TSV 1860 Die Löwen und der Rösler-Poker

Jubelt Sascha Rösler (Mitte) auch nächste Saison noch in Weiß-Blau? Der Klub hat ihm einen Einjahresvertrag angeboten. Foto: dpa

MÜNCHEN - Der Vertrag des Offensivmanns bei 1860 läuft zum Saisonende aus. Der nächste Gegner Düsseldorf will den 32-Jährigen verpflichten. Sein Berater sagt: „Es gibt Interesse von mehreren Vereinen“.

 

Wenn es im Fußball um Dankbarkeit ginge – die Sache mit Sascha Rösler wäre ganz einfach: Fast ein Jahr lang hatte Rösler nach seinem Wechsel aus Mönchengladbach im Januar 2009 gebraucht, um bei den Löwen regelmäßig gute Spiele zu zeigen. Wenn es also um Dankbarkeit ginge, müsste der 32-Jährige bei den anstehenden Vertragsgesprächen zu Zugeständnissen bereit sein.

Doch so einfach ist es nicht. Erstens ist das mit der Dankbarkeit im Profigeschäft so eine Sache. Und außerdem geht die Rechnung auch andersrum auf: Spätestens seit Beginn der Rückrunde ist Rösler richtig aufgeblüht bei 1860, gehört seit Wochen zu den Besten, ist endlich der Kopf der Mannschaft. Dass die Löwen sich gefangen haben, auf Rang sieben stehen und darauf hoffen können, dass nun nächste Saison alles besser wird, haben sie auch Rösler zu verdanken. Die Löwen täten also wohl gut daran, alles zu versuchen, eine Führungspersönlichkeit wie ihn zu halten.

Tatsächlich ist es aber so: Sowohl Rösler als auch die Löwen wissen, was sie aneinander haben. Seit Wochen schon signalisieren beide Seiten, dass sie an einer Verlängerung des im Juli auslaufenden Vertrages interessiert sind. Und doch kommen sie nicht so richtig zu Potte.

„1860 hat uns signalisiert, dass sie Sascha gerne behalten würden, aber es gibt noch keinen Termin für die Vertragsgespräche“, sagt Röslers Berater Dirk Lips. Und das liegt nicht nur an 1860. „Ich fühle mich richtig wohl hier, die Löwen sind meine erste Option. Aber eine Entscheidung wird sicher erst im Mai fallen. Es wird einer meiner letzten Profi-Verträge, deshalb muss ich mir das genau überlegen“, sagt Rösler. Lips hat sich deswegen schon nach Alternativen umgesehen. „Es gibt von mehreren Vereinen Interesse – und es wäre verwunderlich, wenn nicht. Sascha ist Stammspieler bei 1860, man kennt ihn in Deutschland“, sagt Lips.

Vielleicht möchten Rösler und Lips so den Preis nach oben schrauben – dem Vernehmen nach soll Stevic dem Mittelfeldspieler deutlich weniger Gehalt als bisher zahlen wollen. Doch am Geld allein liegt es nicht, dass Rösler zögert. Es geht auch ums Gefühl.

Interessiert am 32-Jährigen ist nach AZ-Informationen ausgerechnet der nächste Löwengegner Fortuna Düsseldorf. Und das würde passen. Die Düsseldorfer sind ähnlich ambitioniert wie 1860, wollen spätestens nächste Saison aufsteigen – und Rösler könnte zurück in den geliebten Westen ziehen. Rösler stammt zwar vom Bodensee, aber die schönste Zeit seiner Karriere verbrachte er am Rhein: zunächst bei Aachen, von dort stammt auch Freundin Annika, und dann in Gladbach.

„Die Wertschätzung gegenüber Fußballern ist im Westen größer als anderswo. Hier leben die Leute Fußball und tragen dich als Fußballer teilweise auf Händen. Die Menschen hier gönnen es einem, wenn er Profi wird“, sagte er einst in einem „11 Freunde“-Interview. Spricht also alles für Düsseldorf? „Irgendwann möchten wir wieder zurück in den Westen“, sagt Rösler. Wobei die Betonung auf „irgendwann“ liegt: „Annika und ich haben noch keine Kinder. Wir sind also flexibel, können auch später zurück.“

F. Cataldo, M. Berger

 

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