TSV 1860 1860: Teammanager gekündigt

Blickt auf ein spannendes Jahrzehnt zurück: Robert Hettich Foto: imago

MÜNCHEN - Der bisherige Pressesprecher und Teammanager Robert Hettich muss gehen. "Es traf mich wie aus heiterem Himmel." Folgen noch weitere betriebsbedingte Entlassungen? Die klammen Löwen müssen bis Januar 5,3 Millionen Euro nachweisen.

 

Beim TSV 1860 kommen die Angestellten nicht zur Ruhe. Nur einen Tag, nachdem der neue Geschäftsführer Robert Schäfer voller Stolz die Einigung mit der Belegschaft in Sachen Gehaltskürzung als "einen ganz klaren Erfolg für mich" verkündet hatte, sorgt nun die Nachricht für Aufregung, dass es bei der zehn prozentigen Gehältskürzung für alle nicht bleiben wird. Sondern Schäfer ein knallharter Sanierer ist - der sich auch nicht scheut, betriebsbedingte Kündigungen gegenüber langjährigen, verdienten Mitarbeitern auszusprechen.

Die Lektüre der AZ muss Robert Hettich am Freitag wie Hohn vorgekommen sein. "Wir haben uns geeinigt, das ist ein sehr gutes Zeichen", hatte sein neuer Boss da im Interview gesagt. Robert Schäfer (34) lobte sogar den Betriebsrat: „Das waren intensive und gute Gespräche. Ich mag es, wenn sich ein Betriebsrat lebhaft präsentiert und die Mitarbeiter mit Überzeugung vertritt.“ Immerhin hatte die Arbeitnehmervertretung herausgeholt, dass die zehnprozentige Kürzung zunächst nur für ein Jahr greift und nicht für immer, zudem, so hieß es, habe man Schäfer abgerungen, dass er auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten werde, wenn denn alle beim Gehaltsverzicht mitmachen.

Für Robert Hettich, seit über einem Jahrzehnt in wechselnden Positionen an der Grünwalder Straße tätig und zuletzt in einer Doppelfunktion als Teammanager und Pressesprecher zur Führungsfigur aufgestiegen, läuft es nun vor allem noch auf eine weitere Überweisung hinaus: seine mögliche Abfindung.

"Mir wurde am Mittwochnachmittag mündlich gekündigt - es hat mich wie aus heiterem Himmel getroffen", sagte Hettich am Samstag der AZ. Er wartet jetzt auf die schriftliche Kündigung, um dies dann von einem Anwalt prüfen zu lassen. "Vorher kann ich nicht reagieren." Bis dahin will Hettich weiter seiner Arbeit als Teammanager nachgehen - er war am Samstag beim Abschlusstraining und geht auch davon aus, die Mannschaft zum Auswärtsspiel am Sonntag in Ingolstadt (13.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) zu begleiten.

Hettichs Job als Pressesprecher hat intern bereits Lil Zercher übernommen, vor einem Jahr hatte sie als Praktikantin in der Pressestelle bei 1860 angefangen, beim Heimspiel gegen Hertha am vergangenen Sonntag moderierte sie erstmals die Pressekonferenz in der Allianz Arena. Hettich, seit 2005 Sprecher des Vereins, sollte zunächst sich auf seine Aufgabe als Teammanager konzentrieren. Jetzt aber bekam er zwei Wochen vor Weihnachten mitgeteilt, dass man sich betriebsbedingt von ihm trennen müsse. Und nun geht auf der Geschäftsstelle die Angst um, dass weitere Entlassungen noch vor dem Jahreswechsel folgen könnten.

Tatsächlich scheint die finanzielle Lage beim angeschlagenen Zweitligisten weiterhin so desaströs, dass eine Insolvenz nicht auszuschließen ist. Nach SZ-Informationen muss der TSV 1860 der Deutschen-Fußball-Liga bis Mitte Januar Bürgschaften in Höhe von 5,3 Millionen Euro nachweisen. Schäfer sagte der Zeitung dazu: "Das kann ich nicht kommentieren." G.J., mpl

 

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