TSV 1860 Ein Sechzger-Held wird 90: Stille Feier im Altersheim

Ganz oben nach dem Aufstieg 1977: Heinz Lucas auf den Schultern von Torwart Bernd Hartmann und Alfred Kohlhäufl. Foto: Horstmüller

1977 stieg Heinz Lucas mit den Löwen in die Bundesliga auf. Jetzt feiert der Ex-Trainer Geburtstag mit Sekt und Blumen.

ERKRATH Es wird eine kleine Feier, Dienstag im Altersheim in Erkrath. Vor dem Mittagessen, das Pflegepersonal wird da sein, genau wie Klaus Budde, Robert Begerau und Fred Hesse. Alte Spieler von Fortuna Düsseldorf, wo Heinz Lucas Trainer war, bevor er zu den Löwen ging. Herbert Kreidt wird da auch sein, sein Betreuer, früher 18 Jahre lang Schatzmeister bei der Fortuna. Kreidt sagt, dass es Sekt geben wird und Blumen, aber keine großen Geschenke.

Denn was will man einem Mann zu seinem 90. Geburtstag schenken, wenn er krank ist und es ihm manchmal schwer fällt, sich an früher zu erinnern? An seine großen Erfolge als Fußballtrainer. Vor allem an den Bundesliga-Aufstieg mit den Löwen.

1975 war der gebürtige Berliner zu den Löwen in die 2.Liga Süd gekommen, 1977 wurden die Sechzger Zweiter hinter dem VfB Stuttgart, es folgten die Relegationsspiele gegen Arminia Bielefeld, dem Zweiten der Nord-Staffel. Erst das 0:4 auf der Alm, ein Debakel, doch dann das Wunder, daheim im Olympiastadion ein 4:0, Nachreiner, Haunstein, Hartwig, Metzger die Torschützen. Hartwig und Metzger trafen auch beim Entscheidungsspiel in Frankfurt zum 2:0. Die Löwen stiegen auf und trugen Heinz Lucas auf den Schultern aus dem Waldstadion. Spiele für die Vereinshistorie, genau wie das Derby gegen die Bayern im November 1977, das berühmt wurde, weil Rummenigge Hofeditz watschte und die Löwen 3:1 gewannen.

Lucas wusste zu feiern. Einmal, auf einer Heimfahrt nach einem Auswärtssieg, wollte er eine Rede halten, also stellte er sich vorn in den Gang des Busses und schaffte es gerade noch, „Männer“ zu sagen, bevor er dann umfiel, weil er nicht mehr ganz nüchtern war, sondern sternhagelvoll.

Bald war aber es aber nicht mehr so lustig, nach dem Abstieg und Platz 7 in der Hinrunde gab es an Heiligabend 1978 als schöne Bescherung den Anruf von Präsident Erich Riedl und den telefonischen Rauswurf. Lucas ging noch nach Braunschweig, Wuppertal, Fürth, als er 61 war, sprach seine Frau Delo ein Machtwort: „Heinz, nu is aber jut.“

Die beiden zogen nach Mettmann nahe Düsseldorf, und nach dem Tod seiner Frau vor 13 Jahren, da kaufte er sich noch ein Rennrad für Ausflüge durchs Bergische Land.

Doch mit den Jahren wurde er gebrechlich. Ohne Angehörige, ohne Kinder wurde es einsam. Herbert Kreidt kümmerte sich um ihn, vor einem Jahr sah er aber, dass es ohne Rundum-Betreuung für Lucas nicht mehr ging. Am 1. Oktober 2009 zog Lucas dann ins Seniorenstift Rosenhof in Erkrath östlich von Düsseldorf. Dort lebt er nun in einem schönen Appartement, und auch wenn er sich inzwischen schwer tut mit der Erinnerung – die Löwen werden Heinz Lucas nie vergessen.

Florian Kinast

 

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