TSV 1860: Das Ismaik-Schneider-Dilemma Chronologie der Missverständnisse

Präsident Dieter Schneider trifft zur Aufsitzsratssitzung am 7. Januar an der Geschäftsstelle des TSV 1860 ein. Foto: Maximilian Wessing

2011 rettete der Investor Hasan Ismaik den TSV 1860 vor der Pleite. Hier lesen Sie, was bisher geschah.

 

München - Barcelona! Bayern! Eigenes Stadion! Unendlich schien nur der Himmel, als Hasan Ismaik mit großem Getöse beim TSV 1860 einstieg. Es war der 7. Juni 2011, als der Jordanier sich als Retter feiern durfte. 18,4 Millionen Euro hatte der Jordanier den Löwen überwiesen, dafür hatte er 60 Prozent der Klubanteile bekommen.

Die Löwen waren der erste Klub in Deutschland, bei dem ein arabischer Geldgeber einstieg. Denn die von der akuten Insolvenz-Gefahr erzwungene Liebesheirat steht nun vor einem Scherbenhaufen.

Die Chronologie einer Geschichte voller kultureller Missverständnisse und gegenseitiger Enttäuschungen:

7. Juni 2011: Ismaik übernimmt die Klubanteile. "Löwen schlafen sehr lange, aber wenn sie wach sind, sind sie unbesiegbar. Diese Löwen haben jetzt lange genug geschlafen. Es wird Zeit, dass wir wach werden", sagt er bei seiner Vorstellung. 1860-Präsident Dieter Schneider gluckst. Als der Jordanier noch anfügt, dass man in zehn Jahren auf einer Stufe mit Barcelona sein könne, da muss der Präsident schlucken.

1. Juli 2012: Ismaik und sein Einflüsterer Hamada Iraki zahlen für 4,5 Millionen Euro den bisherigen Klub-Vermarkter IMG aus. Schneider ist dagegen, stimmt aber doch zu. Dann eskaliert der Streit. Mal. Ismaik und Iraki fordern intern die Ablösung Schneiders, was der Investor am 22.7. per offenem Brief an die Fans dementiert.

Januar 2012: Der Konflikt zwischen Schneider und Ismaik nimmt zu. Es geht um Probleme mit dem Finanzamt, um die Zukunft von Geschäftsführer Robert Schäfer. Schneider will ihn loswerden, da er in ihm nur einen Erfüllungsgehilfen des Investors sieht, Iraki fordert den Rücktritt Schneiders. Andernfalls werde Ismaik nicht mehr investieren.

27. März 2012: Der Friedensgipfel. Schneider und Ismaik rauchen sogar eine Wasserpfeife zusammen. Die Parteien vereinbaren einen Dreijahresplan. Bis 2015 soll der Aufstieg geschafft sein.

6. Mai 2012: Ismaik besucht die Mannschaft am letzten Spieltag. Er verkündet den Dreijahresplan, für 2012/13 stehen der sportlichen Führung 9,5 statt wie bisher 6,5 Millionen Euro zur Verfügung.

16. November 2012: Beim 0:2 gegen Köln sitzt Ismaiks Wunschtrainer Sven-Göran Eriksson auf der Tribüne. Am 20. November tritt Iraki von seinen Ämtern zurück, er scheint seinen Geschäftspartner nicht mehr zu verstehen.

2. Januar 2013: Ismaik nennt Schneider einen "alten Mann", wirft ihm Geltungssucht vor. Der Dreijahresplan sei gescheitert. Er will so schnell wie möglich aufsteigen, neue Spieler holen. Der Verein fürchtet eine Überschuldung. Schäfer erarbeitet ein Konzept, wie 1860 ohne Ismaik überleben könnte.

 

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