TSV 1860 gegen Hoffenheim AZ-Analyse: Verdienter Löwen-Lohn

Hatte einen schweren Stand gegen die Löwen um Maxi Wittek, Kai Bülow und Keeper Stefan Ortega: Ex-Sechziger Kevin Volland. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 schlägt die TSG Hoffenheim mit 2:0 und zieht in die Zweite Runde des DFB-Pokals ein. Sehen Sie hier die AZ-Spielanalyse!

 

München - Die Pokalüberraschung ist perfekt! Der TSV 1860 hat die höherklassige TSG 1899 Hoffenheim aus dem Wettbewerb gekegelt. Und damit endlich das langersehnte Erfolgerlebnis gefeiert. Letzten Endes brachte man den Kraichgauern um Rückkehrer Kevin Volland eine verdiente Niederlage bei - und erntete den verdienten Löwen-Lohn einer bärenstarken Leistung.

Das Spiel: Von Beginn an drückten die Löwen auf's Gaspedal.Trainer Torsten Fröhling hatte vor der Partie angemerkt, wie wichtig es sein, ein so spielstarkes Team wie Hoffenheim gar nicht erst zur Entfaltung kommen zu lassen. Und genau das taten die Löwen auch (nicht): gutes Pressing, hohe Laufbereitschaft, Aggressivität - für die Gäste gab es über 90 Minuten kaum ein Durchkommen. Die Löwen fanden im Vergleich zum Saisonauftakt auch in der Offensive bessere Mittel. Man kann getrost von einem rundum gelungenen Auftritt sprechen.

Die Tore: Der Südafrikaner Daylon Claasen war es, der die Löwen mit seinem Führungstreffer erlöste (51.). Marius Wolf hatte nach einem Ballverlust von Kaderabak viel Platz auf dem linken Flügel, zog zur Mitte und entschied sich nicht für den einlaufenden Rubin Okotie, sondern für den völlig blanken Claaysen rechts im Strafraum - und damit für die goldrichtige Option, denn der kleine Dribbler blieb eiskalt und vollstreckte aus kurzer Distanz. Das entscheidende 2:0 erzielten die Löwen kurz vor Spielschluss per Konter: Diesmal behielt Daniel Adlung kurz vor dem Strafraum die Übersicht und bediente Joker Fejsal Mulic, dessen Abschluss in der kurzen Ecke landete und Löwen-Jubelstürme entfesselte (93.).

Die Szene des Spiels: Es war eine jener Aktionen, die alles über den Haufen hätte werfen können:Schmid stand nach starker Vorarbeit durch Elyounoussi plötzlich vor Ortega, der Pokal-Stammkeeper entschärfte den Abschluss aber mit einer glänzenden Parade (45.). Man braucht nicht darüber zu diskutieren, dass ein Gegentor in dieser Phase und so kurz vor der Pause eventuell tödlich gewesen wäre für die anrennenden Löwen.

Das war gut: Was war denn überhaupt NICHT gut? Die Löwen spielten ein starkes, aggressives Pressing und bestachen mit einer blitzsauberen Mannschaftsleistung. Das Löwen-Kollektiv funktionierte, jeder kämpfte für jeden, während auf Seiten der Gäste durchaus ab und an sichtbar wurde, dass die Elf von Trainer Markus Gisdol erst das erste Pflichtspiel der neuen Saison absolvierte. Und dennoch hätten die Löwen kaum gegen eine solch spielstarke Erstliga-Mannschaft gesiegt, wenn sie nicht eine überragende Partie geliefert hätten - in allen Mannschaftsteilen. Auch der zuletzt oft mangelhafte Spielaufbau und daraus resultierende Offensiv-Aktionen konnte man öfter beobachten als gegen Heidenheim und Freiburg zusammen.

Das war schlecht: Mit der Chancenverwertung kann Fröhling nicht zufrieden sein. Vor allem Marius Wolf hätte die Löwen einmal in Führung schießen können, einmal müssen. Weil er das leere Tor allerdings nicht traf, blieb es weiter ein Spiel auf Messers Schneide, denn Hoffenheim schien immer auch für einen Treffer aus dem Nichts gut zu sein. Auch Fejsal Mulic hätte später den ein oder anderen Konter konsequenter zu Ende bringen müssen. Sie agierten diesmal zwar sehr mannschaftsdienlich, aber das Sturmduo Okotie und Stephan Hain hat weiterhin keinen Treffer erzielt. Der Knoten sollte besser früher denn später platzen.

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Das sagt Löwen-Trainer Torsten Fröhling: "Ich bin sehr glücklich. Die Mannschaft hat sich endlich mal belohnt. Ich habe vor dem Spiel gesagt, die Chancen stehen 50:50. Wir sind schon im Spielrhythmus, das wollte ich ein bisschen ausnutzen und habe es der Mannschaft auch so verkauft. Wir wollten von Anfang an zeigen, das wir weiterkommen wollen. Wir haben ganz schnell die Zuschauer auf unsere Seite bekommen, die uns sensationell unterstützt haben. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Wir konnten die Qualität gegen einen sehr starken Gegner, der aber noch nicht bei 100 Prozent ist, über weite Strecken hochhalten. Wir dürfen aber nicht einen Millimeter nachlassen, sondern weiter so geschlossen auftreten, denn wir haben in der Liga noch null Punkte.

Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol: "Ich gratuliere den Sechzigern zu einem letzten Endes verdienten Sieg. Wir haben es nicht geschafft, zu unserem Spielrhythmus zu finden. Wir haben viel zu lange Ballpassagen gehabt, viel zu wenig zielgerichtet gespielt und dem Gegner dadurch die Möglichkeit gegeben, sich zu organisieren. Wir wissen, dass die Sechziger dort stark sind wegen haben sie aus dem Spiel heraus in der zweiten Liga noch kein Gegentor bekommen. Da haben wir ihnen in die Karten gespielt. Es war ein deutlicher Tick zu wenig von uns."

 

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