Löwen-Trainer verärgert Bierofka über seinen auslaufenden Vertrag: "Es ist nichts passiert"

Auch wenn es anders aussieht: Daniel Bierofka ist -zumindest sportlich - momentan sehr zufrieden mit seinem Team. Foto: sampics/Augenklick

Zum Abschluss des Trainingslagers nimmt  Daniel Bierofka Stellung zu allen brisanten Themen. Der 1860-Trainer über brutale Entscheidungen, Grenzerfahrungen und seinen auslaufenden Vertrag.

Oliva Nova - Nach dem 2:1-Achtungserfolg gegen den chinesischen Erstligisten Beijing Renhe nahm sich der Löwen-Trainer viel Zeit um ausführlich über die aktuelle Situation zu berichten. Sportlich scheint der Trainer momentan sehr zufrieden mit seinem Team. Für Ärger sorgt hingegen, dass es bisher keine Versuche gab, seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern. "Jetzt habe ich keine Zeit mehr und keinen Kopf mehr für so etwas", so Bierofka, der enttäuscht ist, dass der Verein bisher nicht mit ihm diesbezüglich gesprochen habe. 

Hier seine ausführlichen Aussagen im Wortlaut

Daniel Bierofka über ...
das Trainingslager:
Es war alles gut. Klar gab es Wehwehchen, aber das war auch der Trainingsbelastung geschuldet, wir haben hart trainiert, keine Rücksicht genommen auf die Testspiele. Wir können schon sehr zufrieden sein.
den Konkurrenzkampf: In der ersten Elf ist alles offen. Jungs machen hinten ganz schön Druck. Das ist für mich optimal als Trainer. Wer mich überzeugt, der wird gegen Nürnberg spielen. Die Spieler der zweiten Reihe haben einen Sprung nach vorne gemacht.

das Torwart-Duell: Das wird eine brutale Entscheidung. Das ist mir bewusst, und das ist dem Torwarttrainer bewusst. Egal, wie wir uns entschieden, werden wir einen Spieler verletzen. Und ich sage ganz ehrlich: Keiner hat das verdient. Aber so ist das im Leistungssport. Ich halte nichts davon, dass jeder drei, vier Spieler macht. Wenn ich mich entscheide, dann entscheide ich mich aus Überzeugung. Wenn etwas passieren sollte, weiß ich, dass ich hintendran einen super Torwart habe. Ich kann die Enttäuschung natürlich verstehen, aber die darf nicht auf Kosten der Mannschaft gehen.

die anstehende Entscheidung: Die Elf gegen Linz wird das Gros der Startelf gegen Nürnberg werden. Sechs, sieben Positionen stehen immer fest, du brauchst einen festen Stamm. Aber bei einigen Spielern werde ich mich dann endscheiden.

das neue 4-4-2-System: Es ist umso besser. Wir haben uns damit intensiv beschäftigt, weil wir wenig Achter hatten. Das 4-3-3- oder das 3-4-3 haben wir intus, das können wir auch spielen. Es ist wichtig, dass wir variabel sind, wir wollen für den Gegner unausrechenbar sein. Das Fundament Defensivarbeit: Das ist für mich die Basis. Das war bei meinen Mannschaften immer so. Wenn du ein schlechtes Defensivverhalten hast - so viele Tore kannst du vorne gar nicht schießen. Atlético Madrid hat das ja schon fast schon fast zur Kunstform erhoben.

Nico Karger: Er ist momentan ein bisschen zu passiv, das weiß er aber auch. Ich habe mit ihr geredet. Aber er muss sich keine Angst machen, denn ich weiß, was er drauf hat. Ich stehe hinter ihm, aber er muss wieder in die Verfassung der Hinrunde kommen und wieder etwas aggressiver anlaufen. Wir haben einfach mal ausprobiert, ihn rechts stehen zu lassen.

Simon Seferings: Es ist noch zu früh, um abzuschätzen, ob er ein Kandidat für die Startelf ist. Ich habe ihn in der A-Elf spielen lassen, damit er ein Gefühl dafür kriegt. Es ist Wahnsinn, wie weit er schon ist. Wir müssen froh sein, dass der Junge schon so weit ist. Er ist momentan schon eher an der Mannschaft wie Michael Görlitz.

Michael Görlitz: Ich war eh schon glücklich, dass er schon so viel mitmachen konnte. Die Achillessehne reagiert nicht. Er hat alles super weggesteckt. Er wird schneller als mancher denkt schon so weit sein.

Transferbilanz: Im Sommer war ich bei den Verhandlungen dabei, jetzt war ich nicht dabei. Also muss ich davon ausgehen, das einfach nicht mehr machbar war. Ich muss schauen, dass ich mit dem Spielermaterial, das da ist, das Maximale herauskitzle. Da hilft jetzt auch kein Jammern. Wir müssen oft an die 100 Prozent kommen, und dann haben wir schon die Möglichkeit, eine gute Rolle zu spielen. Ob es dann reicht, werden wir sehen.

Phillipp Steinhart: Mir hat ein Innenverteidiger gefehlt. Beim Steinhart weiß ich eh, was ich habe. Er ist für mich mit der wichtigste Spieler. Er kann links hinten spielen, kann auf der Sechs spielen, Innenverteidiger oder sogar notfalls auf der Acht. Er gibt immer Vollgas. Wir können uns jeden Tag fünf Finger abschlecken, dass er bei uns ist. Ich konzentriere mich auf meine Mannschaft und lasse das andere weg. Ich muss auch nicht mit jemandem reden, ich habe ja viel genug mit anderen Dingen zu tun. Ich versuche, dass Maximale aus mir selbst herauszuholen und mich nicht von anderen Dingen ablenken zu lassen. Das kostet mich sonst nur Energie und die versuche ich in die Mannschaft zu stecken. Und dann werden wir sehen, was in den nächsten drei, vier Monaten passiert.

