Traumquoten für die vierte Staffel "The Walking Dead": Darum sind die Zombies so beliebt

Die gefesselte Michonne (Danai Gurira) muss sich einen Untoten vom Leib halten Foto: Gene Page/AMC/RTL2

Die vierte Staffel von "The Walking Dead" feierte in Deutschland einen Einstand nach Maß. Die Untoten sind omnipräsent. Doch was macht die Serie so erfolgreich? Warum ist die ganze Welt verrückt nach Zombies? Ein Erklärungsversuch.

 

Sie sind brutal, hässlich, eine grausame Gefahr für die Menschheit - und unglaublich beliebt. Der Free-TV-Auftakt der vierten Staffel von "The Walking Dead" in Deutschland lockte am späten Montagabend über eine Million Zuschauer vor die Bildschirme - ein Marktanteil von knapp 20 Prozent für RTL II und ein Vielfaches dessen, was der Sender sonst erreicht. In den USA, wo derzeit bereits die fünfte Staffel läuft, schalten regelmäßig mehr als 15 Millionen Fans ein. Doch woher rührt dieser schier grenzenlose Erfolg? Ein Erklärungsversuch.

"The Walking Dead" bedient(e) eine Marktlücke

Zombies überrennen die Welt - und das schon eine ganze Weile. Genau genommen werden Untote schon seit 1910 im Film porträtiert, Regisseur George A. Romero schuf 1968 mit "Night of the living Dead" und zehn Jahre später mit "Zombie" unumstößliche Referenzen. Nach einer kleinen Dürre in den 90ern erleben Zombies spätestens seit den 00er-Jahren einen unglaublichen Aufschwung in Filmen, Videospielen und Comics. "The Walking Dead" basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Autor Robert Kirkman (35), deren erste Ausgabe bereits 2003 erschien.

So gesehen bediente die TV-Umsetzung sieben Jahre später in erster Linie eine Lücke - denn es gab bis dahin schlicht keine derart großangelegte, massentaugliche Horror-Serie, die sich so der Tyrannei der Untoten verschrieben hatte.

Zwischen apokalyptischem Drama und blutiger Seifenoper

Das Serien-Format wiederum erlaubt es, im Gegensatz zum zeitlich beschränkten Rahmen eines Film, sich dem Phänomen Zombie und einer im besten Wortsinne fantastischen Welt ausführlicher zu nähern. Denn hinter dem vordergründigen Grusel - ohne Zweifel ein Teil des Erfolgs - verbirgt sich mal mehr oder weniger gelungen auch Gesellschaftskritik und groß angelegte Charakterstudie. Schon der Titel ist doppeldeutig, sind mit "The Walking Dead" doch nicht unbedingt die offensichtlich umherschlurfenden Untoten gemeint, sondern eher die todgeweihten Lebenden. Wie verhalten sich Menschen in einer Welt, in der die gesellschaftlichen Werte und Normen ausgehebelt sind? Wie verändern sich zwischenmenschliche Beziehungen? Wie zieht man in einer postapokalyptischen Welt Kinder groß? Und warum klammert man sich so an ein Leben, das nach zivilisierten Maßstäben nicht mehr lebenswert ist?

Mit all diesen Fragen beschäftigt sich "The Walking Dead" und spricht damit auch Zuschauer an, die sich bisher nicht besonders für Zombies interessiert haben. In ihren guten Momenten ist die US-Serie ein packendes Drama, das die menschlichen Abgründe im fahlen Licht einer endzeitlichen Kulisse beleuchtet, den Verfall der Psyche im Angesicht des ständigen Todes. Manchmal ist "The Walking Dead" allerdings einfach nur eine besonders blutige Seifenoper in der es um Liebe, Lügen und Intrigen geht - aber auch das hat seinen Reiz.

Keine Kompromisse

Wie viele andere populäre US-Serien zeichnet sich "The Walking Dead" durch seine Kompromisslosigkeit aus. Zum einen wäre da natürlich die optische Komponente: Die gezeigten Splatter-Einlagen kannte man bis zum Start der Serie aus blutigen Horrorfilmen - aber in einer TV-Serie? Undenkbar. Selbst in den USA, wo man mit expliziter Gewaltdarstellung deutlich weniger Probleme hat als mit nackter Haut, war das zunächst ein Hindernis: "TWD"-Produzentin Gale Anne Hurd bot die Serie zunächst den US-Sendern HBO und NBC an, beide lehnten mit Verweis auf die Gewaltdarstellung ab. Man darf es ruhig geschmacklos finden, wenn Köpfe in Großaufnahme aufgespießt, Menschen ausgeweidet und Gliedmaßen effektvoll abgesäbelt werden - einen Reiz üben diese Bilder aber auf viele Zuseher eben doch aus.

Die Kompromisslosigkeit zeigt sich aber nicht nur anhand der Unmengen an Kunstblut, die vergossen werden. "The Walking Dead" baut bedrohliche Szenarien auf - und diese lösen sich dann eben meist nicht in Wohlgefallen oder ein Happy End auf, sondern werden konsequent zu Ende gebracht. Die Folge: Liebgewonnene Protagonisten, deren Charakterzüge über mehrere Staffeln aufgebaut wurden, sterben wie die Fliegen.

"The Walking Dead" ist zweifellos nicht perfekt, zu kritisieren gäbe es eine Menge: Manche Folgen ziehen sich wie Kaugummi, Handlungsstränge erweisen sich gelegentlich als hanebüchen und müssen kurzerhand wieder fallengelassen werden und nicht selten gibt es Dialoge auf "GZSZ"-Niveau. Doch davon abgesehen, machen die Produzenten eben auch sehr viel richtig. Eine sechste Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben und AMC-Boss Josh Kaplan sprach jüngst davon, die Serie werde auch "2022" noch laufen. Man möchte ihm derzeit nicht widersprechen.

 

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