TSV 1860 Der blaue Rückpass (8): Timur Yanyali

War 13 Jahre bei den Löwen: Timur Yanyali, mittlere Reihe, ganz links. Foto: dpa

Er war 13 Jahre beim TSV 1860, ist mit Stevic befreundet und sauer auf Werner Lorant war. Für Bekant Göktan fordert er eine zweite Chance bei den Löwen.

AZ: Herr Yanyali, Sie kamen mit sieben Jahren zu 1860 München und haben dort bis zu Ihrem 17. Lebensjahr in der Jugend gespielt. Sie waren der erste Junglöwe, der dann direkt den Sprung in den Profikader von Werner Lorant geschafft hat. Wie stolz sind sie heute noch darüber?

TIMUR YANYALI: Natürlich bin ich sehr stolz darauf. Insgesamt war ich 13 Jahre bei 1860, bin 1994 mit 17 direkt von der Jugend aus zu den Profis. Dort war ich bis 1996. Lorant fragte mich irgendwann vor einem Spiel bei Bayer Uerdingen, ob ich mir das zutrauen würde. Von da an ging es bergauf mit mir.

Gibt es ein Spiel, an das Sie besonders gern zurück denken?

Das war das DFB-Pokalspiel 1995 gegen Leverkusen im Grünwalder Stadion. Bei denen spielten damals der Rudi Völler, Bernd Schuster und Andi Thom. Wir sind im Elfmeterschießen weiter gekommen und ich hatte zum Schluss Krämpfe in den Füßen, sagte zu Werner Lorant „ich kann nicht mehr geradeaus gehen“, aber er meinte: „Du haust den jetzt rein.“

Was kam nach den Löwen?

Im zweiten Jahr lief es für mich nicht mehr so gut, aber dann bin ich in die erste türkische Liga. Meine ganze Karriere nach den Löwen war in der Türkei. Als junger Türke musst du den Schritt in die erste Liga dort machen, wenn du die Chance hast. Dort habe ich für Istanbul Spor, Adana Spor und Sivas Spor gespielt. Bei Sivas Spor war Werner Lorant eine Saison sogar wieder mein Trainer. Leider.

Warum leider?

Na, weil er mich in dem Jahr in der Türkei hat fallen lassen. Ich war am Saisonanfang leicht verletzt und dann, als ich wieder fit war, sagte Lorant, dass er mich nicht mehr braucht. Da war ich total böse auf ihn. Er hat mich bei 1860 groß gemacht, aber was er in der Türkei mit mir gemacht hat, ging nicht. Nach fünf Wochen haben die ihn eh gefeuert. Ich war nicht froh, sondern einfach enttäuscht, dass er mich hat fallen lassen. Erst bringt er dich bei 1860 raus, und dann lässt er dich eiskalt fallen. Ich war total sauer.

Warum sind Sie nicht länger bei den Löwen geblieben?

Ich fand es schade, dass ich nicht länger in der Bundesliga geblieben bin, obwohl der Schritt in die Türkei richtig war. Damals ist es zum Schluss bei 1860 nicht mehr so gelaufen, wie am Anfang und dann kam der reiche Präsident von Istanbul Spor und wollte mich unbedingt haben. Ich habe da gut verdient und alles war okay.

2008 haben Sie Ihre Karriere beendet, was kam danach?

Meine Frau und die Kinder waren die ganze Zeit in Deutschland, die Kleinen sind hier im Kindergarten und ich war die ganze Zeit weg von ihnen. Das wollte ich nicht mehr. Dann habe ich mit 34 Schluss gemacht mit Fußball. Jetzt bin ich für das Scouting für junge türkische Spieler für die Vereine Sivas Spor und Ancara Gücü zuständig. Aber ich will noch Spielerberater machen.

Zu welchen Ex-Löwen haben Sie noch Kontakt?

Zu Peter Pacult und Horst Heldt. Pacult habe ich in Wien besucht und Horst Heldt habe ich letztens einen Spieler von mir angeboten. Eine richtige Freundschaft hat sich leider nie ergeben zu den Jungs von damals. Ich war ja auch lange weg aus München.

Gibt's irgendwann eine Rückkehr zu den Löwen?

Ich habe immer noch sehr guten Kontakt zu Miki Stevic. Wir telefonieren regelmäßig. 1860 ist mein Jugendverein. Ich war da 13 Jahre, das kann man nie vergessen. Ich wohne jetzt auch neben dem Grünwalder Stadion. Bei den Löwen im Jugendbereich oder als Scout, das wäre natürlich ein Traum für mich. Und das natürlich an der Seite von Stevic, meinem alten Zimmerkollegen von früher.

Ist da eine Freundschaft entstanden zwischen Ihnen?

Stevic war mir früher immer sehr behilflich. Er war immer ehrlich zu jedem und hat mir immer geholfen und auch gesagt, was ich nicht machen soll. Ich war damals 17 Jahre alt und wenn du da jemand hast, der immer bei dir ist und dir hilft, das hat mir natürlich imponiert. Eine ganz wichtige Bezugsperson, fast wie ein Vater für mich. Ich weiß, dass ich ihn auch heute noch jederzeit anrufen kann, wenn ich einen Rat brauche. Miki hätte auch einem Göktan geholfen, wenn er da schon Sportdirektor gewesen wäre.

Es gab immer Gerüchte über eine Rückkehr von Berkant Göktan zu den Löwen. Will Stevic ihn zu 1860 zurückholen?

Wir haben mal gegeneinander gespielt, als Berkant bei Besiktas war und ich bei Adala Spor. Ich war traurig, als ich von dem Fall hörte. Man darf nicht zu früh über ihn urteilen. Vielleicht geht es ihm nicht gut oder er baut sich gerade etwas auf. Micki hat zu mir gesagt:“ Schade, dass ich nicht so einen Spieler wie Berkant im Kader habe.

Sollte man Göktan eine zweite Chance geben?

Auf jeden Fall. Ich fänd es richtig, wenn man ihm helfen würde. Jeder Mensch macht Fehler und das sieht auch Stevic so. Und wie bei mir damals würde Micki auch Göktan helfen. Was ein Marco Kurz gemacht hat bei Göktan finde ich eine Schweinerei. Göktan rettet ihm mit seinen Toren seinen Kopf und am nächsten Tag kommt vom Kurz der Satz: „Was hat Göktan für Sechzig gemacht?“

Interview: Reinhard Franke

 

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