Trickbetrug So zockte dieser Bubi (26) hilflose Omas ab

Auch als Angeklagter ein Netter: Rudolf F. gab die Vorwürfe zu und entschuldigte sich bei seinen Opfern. Foto: bayernpress.com

NÜRNBERG Bübchengesicht, Unschuldsblick, nettes Lächeln, adrette Frisur: Rudolf F. (26) sieht aus wie ein Bilderbuch-Enkel. Selbst als er am Donnerstag vor Gericht erschien, versprühte er noch eine einnehmende Fröhlichkeit. Doch der vermeintliche Sonnenschein hat es faustdick hinter den Ohren! Der Fürther nutzte eiskalt alleinstehende, hilflose Seniorinnen aus.

 

Mit List und Tücke brachte er sie laut Anklage um ihr mühsam Erspartes. Eine der sechs Damen (80) verlor sogar ihr ganzes Vermögen: rund 100.000 Euro!

Seine Masche war immer die gleiche: Zwischen 2009 und 2010 arbeitete Rudolf F. als Vertreter für Fenster und Türen. Als solcher stand er dann auch bei den Rentnerinnen vor der Haustür. Mit dem Charme des netten Jungen von nebenan verschaffte er sich Zugang zu seinen Opfern. Sie ließen sich von ihm vorbehaltlos Verträge aufschwatzen. Für Rudolf F. ein willkommener Vorwand, immer wieder bei ihnen aufzutauchen und sie mit Lügen und leeren Versprechen einzuwickeln. So stellte er den Seniorinnen Rabatte in Aussicht, wenn sie Vorkasse leisteten – meist hohe Beträge von mehreren tausend Euro, die er aber selbst einsackte. Das gab er immerhin zu.

„Ihm zu vertrauen, war der Fehler meines Lebens“

Die Damen liehen ihm aber auch direkt Geld. Denn der Betrüger wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste: Lisbeth V.* etwa wurde weich, als der sympathische Mann von seiner angeblich kranken Tochter erzählte und den teuren Medikamenten. „Ich glaubte ihm alles“, so die 82-Jährige, die ihn richtig ins Herz geschlossen hatte. Auch das Vertrauen des Hauptopfers Martha K.* missbrauchte Rudolf F. schamlos. Ihr drehte er zunächst nur einen Staubsauger an. Nach wenigen Monaten hatte er die 80-Jährige dann um ihr ganzes Geld gebracht: 100.000 Euro waren futsch! Mit netten Gesten hatte er die alleinlebende Fürtherin für sich eingenommen: Er half ihr im Haus, fuhr sie zu Verwandten, besuchte sie mit einem großen Blumenstrauß, als sie im Krankenhaus lag. Bat er um Geld, gab sie’s ihm.

Warum sie sich von einem Wildfremden so über den Tisch ziehen ließ, konnte sie dem Gericht auch nicht erklären. Martha K: „Ich hab ihm vertraut, das war der größte Fehler meines Lebens.“ Der Prozess ist geht weiter.

*Namen geändert

 

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