TSV 1860 Die heimlichen Chefs bei 1860: „Loben und antreiben!“

Rückkehr gegen Paderborn? Florin Lovin Foto: sampics

Weil die ausgeguckten Führungsspieler mit Problemen zu kämpfen haben, kommt es bei den Löwen nun auf drei Spieler besonders an: Lovin, Kiraly und Buck sind in der Verantwortung.

 

MÜNCHEN Die Löwen stehen vor ihrer ersten schwierigen Prüfung der Saison. Aus dem nur mäßigen Start droht ein völlig verpatzter zu werden, also wollen die Sechzger am Sonntag in Düsseldorf mit allen Mitteln die dritte Pleite im vierten Spiel verhindern.

Doch wer schreitet dabei eigentlich voran? Wer ist der Leader in diesem Kollektiv, das zwar stabil scheint, bei weiteren Niederlagen aber bröckeln könnte?

Klar, Daniel Bierofka ist Kapitän und ältester Feldspieler. Doch der 31-Jährige hat nach seiner langen Verletzungspause noch viel mit sich selbst zu kämpfen und ist froh, überhaupt gesund zu sein. Vizekapitän Benny Lauth trifft zwar das Tor, ist aber ein ruhiger Typ. Stefan Aigner will sich nach dem Wechseltheater und einem schwachen Spiel in Duisburg erst mal auf sich konzentrieren. Und bei Alex Ludwig dominiert der Frust, weil sich für ihn kein Törchen zur Löwen-Stammelf öffnen will.

Doch jetzt, da der frühzeitige Absturz in der Tabelle droht, braucht es Leute, die den Sechzgern die Gefahren aufzeigen - und sie wachrütteln. Die AZ nennt drei Spieler, die zum neuen Löwen-Chef aufsteigen könnten.

Florin Lovin: Der Rumäne saß zwar die ersten Spiele draußen, doch jetzt kehrt der Mann, den viele als Löwen-Leader Nummer eins ansehen, zurück. Lovin mag nach seiner „Denkpause“, wie Trainer Reiner Maurer die Verbannung auf die Bank nennt, über sich als entscheidenden Baustein nicht viel sagen. „Wenn ich zurückkehre, muss ich erst mal Erwartungen erfüllen", betont der 28-Jährige, doch Kiraly erklärt: „Florin ist immer mit vollem Herzen dabei und geht voran." Sollte Lovin bald die erhoffte Form erreichen, kann er auch als Leader glänzen. Vor allem, weil er als zentraler Mittelfeldspieler immer voll drin ist im Geschehen und von dort aus zu jedem Kontakt halten kann.

Gabor Kiraly: Klar, der Ungar ist Torwart, und von dieser Position aus ist es nicht leicht, alles und jeden im Blick zu haben. Doch genau das ist sein Ziel. „Ich beobachte jeden Einzelnen", sagt er. „Und zwar ständig.“ Schon während seiner Bundesligajahre bei Hertha BSC Berlin habe man von ihm eine Führungsrolle verlangt, „damals wusste ich überhaupt nicht, was ich machen sollte."

Heute weiß der 34-Jährige, was zu tun ist. „Ich bin so erfahren, dass ich jedem Einzelnen Hinweise geben und helfen will." Da unterscheidet er auch nicht zwischen den vielen Jünglingen im Team oder einem Routinier wie Bierofka. „Ich hatte das Gefühl, Biero konnte es nach seinem Comeback nicht schnell genug gehen. Ich habe ihn dann zur Seite genommen und gesagt, er soll langsam einen Schritt nach dem anderen gehen." Generell, sagt Kiraly, wolle er immer „loben und antreiben“. Und sein Ziel lautet: „Ich will den anderen vermitteln, dass wir Herz, Kraft und Mut brauchen, um erfolgreich zu sein."

Stefan Buck: Der Abwehrspieler ist zwar neu im Kader, trotzdem bringt er entscheidende Voraussetzungen mit, eine Leaderrolle einzunehmen: Er ist erfahren, mündig und groß. „Ich habe viel mitgemacht und kann einiges, was ich in dem Geschäft gelernt habe, weitergeben“, sagt er. Deswegen ist es auch kein Problem für ihn, fortan wieder links zu verteidigen, also nur am Rande des zentralen Geschehens zu spielen. Aber auch dort könne er nur Hinweise geben, „denn letztlich definiert sich jeder ein bisschen als Führungsspieler, wenn er mit seiner Leistung vorangeht. Man kann einem Fußballer nur helfen, ihm aber nicht alles vorsagen."

Für Buck ist Harmonie entscheidend. Deswegen bringe es auch nichts, „auf dem Feld wie ein Wilder rumzuschreien. Das kann jeder. Es kommt darauf an, ruhig und sachlich zu bleiben. Nur so erreicht man seine Mitspieler." Und, sieht sich der 30-Jährige nach wenigen Monaten bei Sechzig schon als Führungskraft? „Ich mag das Wort nicht so richtig. Aber klar, ich trage dazu bei. Wichtiger ist mir aber, dass wir uns im Kollektiv gegenseitig führen."

Marco Plein

 

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