TSV 1860 Der blaue Rückpass (13): Thomas Miller

Absolvierte von 1989 bis 1997 für die Löwen 436 Spiele: Thomas Miller. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Thomas Miller - Kult-Löwe der Lorant-Ära. Warum sich der Finanzfachmann nicht mehr bei 1860 engagieren will.

AZ: Herr Miller, Sie haben zwischen 1989 und 1997 für die Löwen 436 Spiele gemacht. Das waren die erfolgreichen Jahre unter Lorant und Wildmoser. Ihre schönste Zeit als Fußballer?

THOMAS MILLER: Es war eine wunderschöne Zeit für die Spieler und für die Fans. Für den ganzen Verein war es eine erfolgreiche Zeit. Das waren die drei Aufstiege, die ich in den Jahren mit Sechzig erlebt habe. Vorher war ich zwei Jahre in Haching und vier Jahre in Augsburg.

Und zu welchem Verein haben Sie heute die engste Bindung?

Das ist 1860 ganz klar. Ich interessiere mich zwar auch für den FCA und die Spielvereinigung, aber die Löwen sind mir schon am nächsten.

Nach der Karriere hat man Sie nur noch selten im Löwenstüberl gesehen. Wollten Sie nie zurück zu 1860?

Nein. Für mich war klar, dass ich ganz aufhöre, wenn ich meine Karriere beende. Ein kompletter Schlussstrich. Ich war damals 35. Ich wollte nie Trainer oder Manager werden. Daran hatte ich nie Interesse gehabt.

Aber Kontakt zu den Löwen gibt es schon noch, oder?

Ich schaue mir die Spiele schon noch an. Ich gehe regelmäßig ins Stadion und habe zu allen im Verein und zu den Ex-Kollegen wirklich guten Kontakt. Zum Bernhard Trares, Martin Max und Bernhard Winkler, mit denen ich auch regelmäßig in der Traditionsmannschaft spiele. Man kennt sich halt. Den Daniel Bierofka kenne ich von Kindheit an.

Sie arbeiten heute beim Finanzamt.

Ich bin beim Finanzamt Weilheim und bin da für die Einkommenssteuer zuständig. Ich habe 1980 beim Finanzamt gelernt und bin nach der Fußballkarriere wieder zurück. Meine Familie war für mich immer das wichtigste. Ich wollte kein Vagabundenleben mehr führen wegen meiner Frau und der Kinder.

Gab es eigentlich damals Angebote anderer Vereine, wo Sie nach den Löwen hätten hingehen können?

Angebote hatte ich genügend, aber für mich war das nicht mehr interessant. Ich hatte nach Sechzig mit dem Fußball abgeschlossen.

Es gab gar keine Überlegung nach der aktiven Karriere im Fußball zu bleiben?

Nein. Für mich war immer klar: ich mach den Job - und hab das ja auch gut gemacht, mit Freude. Aber ich wusste, wenn ich aufhöre, ist für mich definitiv Schluss. Egal in welcher Funktion. Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist. Als ich aufgehört habe, war Sechzig im Uefa-Cup.

Davon kann 1860 die letzten Jahre nur träumen. Wann geht es für den Verein wieder nach oben?

Erst dann, wenn da wieder Sacharbeit einkehrt. Der Verein soll sich nicht unter Druck setzen lassen von außen. Nur die Sacharbeit zählt. Dann kommt auch der Erfolg. Man soll sich nicht blenden lassen von Spielern. Wenn ich Spieler kaufe oder verkaufe, zählt nur, was der für den Verein bringt. Leistungsbereitschaft und Charakter sind wichtig. Und da sind Fehler gemacht worden.

War die Allianz Arena auch ein Fehler?

Ja. Man muss überlegen, wie lange der Verein die Arena noch finanzieren kann. Ich mache mir schon Sorgen um Sechzig. Ich glaube zwar, dass Lienen und Stevic das gut machen, aber es ist ja der gesamte Umstand vom Verein. Die finanziellen Belastungen werden zu viel für Sechzig. Das verkraftet der Verein nicht. Es sei denn ein großer Sponsor steigt ein. Es gibt nicht nur den Herrn Schwarzer.

Wie sehen Sie die Stadion-Diskussion, die immer wieder aufkommt?

Normalerweise ist das Thema durch, aber ich sage eins. Das Grünwalder Stadion ist die Lebensversicherung für 1860. Das darf auf gar keinen Fall abgerissen werden. Wer weiß, ob die erste Mannschaft da nicht doch mal wieder spielen wird. Eine kurzzeitig angedachte Rückkehr ins Olympiastadion ist für Löwen-Fans nicht annehmbar.

Können Sie als Finanzmensch den Löwen nicht helfen?

Wir telefonieren zwar immer regelmäßig mit den Gremien, aber die machen das schon besser als ich. Da nützt auch kein Finanzfachmann bei 1860. Soviel habe ich an Einnahmen und soviel an Ausgaben. Man muss nur eins und eins zusammenrechnen.

Sie engagieren sich nebenbei für das Projekt „Sternstunden“. Erzählen Sie mal…

Ich engagiere mich seit zehn Jahren für die „Sternstunden“ vom Bayrischen Rundfunk für kranke Kinder, dass da etwas Geld zusammenkommt. Da sind schwere Fälle darunter. Da sind im Team des „FC Sternstunden“ auch andere Ex-Kollegen dabei wie der Wolfgang Dremmler, Bernhard Winkler oder der Dieter Eckstein. Das Geld geht zu hundert Prozent an die Kinder.

Zurück zum Sportlichen: Micki Stevic hat zu Ihrem früheren Kollegen Timur Yanyali gesagt, dass er einen Spieler wie Berkant Göktan gerne im Kader hätte. Ist eine Rückkehr zu den Löwen nach der Kokain-Affäre überhaupt denkbar?

Man sollte Göktan ganz klar eine Chance geben. Wenn der jetzt nicht daraus gelernt hat, dann kann man ihm eh nicht mehr helfen. Ich würde ihm diese Chance geben. Im Herzen ist er ein sehr guter Mensch, der sehr sensibel ist. Das ist sein Problem. Wir haben uns zufällig mal getroffen und man muss halt mit ihm noch mal sprechen. Es gibt immer Mittel und Wege. Ich denke, dass da schon was geht. Wichtig ist, dass man das Gespräch sucht. Er ist ein Löwe. Er vermisst 1860 sicher.

Vermissen Sie den Fußball?

So gut wie heuer ist es mir noch nie gegangen. Ich wohne mit meiner Frau und meinen zwei Kindern in der Nähe von Starnberg und mir fehlt es da an nichts. Mich interessiert Fußball weiterhin, aber ich will nicht dieses Vagabundenleben mehr führen. Ich bin sehr oft von Sechzig gefragt worden, ob ich etwas machen will im Verein. Ich habe immer abgelehnt. Wenn man das macht, braucht man 24 Stunden am Tag für Sechzig und das 365 Tage. Sonst braucht man nicht anfangen. Da braucht man die nächsten drei, vier Jahre, bis man wieder in ruhigem Fahrwasser ist. Da gibt es dann keine Freizeit und kein Familienleben mehr. Das will ich nicht.

Interview: Reinhard Franke

 

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