TSV 1860 Der geläuterte Löwe? Ghvinianidze spielt auf Bewährung

Muss seine Trainingsjacke wohl noch ein wenig anlassen: 1860 Innenverteidiger Mate Ghvinianidze. Foto: az

Der Abwehrspieler war bei 1860 wegen mehrerer Disziplinlosigkeiten in Ungnade gefallen. Jetzt gelobt der Georgier Besserung: „Dieser Blödsinn wird mir nie wieder passieren. Versprochen!"

 

MÜNCHEN Ewald Lienen musste schmunzeln, als ihn zwei Fans am Trainingsgelände fragten: „Trainer, was haben Sie mit dem Ghvinianidze gemacht? Der grüßt uns das erste Mal seit zwei Jahren.“ Lienen hörte interessiert zu und bemerkte augenzwinkernd: „Dann hat’s ja was geholfen.“

Hat Mate Ghvinianidze sich besonnen? Nach dem Schuh-Eklat (der Georgier hatte in Oberhausen seine Fußballschuhe vergessen) und übertriebenen Ausflügen in die Münchner Schicki-Micki-Szene hat sich der 23-jährige Löwen-Verteidiger nun offenbar selbst hinterfragt. Er gibt sich geläutert: „Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe – und die werden auch nicht mehr vorkommen. Versprochen! Dieser Blödsinn wird mir nie wieder passieren. Aber als junger Mann schießt man halt auch mal ein paar Böcke. Ich bin jetzt wieder richtig motiviert – und will helfen, dass wir eine tolle Rückrunde spielen.“

Einsicht ist das eine, Abschreckung das andere. Ghvinianidze hat neben einer Geldstrafe (geschätzte 10000 Euro) für die Dezember-Entgleisungen auch scharfe Auflagen vom TSV 1860 bekommen. „Mate spielt bei uns ab sofort auf Bewährung“, sagte Lienen der AZ, „er kennt jetzt die Spielregeln. Wir können keine Entgleisungen mehr dulden.“ Der Trainer hatte für Ghvinianidzes Disziplinlosigkeiten vor allem das Umfeld des Georgiers verantwortlich gemacht: „Vielleicht hat Mate falsche Freunde.“

Auch Sportdirektor Miki Stevic nahm sich den Georgier zur Brust: „Ich hatte kürzlich ein sehr langes Gespräch mit Mate. Er macht mir den Eindruck, dass er sich alles, was vorgefallen ist, sehr zu Herzen genommen hat. Er weiß aber auch, dass er sich nicht mehr viele Fehler erlauben darf.“

Dass es beim finanziell angeschlagenen Zweitligisten 1860 fragwürdig ist, mit einem 140000 Euro teuren mattschwarzen Luxuswagen Audi R8 am Trainingsgelände vorzufahren und damit so manchen Fan zu brüskieren, hat Ghvinianidze laut Stevic auch eingesehen. „Aber es ist auch Kindergarten“, findet Lienen, „wenn Mate das Auto vor dem Trainingsgelände auf der Straße parkt. Jeder weiß inzwischen, dass das sein Auto ist.“

Sportlich kann der Trainer seinem robusten Verteidiger, laut der Bundesliga-Datenbank „impire“ der zweitbeste Zweikämpfer der Liga, inzwischen nichts mehr vorwerfen. „Mate verhält sich absolut korrekt, er trainiert wieder so wie vor seinem Eklat.“ Und genau das brauchen die Löwen auch. „Wir wissen alle“, sagt Stevic, „welche Stärken Mate hat, aber er hat auch Schwächen außerhalb des Fußballplatzes. Und er muss wissen: Ein Auto kann auch nicht nur mit der Karosse fahren, sondern braucht auch Reifen dazu.“

Damit das Abwehr-Talent nicht wieder auf die schiefe Bahn gerät, hat Stevic Ghvinianidze ein Angebot gemacht: „Wenn Mate wieder Probleme hat, dann soll er bei mir anrufen. Egal zu welcher Uhrzeit – und eines sollte Mate bei seinen Verabredungen bedenken: Wir haben viele Fans in der ganzen Stadt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Fans erfreut sind, wenn sie ihn zwei Tage vor einem Spiel auf der Piste sehen.“ Oliver Griss

 

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