Tour de France Christopher Froome: Gelb fährt mit Hungerast

Beim Anstieg nach Alpe d’Huez schwächelt Froome. Er lässt sich helfen und wird bestraft.

 

Alpe d'Huez - Sein Arm wedelte immer wieder, er meinte es spürbar ernst. Als sein Team-Kollege Richie Portes 4000 Meter vor dem Ziel endlich an seiner Seite war, griff er fast sehnsüchtig zu ihm herüber. Der Sky-Kapitän Christopher Froome bekam den endlich benötigten Energienachschub in Form eines zuckerhaltigen Gels. Eindeutig: Froome litt unter einem so genannten Hungerast (s. Kasten links), kämpfte im Finale der spektakulären Königsetappe nach Alpe d'Huez gegen seinen eigenen Körper. Die Nahrung erreichte ihn aber früh genug, er konnte die Etappe ohne größere Probleme zu Ende fahren, holte am Ende sogar noch Zeit heraus gegen seinen ärgsten Widersacher Alberto Contador und liegt nun fast uneinholbar weit über fünf Minuten vor dem Spanier in der Gesamtwertung.

Jan Ullrich, Tour-Sieger von 1997, prägte den Begriff „Hungerast“ am stärken, als er im Jahr nach seinem Gesamtsieg 1997 beim Anstieg auf den Galibier plötzlich völlig kraftlos und im Dauerregen auf seinem Rad saß. Er verlor unfassbar viel Zeit auf den späteren Sieger Marco Pantani– und damit auch die gesamte Tour in diesem Jahr.

So schlimm waren die Folgen am Donnerstag für den Führenden der diesjährigen Gesamtwertung, Christopher Froome, nicht. Im Ziel versuchte er, seinen Hungerast souverän herunterzuspielen, ging nur am Rande darauf ein. Doch fest steht: Die Situation war für ihn heikel, die Kraftnahrung absolut notwendig – aber verboten. Nach der Etappe bekam er umgehend eine Zeitstrafe von 20 Sekunden aufgebrummt, da es bei der Tour verboten ist, sich auf den letzten 20 Kilometern aus den Teamfahrzeugen versorgen zu lassen. Froomes Teamkollege Portes, der ihm die Nahrung besorgte, bekam folgerichtig ebenso die Zeitstrafe.

„Er hat mir den Zucker gegeben, damit ich die Etappe überstehe“, sagte Froome später. Trotz seines Schwächemoments fährt Froome seinem ersten Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt weiter ungefährdet entgegen. „Wenn das ein schlechter Tag für mich war, dann nehme ich das gerne so hin“, sagte Froome. „Ich wusste, dass keine große Gefahr besteht, mein Hauptrivale war ja hinter mir“, sagte Froome, der sich als Tagessiebter ins Ziel kämpfte.

Sieger der 18. Etappe war völlig überraschend der Franzose Christophe Riblon vor dem Amerikaner Tejay van Garderen. Riblon sorgte mit dem hoch umjubelten Sieg bei der Königsetappe für den ersten Heimsieg beim 100-jährigen Jubiläum der Tour.

 

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