Trend zur Altersarmut bleibt aber Größte Rentenerhöhung seit Jahren

Ab dem 1. Juli erhalten die Rentner im Westen um 4,25 Prozent höhere Bezüge. Im Osten des Landes steigt die Rente sogar um 5,95 Prozent. Foto: dpa

Die Bezüge der 20 Millionen Rentner steigen wie seit Langem nicht mehr. Auch die Ostrenten holen auf. Doch eine volle Angleichung auf einen Schlag würde Milliarden kosten.

 

Berlin - Die Renten in Deutschland steigen an diesem Freitag so stark wie seit 23 Jahren nicht mehr. Zum Monatswechsel erhalten die Rentner im Westen um 4,25 Prozent höhere Bezüge. Im Osten des Landes steigt die Rente sogar um 5,95 Prozent.

Der Hauptgrund der Rentenerhöhung sind die gute Beschäftigungslage und die daraus resultierenden sprudelnden Einnahmen der Rentenkasse. Aber auch weitere Faktoren spielen eine Rolle, darunter ein einmaliger statistischer Effekt.

Der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Standardrente im Osten werde mit dieser Rentenanpassung gegenüber der Standardrente im Westen weiter aufholen. Der Abstand reduziere sich von 7,4 Prozent im zweiten Halbjahr 2015 auf 5,9 Prozent im zweiten Halbjahr 2016.

Eine völlige Angleichung sei damit aber nicht erreicht, sagte Gunkel. Die Anhebung des Rentenwerts im Osten auf den aktuellen Rentenwert im Westen entspräche einem jährlichen Volumen von knapp 3,5 Milliarden Euro, sagte er. Die Ausgaben für die Krankenversicherung der Rentner seien hierbei berücksichtigt. Das Bundessozialministerium will bald einen Bericht über die Angleichung von Ost- und Westrenten vorlegen.

Trend geht trotzdem zur Altersarmut

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte eine Korrektur der Rentenpolitik. "Über den unübersehbaren Trend zur Altersarmut kann auch die große Erhöhung nicht hinwegtäuschen", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher der Deutschen Presse-Agentur. "Es muss sichergestellt werden, dass die gesetzliche Rente nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt", forderte Mascher. Wichtig sei zudem, dass die Rentenabschläge von maximal 10,8 Prozent für Erwerbsminderungsrentner abgeschafft werden. Viele von ihnen hätten zu wenig zum Leben.

 

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