Tollwood-Installation Hirmer-Parkhaus: Neue Visionen für die City

Auf dem Tollwood-Sommerfestival kann man derzeit auf der "Baustelle der Visionen" sehen, was aus dem Hirmer-Parkhaus werden könnte. Foto: Bernd Wackerbauer/AZ

Das Hirmer-Parkhaus wird abgerissen – für die Fläche haben Studenten interessante Ideen entwickelt. Die Vorschläge gibt es noch bis 16. Juli auf dem Tollwood zu sehen.

 

Altstadt - Die Verödung der Innenstadt – sie macht Peter Arnold wütend. Dem Mann vom Verein Münchner Forum fehlt in der City inzwischen das Lebendige: "Der Niedergang unserer Innenstadt hat damit begonnen, dass die Zeitungsredaktionen aus der Sendlinger Straße weg sind. München war mit SZ und AZ in der Altstadt weit großstädtischer. Die Medienleute bevölkerten die Lokale. Was zunimmt, ist öder Kommerz."

Die Anwohner sorgen sich um die Zukunft der Innenstadt

Seit 25 Jahren wohnt Arnold im Hackenviertel. Der frühere Kunstlehrer beklagt: "Die Gentrifizierung tut mir in der Seele weh. Münchens Innenstadt wird den Spekulanten und Investoren geopfert." Zu den Sitzungen des BA Altstadt-Lehel kommt er als kritischer Bürger: "Es ist eine politische Entscheidung, dass das Zentrum Opfer von Geldanlage wird. Ich kämpfe mit alternativen Visionen gegen neue Einkaufspassagen. Die Innenstadt braucht lebendige Orte für Bürger, Kultur, Austausch und die Jugend."

Peter Arnold sorgt sich um die Innenstadt.
Peter Arnold sorgt sich um die Innenstadt. Foto: Eva von Steinburg

Eine Fläche dafür freimachen kann der seit Jahren beschlossene Abriss des Hirmer-Parkhauses. Die große, vierstöckige Parkgarage an der Sattlerstraße hat mit Hirmer nichts zu tun, es heißt nur wegen der Werbung so. Das Parkhaus steht auf städtischem Grund. Der große Platz davor, nennen die Münchner "Sattlerplatz" obwohl es den offiziell nicht gibt. Er ist privat und gehört, wie das Gebäude der alten Post, der Inka-GmbH der Familie Inselkammer. Arnold: "Viele Bürger befürchten jetzt Mauscheleien, Vorabsprachen mit traditionellen Unternehmen in der City. Wir sehen aber diese eine große Chance. Die Fläche gehört der Stadt. Sie kann damit machen, was sie will."

Der sogenannte Sattlerplatz ist privat und kein öffentlicher Platz.
Der sogenannte Sattlerplatz ist privat und kein öffentlicher Platz. Foto: Eva von Steinburg

Als Input, um frische Vorschläge für das Innenstadt-Areal zu sammeln, hat Arnold einen Ideen-Wettbewerb unter Architekturstudenten aus Innsbruck organisiert. Ihre Visionen waren im März in der Halle Lothringer 13 zu sehen. Nun sind zehn der inspirierenden Modelle bis 16. Juli Teil der Installation "Baustelle der Visionen" auf dem Tollwood Festival.

Die Studenten zeigen Fantasie. Ihre Zukunftsideen versprechen einen Gewinn: Einen kunstvoll verschachtelten Lese-Turm würde Konstantin Jauck auf die Fläche des Parkhauses bauen – eine spektakuläre Mega-Bibliothek mit Fernsicht – als cooler und intellektueller Treffpunkt in der City. Studentin Eva Schwärzler möchte Natur in die Altstadt bringen: Die Oberfläche bliebe Grün, für die Freiheit von Kindern, für Büromenschen zum Durchatmen. Unterirdisch plant sie einen Konzertsaal – mit vielen Proberäumen für junge Münchner Musiker. Peter Arnold steuert auch Konkretes bei: "Das Kindermuseum muss aus dem Starnberger Bahnhof raus. So ein Museum für die Jugend würde auch passen. Es würde die auf blödes Shopping orientierte City bereichern und verjüngen."

Die Architektur-Modelle stehen in einem Glaskasten, als Teil der Baustelle der Visionen. "Man merkt das Interesse der Besucher," sagt Tollwood-Sprecherin Christiane Stenzel. "Bitte umsteigen" ist das Motto dieser Tollwood-Schau, in der es um das Leben von Münchens Stadtgesellschaft geht – mit vielen Anregungen zum Umdenken. "Die Studenten zeigen kreative, spannende, Szenarien für Münchens Zukunft. Es kommt Gutes dabei heraus, wenn man den Kopf frei macht, sich öffnet, sich fallen lässt. Uns war es wichtig Alternativen zu zeigen," fügt sie hinzu.


Die Architektur-Entwürfe der "Baustelle der Visionen" auf dem Tollwood-Festival sind noch bis 16. Juli zu sehen

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