Günther Gorenzel: Er nimmt mir einfach die Kaderplanung ab, die ich nebenbei gemacht habe. Auch die Gespräche mit Michael Scharold. Ich kann mich momentan nur auf den Sport konzentrieren, was ja auch der Normalfall sein sollte. Das wäre auch nicht mehr viel länger gut gegangen, Ich persönlich war schon am Limit. Man ist einfach müde und merkt, dass man weniger Energie hat. Es waren 26 Spiele, plus Gegner analysieren, plus, plus plus - Berater telefonieren, hochgehen zu Herr Fauser, unterwegs sein - jetzt kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Jetzt ist es ganz gut aufgeteilt. Abgesehen davon, dass er eine große Expertise hat und man mit ihm über manche Dinge reden kann im fußballerischen Bereich. Aber ganz klar. Ich entscheide im sportlichen Bereich.

Neuzugänge: Darüber diskutieren wir und versuchen uns gegenseitig davon zu überzeugen, wenn wir einen Spieler haben wollen. Es wäre natürlich nicht sinnvoll, einen Spieler zu holen, den ich nicht will. Damit würden wir uns beide keinen Gefallen tun. Das wird immer in enger Absprache passieren. Wir arbeiten im Team. Ich bin froh, dass er da ist.

Konkurrenz: Was die anderen machen, ist mir momentan relativ wurscht. Nürnberg wird demnächst interessant, aber wir haben ja noch zwei Wochen. Ich werde jetzt nicht in Schockstarre verfallen, weil die Bayern nochmal aufgerüstet haben.

seinen Kader: Martin Gambos ist schon weg, György Hursan ist noch auf der Suche. Ansonsten haben wir ein paar angeschlagene. Ich brauche 20 bis 22 Spieler im Training.

Leon Klassen und Noel Niemann: Sie haben jedes Training mitgemacht, immer Gas gegeben. Ich muss ihnen ein Riesen-Kompliment machen, auch dem Lenni (Siebdraht). Momentan ist es so, dass wir schon ein paar etablierte Spieler auf ihren Positionen haben. Köppel und Steinhart links hinten, auf den Außenbahnen Karger, Kindsvater, Helmbrecht und Koussou. Aber die Jungs haben schon gemerkt: Die Jungen geben Gas.

die Verletzten: Bei Aaron Berzel ist nicht so schlimm, nur eine Vorsichtsmaßnahme. Nico Helmbrecht ist auf einen guten Weg, er fängt langsam an zu laufen. Bei Timo Gebhart muss man sehen, was bei seiner Behandlung rauskommt. Ich hoffe, dass wir positive Nachrichten kriegen.

Nürnberg: Das ist Wahnsinn, dass schon über 10.000 Karten verkauft sind. Ähnlich wie in Augsburg. Es ust unglaublich, was da los ist. Für uns ist das Wichtigste, dass wir locker bleiben, und unseren Fußball spielen. In Augsburg hat man schon gemerkt, dass wir etwas zu verlieren hatten. Das dürfen wir jetzt nicht an uns ranlassen.

Meisterschaft: Ich versuche, jeden Tag im Training die richtige Mentalität einzuimpfen. Nur mit Blabla kommen wir nicht weiter. Wir brauchen in jedem Training und in jedem Spiel den richtigen Biss.

Teamgeist: Wir sind keine Profimannschaft, aber eine gewachsene Mannschaft, so ein Zwischending. Wir haben sehr gute Charaktere im Team. Luki Aigner, Felix Bachschmid, Ugur Türk - es ist sensationell, wie die Gas geben. Entscheiden heißt manchmal verletzen, das ist ganz einfach. Ich versuche, immer ehrlich und authentisch zu sein und niemandem etwas zu erzählen, was ich nicht halten kann. Für mich ist entscheidend: Wenn ich einem Spieler etwas mitteile, dass er nie vor dem Spiel eine schlechte Stimmung verbreitet und beleidigt ist. Wenn ich sowas einmal mitbekomme, würde ich ihn sofort rasieren. Am nächsten Tag kann er immer zu mir kommen und darüber reden, dass vielleicht ein anderer Spieler besser gepasst hat. Es gibt keinen Stinkstiefel bei uns. Klar flippe ich im Training manchmal aus, aber das ist bei mir ganz normal - und das wissen sie auch. Ich kann mich aber nullkommanull beschweren, nicht über eine Trainingseinheit. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich diese Mannschaft trainieren darf.

Budget: Das macht Günther Gorenzel. Es ist die Basis, mal zu wissen, was wir haben. Dann können wir richtig planen. Wir haben im Hintergrund schon einige Spiele, aber wir können nur etwas finalisieren wenn Günther weiß, wie viel er zur Verfügung hat.

seinen Vertrag: Bis jetzt haben wir nicht darüber gesprochen, also konzentriere ich mich jetzt auf das andere bis Sommer. Es war ja Zeit, und es ist nichts passiert. Jetzt habe ich keine Zeit mehr und keinen Kopf mehr für so etwas. Ich akzeptiere das auch. Ich kann mich aber jetzt nicht mit mir selbst beschäftigen. Wichtig ist jetzt, dass wir das hinkriegen, du dann können wir schauen, was passiert.

Die AZ-App für Android und iOS

Android-App jetzt herunterladen iOS-App jetzt herunterladen!

 

27 Kommentare

Kommentieren

  1. null