TSV 1860 1860 fehlten 6,3 Millionen Euro - was bedeutet das?

Abschiedsinterview: Robert Schäfer ist nicht mehr Geschäftsführer der Löwen. Foto: AZ

Die Löwen haben verspätet die Bilanz veröffentlicht. Hier steht, was sie wirklich aussagt

 

MÜNCHEN Das Zahlenwerk liest sich zunächst ziemlich übel: Nur ein Jahr nach dem Einstieg von Investor Hasan Ismaik schloss die KGaA des TSV 1860 das Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von 6,315 Millionen Euro ab. Die Schulden betrugen zum Stichtag 30. Juni 2012 exakt 5,165 Millionen Euro.

Überraschend sind die Zahlen, die aus der vier Monate zu spät im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz hervorgehen, aber nicht. Sie ergeben sich aus den Zahlen, die nicht nur die die AZ schon im Januar 2013 veröffentlicht hatte – und die vom Klub bestätigt worden waren.

Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Bilanz:

Wieso wurde die Bilanz verspätet eingereicht? Gegen den TSV 1860 wurde wegen der verspäteten Einreichung ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ex-Geschäftsführer Robert Schäfer hatte den Verzug mit der Eiszeit zwischen Investor Hasan Ismaik und Verein begründet. Da die Seiten nicht miteinander geredet hätten, hätte die Bilanz nicht verabschiedet werden können.

Woher kommt der hohe Fehlbetrag? Die Löwen generieren aus dem laufenen Spielbetrieb und durch Sponsoreneinnahmen weiter nicht genug Geld. Das liegt unter anderem an den hohen Kosten für die Allianz Arena (mehr als 4 Millionen Euro pro Jahr). Ausgeglichen wurde der Fehlbetrag durch Darlehen von Ismaik.

Wie kann der Schuldenstand schon wieder so hoch sein? Hatte Ismaik nicht erst 2011 den Klub entschuldet? Das stimmt so nicht ganz. Ismaik hatte beim Anteilskauf im Mai 2011 die Bank-Darlehen in Höhe von 9,5 Millionen Euro abgelöst und 3,5 Millionen Euro für die Anteile bezahlt. Gleichzeitig hatte er aber dem Klub ein Darlehen über 5,4 Millionen Euro als Liquiditätsnachweis für die DFL gewährt. Dieses Darlehen floss als Schulden in die vorhergehende Bilanz ein. Im Laufe von 2012 gewährte Ismaik im Rahmen des im Sommer 2012 beschlossenen, von Ismaik im Winter aber wieder aufgekündigten Dreijahresplanes weitere Darlehen von 9,3 Millionen Euro. Diese sind zwar nachrangig – müssen also nur zurückgezahlt werden, wenn die Gesellschaft Gewinn macht – fließen aber in die Bilanz ein. Die nicht durch sonstigen Einnahmen gedeckten Darlehen fließen als Schulden in die Bilanz ein: 5,165 Millionen Euro. Tatsächlich haben die Löwen 2011/2012 also Schulden abgebaut.

Was sagt die DFL zur Bilanz? Die DFL interessiert sich in erster Linie dafür, ob der Klub liquide ist und, wie zuletzt, Schulden abbaut. Ob 1860 das jetzt wieder schafft, ist fraglich. Wegen der sinkenden Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen dürfte sich der Schuldenstand zuletzt eher erhöht haben. Den Löwen würde dann eine Geldstrafe drohen. Stichtag für den Liquiditäts- und Schuldennachweis ist der 1. Dezember. 

 

24 Kommentare