Tour de France „Das neue, große Ding!”

Marcel Kittel ist der Sprintkönig dieser Tour, selbst Legende Mark Cavendish huldigt dem Deutschen. „Er war einfach besser”

 

Tours - Nachdem sich der deutsche Marcel Kittel mit seinem dritten Etappensieg bei dieser Jubiläums-Tour endgültig selbst zum neuen Sprintkönig gekürt hatte, zweifelte er erstmals selbst an seinem Realitätssinn. „Das kann doch gar nicht sein, bist du denn bekloppt?”, sagte Kittel.

Bekloppt ist er nicht, begnadet schon. Seinem unwiderstehlichen Antritt kann nicht einmal der bisherige Herrscher des Radsprints, Mark Cavendish etwas adäquates entgegensetzen. Um eine halbe Radlänge ließ Kittel den zweimaligen Gewinner des Grünen Trikots des besten Toursprinters (2010, 2011) hinter sich. „Der Tiger ist zu früh gesprungen. Zum Glück konnte er sich aber an der Ziellinie festkrallen”, kommentierte Kittel den Zieleinlauf und spielte damit auf die spezielle Sprintertechnik an, mit der man kurz vor der Ziellinie das Gewicht nach vorne katapultiert, um noch ein paar Zentimeter gut zu machen. Das Timing stimmte nicht ganz, Kittel übte sich als Frühhüpfer, siegte aber trotzdem. „Das Zielfoto werde ich mir ausdrucken und an die Wand hängen”, sagte er vor der 13. Etappe (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Kittel vor Cavendish – die neue Hierarchie im Sprint.

Der Blick sprach Bände – es war eine Mischung aus Enttäuschung, Resignation und Wut, was ihm Cavendish, durch einen Sturz bei der ersten Etappe etwas gehandicapt, danach zuwarf. Doch der Brite, für seine rüpelhafte Art auf dem Rad berüchtigt, der seine Ellenbogen wie Waffen im Sprint einsetzt, gab sich als fairer Verlierer, als ein Regent, der sieht, wie der Thronfolger an ihm vorbeizieht. „Mir hat heute einfach ein bisschen gefehlt”, sagte Cavendish, der tags zuvor von einem asozialen Radsportfan mit einem Urinbeutel beworfen worden war. „Wie ich es gesagt habe: Marcel Kittel ist das neue große Ding. Besser als ich heute – Glückwunsch.”

Das neue, große Ding ist 1,88 Meter groß und bringt dabei 85 Kilo auf die Waage, der Radrennsport wurde ihm schon fast in die Wiege gelegt. Papa Matthias war selber Radprofi, gewann mal das Trikot des besten Sprinters bei der Polen-Rundfahrt. Als er 13 war, sattelte Marcel aufs Rad um. „Mein Vater hat vorgelegt, da musste ich ja irgendwann mal nachziehen”, sagte der 25-Jährige, der nach seinem Sieg bei der 1. Etappe sogar einen Tag im Gelben Trikot gefahren war.

Die gesamte Familie – Vater Matthias, Mutter Elke und Bruder Martin – rüstet sich übrigens schon für den Trip zum Tourfinale nach Paris (im Zug), um live dabei zu sein, wenn der neue Sprintkönig auf dem Champs Elysées die Triumphfahrt beendet. 

 

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