seine Handschrift."

Der 3:0-Sieg gegen Bundesliga-Absteiger HSV und das 1:1 gegen Heidenheim in Unterzahl hätten laut Bierofka Zeugnis davon geliefert, dass sich Kiel im Vergleich zur Vorsaison, als die Durchmarsch-Hoffnungen erst in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg jäh zerschlagen wurden, "nicht so viel verschlechtert" habe.

Bierofka fordert: "Bis zum Erbrechen laufen"

Die Sechzger müssen also über sich hinauswachsen, wenn was gehen soll gegen den Favoriten. Bierofkas Maßnahmen? Füße hochlegen und brechen. "Ich hatte das Gefühl, dass wir mental und körperlich eine Pause brauchen", so der 39-Jährige über das kurzerhand abgesagte Freitagstraining: "Es ist wichtig, dass wir am Sonntag dazu in der Lage sind, bis zum Erbrechen zu laufen."

Zudem soll nach nur vier Punkten aus den ersten vier Ligaspielen endlich der Lohn für gute Leistungen her. "Nach der 85. Minute wären wir Tabellenführer. Ist schon mal positiv, dass wir gut spielen, jetzt geht’s darum, die letzten Minuten gut über die Bühne zu bringen", so Bierofka über die drei späten Gegentore gegen Lautern (0:1), Osnabrück (2:2) und Uerdingen (0:1).

Löwen-Trainer bemüht eine Phrase

Das könne man in der Liga erst gegen Aalen (25. August) reparieren, da es vorerst nicht um Punkte geht. Vielmehr um alles oder nichts. Wie damals eben, als Sechzig (vorerst) zweitklassig blieb. Schlusswort Bierofka: "Der Pokal hat – und jetzt muss ich fünf Euro ins Phrasenschwein zahlen – seine eigenen Gesetze."

Diesmal könnte Bierofka seine Jubelsprünge direkt an der Seitenlinie vollziehen.

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