Trinktourismus in Regensburg Kneipenwirte verbieten Junggesellenabschiede

Autorenprofil Ruth Schormann
Mit einem großen Plakat weist der Wirt des Biergartens auf der Jahninsel auf das neue Verbot hin. Foto: imago, Ruth Schormann

Vielen Gastronomen in Regensburg reicht’s: Sie wollen diese speziellen Trinktouristen nicht mehr bedienen. Die Gründe – und die Resonanz der Gäste.

 

Regensburg - Ein halb nackter erwachsener Mann saust auf einem Bobbycar durch die Altstadt, ein Riesenhase aus rosa Plüsch, begleitet von einer Horde grölender Lederhosenträger in Junggesellenabschieds-Uniform (zu enges bedrucktes T-Shirt mit peinlichem Spruch) torkelt durch die Fußgängerzone – Bilder, an die man sich in Regensburg fast schon gewöhnt hat.

Denn die Weltkulturerbe-Stadt mit hoher Kneipendichte ist ein beliebtes Ziel für "JGAs", wie das Gruppenbesäufnis aus Anlass einer baldigen Hochzeit abgekürzt wird.

Wenn der Schnaps aus dem Bauchladen oder dem Bierkasten leer ist, geht es in Cafés, Bars und Kneipen weiter. Und dort wird sich ordentlich aufgeführt – noch mal richtig die Sau rauslassen, bevor der arme Bursch’ oder das arme Mädel nie wieder Spaß haben wird, in die Ketten der Ehe gelegt.

"Es reicht: Über die Jahre hinweg ist aus einem letzten Aufbäumen vor der Ehe eine Olympiade der Peinlichkeiten, der Aggression und der Zerstörungswut geworden. Jeder Euro Umsatz scheint drei Euro zerstörtem Mobiliar zu entsprechen", erklärt Martin Stein, Wirt der Wunderbar. Er ist Initiator des Wirte-Zusammenschlusses, der nun ein Einlass-Verbot für JGAs unterzeichnet hat.

Wirt Martin Stein: "Ich mache ohne die mehr Umsatz"

"Es macht sich kein Wirt leicht, so ein Verbot auszusprechen, aber unserem Empfinden nach ist es in den letzten Jahren immer schlimmer geworden. Die Gruppen belästigen die Anwohner und die anderen Gäste", sagt er der AZ.

Außerdem klauten die Gruppen "alles, was nicht niet- und nagelfest ist" und verunreinigten die Lokale. "Das geht bis zum bewussten Neben-das-Klo-Scheißen und Abflussverstopfen, dass dann die ganze Bar unter Wasser steht", schildert Stein. Und der fehlende Umsatz? Er lacht: "Da mache ich mehr, wenn ich die draußen lassen, weil meine normalen Gäste wieder lieber kommen."

Denn deren Rückmeldungen sind positiv – der Ärger über die Trinktouristen ist bei allen groß. "Überfällig! Zumal man seinen Junggesellenabschied auch mit Würde feiern kann", kommentiert etwa Tom Tiger auf Facebook die Aktion.

"Wir sind mittlerweile weit über 20 Lokale", sagt Stein zur AZ. Stein, der selbst nie einen Junggesellenabschied gefeiert hat, weil er "nicht das Gefühl hatte, in meinem Leben vor der Ehe etwas verpasst zu haben", wie er schmunzelnd erzählt, hat das Verbotsschild mit trinkendem König und knieender Saufgefolgschaft "gebastelt". Ähnliche Verbote gibt es auch schon in anderen bayerischen Städten.

An Steins Wunderbar und auch an Biergärten wie der Alten Linde und dem bei Touristen ohnehin beliebten Kneitinger müssen grölende Gruppen, egal ob sie mit Braut oder Bräutigam unterwegs sind, also weiterziehen. Es gibt aber Kneipen, die nicht mitmachen wollen. "Die sagen, sie entscheiden von Fall zu Fall", erklärt Stein.


So schaut’s in München aus

Früher, sagt Sepp Sattler, Wirt der Deutschen Eiche, galt es als Mutprobe für heterosexuelle Junggesellen, sich in der Eiche ein Busserl geben zu lassen. Aber das ist lange her. Heute kommen zwar auch noch spontan die Gruppen, aber die trinken nur kurz etwas, treiben ihre Späße und verschwinden wieder. Das halte sich alles im Rahmen, sagt Sattler.

Ähnlich sieht das Johannes Müller vom Alten Hof. Bei seinen Weinfesten seien Junggesellinnen-Abschiede oft und gern gesehen. "Die führen sich ganz anständig auf", sagt er mit fränkischer Gelassenheit. Christian Vogler vom Augustiner-Keller hat die "JGAs" dagegen aus seinem Biergarten verbannt.

Dort sind die Gruppen seit 2012 verboten, wegen ihres "schlechten Benehmens", erklärte er damals schon.

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