Trainerwechsel bei 1860 Möhlmann macht’s – "so lange Gott und Beirat wollen"

Torsten Fröhling ist Geschichte. Für ihn soll Benn Möhlmann (r) übernehmen. Foto: dpa/AZ

1860 feuert Trainer Fröhling, das Urgestein der 2. Liga bekommt einen Vertrag bis zum Saisonende. Beim Abschied fließen Tränen.

 

München – Um 10.40 Uhr ging er. In Zivil. Torsten Fröhling marschierte nicht zum Training, sondern in Richtung Parkplatz. „Am Montagabend haben wir darüber gesprochen. Ich habe mich nochmal bedankt bei der Mannschaft – und dann war’s das“, sagte der Trainer des TSV 1860 mit glasigen Augen. Seine Tage als Cheftrainer: gezählt.

Am Ende war sein Ende ein unwürdiges. Vor fünf Monaten lag Fröhling seinen Spielern nach der fabelhaften Rettung in letzter Relegations-Sekunde gegen Holstein Kiel in den Armen. Seither ist er in zehn Liga-Spielen ohne Sieg – und nun seinen Trainerjob los. „Der TSV 1860 München hat sich dazu entschieden, Torsten Fröhling zu beurlauben“, schrieben die Löwen per Pressemitteilung um kurz nach neun Uhr. Fröhling kam nach einer zweitägigen Trainerversammlung also nur, um sich zu verabschieden und den Weg für seinen Nachfolger frei zu machen.

Es war ein fliegender Wechsel, denn zwei Stunden später schlug bereits der neue Löwen-Coach auf. Zweitliga-Urgestein Benno Möhlmann, zuletzt gehandelter Kandidat, wurde mit einem Vertrag bis Saisonende ausgestattet. „Servus! Ich freue mich auch, in dieser nicht ganz einfachen sportlichen Situation, dass sich die Verantwortlichen für mich festgelegt haben. Ich werde hier, so lange Gott will, oder der Beirat, oder wer auch immer, bei den Löwen arbeiten“, sagte der 61-Jährige Übungsleiter bei seiner Vorstellung und bewies damit nicht nur, dass er die Strukturen der Löwen bereits kennt, sondern sorgte damit auch für einen ersten Lacher im vollbesetzten Pressestüberl.

Der Rekord-Zweitliga-Trainer (501 Spiele), zuletzt einen Spieltag vor Ende der abgelaufenen Saison vom FSV Frankfurt gefeuert, wisse genau, auf was er sich beim Tabellen-17. einlasse: „Die Mannschaft gehört von der Qualität her nicht auf diesen Tabellenplatz. Sonst wäre ich ja schwachsinnig, hier anzufangen. Und von Schwachsinn halte ich nicht viel.“

Am Vormittag begab sich die Mannschaft noch mit Co-Trainer Collin Benjamin, der bei Möhlmanns Einverständnis Co-Trainer bleiben darf, zum Laufen in die Isarauen. Die zweite Einheit des Tages leitete der neue Chef schon selbst und kündigte an, die Spieler auch neben dem Platz „in vielen Einzelgesprächen“ kennenlernen zu wollen.

Geschäftsführer Markus Rejek hoffe, dass Möhlmann es schaffe, „der Mannschaft neue Akzente zu geben, damit das Glück zurückkommt“. Fröhlings Rauswurf begründete er so: „Wir hätten uns sehr gewünscht, dass sich unter Fröhling der Erfolg einstellt. Fakt ist allerdings auch, dass wir bisher zu wenig Punkte geholt haben. In den letzten Wochen war keine erkennbare Entwicklung vorhanden und der Anschluss an das Mittelfeld ist in Gefahr“, sagte der Geschäftsführer zur mehr als dürftigen Bilanz von nur sechs Punkten aus zehn Spielen.

Rejek bedauere gleichzeitig Fröhlings Entlassung, die „uns schwer gefallen ist, weil er in einer schwierigen Phase übernommen und uns vor dem Abstieg gerettet hat. Jetzt ist er an einem Punkt angekommen, wo die Ergebnisse einfach fehlen. Deswegen mussten wir an dieser Stelle eine Entscheidung im Sinne des Vereins treffen.“

Der Abschied zwischen Fröhling und dem Team gestaltete sich sehr emotional, in der Kabine flossen nach AZ-Informationen Tränen, von den Spielern gab‘s Standing Ovations für den Mecklenburger. Kapitän Christopher Schindler haderte: „Man denkt schon daran, wenn man in der ein oder anderen Situation das Tor macht oder verhindert“, sagte er resigniert, denn er weiß, „dass ihm der Verein und jeder einzelne Mitarbeiter viel zu verdanken haben, dass man ihm gerne mehr Zeit gegeben hätte.“

Womöglich wird Fröhling den Löwen sogar erhalten bleiben, der Verein würde ihn gerne „im Nachwuchsbereich integrieren“. Der Ex-Trainer: „Da muss ich mir erstmal selbst Gedanken machen.“ Die Ideen, wie der Absturz der Profis zu bremsen ist, werden künftig von einem absoluten Zweitliga-Experten kommen, dessen Name ohne Zweifel ein großer ist – der sich nach seinem zuletzt erfolglosen Engagement bei Frankfurt aber erst beweisen muss. Fröhling, der „seinen Förderer“ Möhlmann aus gemeinsamen Tagen beim HSV „sehr gut“ kennt, zeigte Größe bei seinem Abgang: „Ich wünsche ihm alles Glück, vor allem das Quäntchen Glück, das uns gefehlt hat.“

 

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