Triumphzug in London Görges folgt Kerber: Zwei Deutsche im Wimbledon-Halbfinale

Fassungslos: Julia Görges jubelt über ihren Sieg. Foto: Nigel French/PA Wire/dpa

Was für ein Siegeszug: Tennisspielerin Julia Görges ist in Wimbledon Angelique Kerber ins Halbfinale gefolgt und steht erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier unter den besten Vier.

London - Nach Angelique Kerber ist auch Julia Görges beim Grand-Slam-Klassiker in Wimbledon ins Halbfinale eingezogen. Die 29-Jährige gewann ihr erstes Viertelfinale bei einem der vier Majors am Dienstagnachmittag gegen die Niederländerin Kiki Bertens 3:6, 7:5, 6:1. Damit ist weiter ein deutsches Finalduell beim ältesten und prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt möglich.

Görges trifft am Donnerstag auf Serena Williams (USA/Nr. 25), Kerber (Nr. 11) bekommt es mit Jelena Ostapenko (Lettland/Nr. 12) zu tun. Zwei deutsche Halbfinalistinnen bei einem Grand-Slam-Turnier hatte es in der 50-jährigen Geschichte des Profitennis nur 1990 bei den Australian Open und 1993 bei den French Open gegeben.

In Wimbledon war dies in 134 Jahren nur 1931 der Fall, als Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel sogar das Endspiel bestritten. Görges hatte gegen Bertens, mit der sie gut befreundet ist und regelmäßig im Doppel an den Start geht, in einem ausgeglichenen Satz als erste bei ihrem Aufschlag gewackelt.

Das Break zum 3:5 entschied letztlich den Durchgang. Im zweiten Durchgang biss sich Görges dann zurück ins Match. Im Entscheidungsdurchgang ging sie dann mit 3:1 in Führung und bewies am Ende Nervenstärke. Unmittelbar zuvor war bereits Kerber zum bereits dritten Mal in ihrer Karriere ins Halbfinale eingezogen. Die 30-Jährige gewann in der Runde der letzten Acht ein am Ende packendes Duell mit der Russin Daria Kassatkina 6:3, 7:5.

Die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt zog zum dritten Mal beim berühmtesten Tennis-Turnier der Welt unter die besten Vier ein. Das Ende des Viertelfinals bot mitreißende Spannung, als Kerber in mitreißenden Ballwechseln zunächst sechs Matchbälle ausließ. Nach 1:29 Stunden nutzte Kerber nach einer überzeugenden Vorstellung mit Nervenstärke ihren siebten Matchball. 30 Jahre nach dem ersten Wimbledon-Sieg von Steffi Graf demonstrierte die Kielerin, warum sie inzwischen als Titelanwärterin gehandelt wird.

Schlüssel war aber auch ihre deutlich geringere Fehlerquote. Im Halbfinale am Donnerstag kann die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber jetzt gegen die Lettin Jelena Ostapenko wie vor zwei Jahren das Endspiel erreichen. Damals hatte Kerber gegen die US-Amerikanerin Serena Williams verloren.

Auf dem Centre Court, den Kerber gern als magisch beschreibt, legte die Schleswig-Holsteinerin aggressiv los und brachte die Weltranglisten-14. mit ihrer Vorhand häufig in Schwierigkeiten. Mit zwei Doppelfehlern überließ Kassatkina der Norddeutschen das erste Aufschlagspiel. Nach zehn Minuten führte Kerber mit 3:0. Die deutlich erfahrenere Linkshänderin versuchte die Ballwechsel zu diktieren, um gegen die neun Jahre jüngere Russin nicht selbst in die Bedrängnis zu geraten.

Kerber gegen Kassatkina: Hochklassige Ballwechsel

Die Kontrahentinnen lieferten sich teils hochklassige und lange Ballwechsel, immer wieder konnte sich die Kielerin auf ihre Vorhand und ihre Fitness verlassen. Dennoch war die 30-Jährige machtlos, als Kassatkina mit ihrer Power und dem risikoreichen Spiel auf 3:4 herankam. Kerber zeigte sich unbeeindruckt - und wieder half die Russin mit zwei Doppelfehlern beim nächsten Break mit.

Ein Aufschlagspiel später sicherte sich die deutsche Nummer eins vor den Augen ihrer Mutter Beata den ersten Satz. Vor zwölf Tagen hatte Kerber Kassatkina im letzten Turnier vor Wimbledon in Eastbourne niedergerungen, nervenstark im Tiebreak des dritten Satzes. Auch diesmal ging die Australian-Open- und US-Open-Gewinnerin von 2016 als Favoritin ins Spiel.

Dass das aber kein Weiterkommen bedeuten muss, dafür gab es warnende Beispiele genug: Schließlich sind in diesen verrückten Wimbledon-Tagen die Top Ten der Setzliste schon vor dem Viertelfinale ausgeschieden. "Ich fühle den Druck nicht. Ich gucke nicht, wer noch übrig ist", hatte Kerber gesagt. Auch im zweiten Satz machte die Weltranglisten-Zehnte konzentriert weiter. Nach einem zwischenzeitlichen 3:1 musste sie die Russin zwar wieder herankommen lassen, ließ sich aber mit ihrem unbändingen Willen nicht mehr vom zweiten Grand-Slam-Halbfinale in diesem Jahr nach den Australian Open im Januar abbringen. 

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