Tourismus Die Stadt öffnet ihr Rathaus

Weil zu viele Touristen wild durchs Rathaus irren, will die Stadt bald zusätzliche Führungen anbieten. Foto: Petra Schramek

Touristen, die in Sitzungen hineinplatzen? Die gibt es zu Hauf. Die Stadt will deshalb nun mehr Führungen durchs Rathaus anbieten.

Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Es ist Vollversammlung im großen Sitzungssaal. Der OB erklärt den 80 Stadträten gerade die Lage zur Gewerbesteuer in München. Plötzlich rumpelt es an der Tür. Ein Grüppchen Japaner linst herein, bewaffnet mit Stadtplan, Reiseführern und Handykameras.
 
Begeisterte „Ahs“ und „Ohs“ dringen in den Saal, Finger deuten auf die Monachia, das riesige Wandgemälde im Saal. Die unverhofften Besucher staunen noch ein bisserl – bis ein freundlicher Sitzungsteilnehmer den Zeigefinger auf die Lippen legt, sich zur Tür begibt und die Gäste wieder hinauskomplimentiert: „Bittschön, gell, jetzt is Sitzung.“
 
Nun ja: Vorm OB-Büro, in den Fraktionszimmern, im Treppenhaus – immer wieder begegnet man im Neuen Rathaus am Marienplatz umherirrenden Touristen, die gern mehr übers Haus, seine Bedeutung und seine Geschichte erfahren wollen.
 
Immerhin: Münchens Zentrum der Macht ist über 100 Jahre alt (obwohl es gotisch, also viel älter, anmutet) und gehört zu den meistfotografierten Gebäuden der Welt. Der OB, der Stadtrat, die Stadtkämmerei und die Fraktionen arbeiten hier. In dem verwinkelten Gebäude mit 400 Zimmern und mehreren Innenhöfen haben 600 städtische Beamte ihren Arbeitsplatz.
 
Nur: Offizielle Führungen durch das Haus? Sind kaum zu bekommen. 20 Mal im Jahr vermittelt das Tourismusamt hier Touren durch die historischen Räume. Dann lotsen Stadtführer bis zu 25 Menschen 90 Minuten lang durchs Haus (für 109 bis 115 Euro pro Gruppe).
Mehr geht – trotz vieler Anfragen – bis dato nicht, weil innerhalb der Rathaus-Öffnungszeiten dort schlicht gearbeitet wird. Heißt: In den Sitzungssälen debattieren die Räte, in der Bibliothek brauchen die Nutzer Ruhe, mitunter sind Säle auch vermietet.
 
Die Rats-SPD hat deshalb schon im Herbst 2011 nachgefragt, ob sich nicht mehr professionelle Führungen organisieren lassen. Stadtrat Alexander Reissl: „Andere Städte wie Stockholm zeigen ihr Rathaus ja auch mit Stolz in den sitzungsfreien Zeiten und schaffen ein Bewusstsein für die Kommunalpolitik.“
 
Jetzt ist eine Lösung in Sicht: Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sieht „ausreichend Vermarktungspotential“. Will sagen: ein lukratives Geschäft für die Stadt – wenn sie das Neue Rathaus auch am Wochenende für die München-Gäste öffnet. „Wir werden die Sicherheits- und Reinigungsfrage klären, die Kosten kalkulieren und kostendeckende Preise ermitteln.“ Im Oktober kann’s dann losgehen.
 
Und wie schaut’s aus im Neuen Rathaus – welche Highlights muss man kennen, als Münchner und als Gast? Wir haben einen Profi gefragt: Gästeführerin Rita Hegmann. Seit 18 Jahren führt sie im Auftrag des Tourismusamts deutsche und französische Gäste durch München, erklärt alle wichtigen Orte vom Schloss Nymphenburg bis zur Residenz – und auch das Rathaus.
 
„Meine eindrucksvollste Rathaus-Führung war im April 2013“, erzählt sie. „Der ehemalige französische Premierminister Jean-Marc Ayrault besuchte zum 50-jährigen Bestehen des Elysée-Vertrags München. Ich durfte seiner Gattin Brigitte und der Frau des französischen Konsuls das Rathaus zeigen.“ Die Ladys waren – natürlich – begeistert.
 
 

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