Tollwood initiiert Aktionsbündnis Gegen Billigfleisch und Tierleid

(v.l) Stephanie Weigel, Leiterin Tollwood Umweltabteilung, Karl Ludwig Schweisfurth, Metzgermeister u. Unternehmer, Josef Schmid, Ladwirt u. Vorsitzender AbL, Dr. Rupert Ebner, Tierarzt Foto: Bernd Wackerbauer

München – Die Landeshauptstadt muss artgerecht werden, fordert das neue Aktionsbündnis „Artgerechtes München“. Schon jetzt hat die Vereinigung gegen Massentierhaltung viele Unterstützer.

Gesundheitsgefährdend, tierquälerisch, unsozial, umweltbelastend und unnötig – die Liste an Vorwürfen gegen die Art, wie wir Tiere halten, von denen wir leben, ist lang. Und wenn wir ehrlich sind, wollen wir oft auch gar nicht so genau wissen, wie es in den Agrarunternehmen, Mastbetrieben und Tierhaltungsplätzen aussieht, von denen wir unser täglich Fleisch beziehen.

Fakt ist: Die industrielle Intensivtierhaltung kollidiert in mehr als nur einem Punkt mit dem ethischen und artgerechten Umgang mit Tieren. Ein Großteil der Nutztiere lebt kurz, beengt und leidvoll, in Tiermastanlagen werden gefährliche Antibiotika verwendet. Josef Schmid, Vorsitzender der bäuerlichen Landwirtschaft e.V., weiß, dass 30 Prozent aller Antibiotika in Deutschland in einem Gebiet von nur 5 Postleitzahlen eingesetzt werden – und dass diese Postleitzahlen zu den Orten gehören, welche die höchste Viehdichte in Deutschland aufweisen. Nehmen Menschen diese Antibiotika über das Fleisch zu sich, entwickeln sie Resistenzen.

Damit muss endlich Schluss sein, fand das Münchner Festival Tollwood und initiierte ein Bündnis, das die Landeshauptstadt München endlich zum Handeln bringen will: Das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“.

Eines der Hautziele ist die Verpflichtung der Landeshauptstadt München, in ihrem Wirkungskreis nur noch Produkte aus artgerechter Tierhaltung einzusetzen. Konkret bedeutet das: alle städtischen Kantinen, alle städtischen Empfänge und auch alle von der Stadt München ausgerichteten öffentlichen Veranstaltungen sollen bio werden – die Auer Dulten, der Christkindlmarkt, das Stadtgründungsfest und nicht zuletzt die Wiesn.

Dass das einen langen Atem fordert, weiß auch Stephanie Weigel, Leiterin der Tollwood Umweltabteilung. Umso glücklicher ist sie, dass sich schon jetzt über 140 einflussreiche Büdnispartner beteiligen. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie und politische Theorie an der LMU. Er ist überzeugt: „,Man muss einen gemeinsamen Konsens zum Thema Tierhaltung finden, der sich auf ein Minimum verständigt. Ich selbst bewundere eine vegane Lebensweise, praktiziere sie aber nicht. Mit diesem Bündnis verständigt man sich auf das Minimum, dass die Tiere artgerecht gehalten werden“.

Vertreter der Stadtgesellschaft, wie die Stadträtinnen Sabine Krieger und Katrin Habenschaden, zählen ebenso zu den Unterstützern wie zahlreiche ökologische Unternehmen und Vereine. Auch Prominente wie Willy Astor, Günter Grünwald oder Marianne Sägebrecht haben genug von Tierleid. Natürlich braucht das junge Büdnis auch die Unterstützung der Münchner Bürgerinnen und Bürger – damit Bayern wieder das Land der Bauernhöfe, und nicht der Agrarfabriken werden kann.

Stephanie Weigel, Leiterin der Tollwood Umweltabteilung: „Wenn man auf dem Marienplatz Leute befragen würde, wüssten die meisten nicht, dass es Massentierhaltung in Bayern überhaupt gibt. Aber industrielle Massentierhaltung ist auch bei uns! Dem Verbraucher wird es nur schwer gemacht, das zu erkennen.“

Karl Ludwig Schweisfurth, Metzgermeister und Unternehmer: „Ich bin Metzger, mein Beruf ist es, Tiere zu töten. Das Tier in uns will Fleisch haben, aber wir sind auch Menschen und haben Moral, Ethik und Philosophie erschaffen. Wenn wir Tiere töten, müssen wir darauf achten, dass sie artgerecht gelebt haben.“

Josef Schmid, Landwirt und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft e.V.: „Landwirte arbeiten mit der Lebensgrundlage der Gesellschaft. Aber selbst der ökologischste Betrieb wird unter Preisdruck gesetzt. Das muss sich ändern und für mich ist es selbstverständlich, dieses Bündnis zu unterstützen.“

Dr. Rupert Ebner, Tierarzt und Mitglied des Vorstands von Slow Food Deutschland: „Die Verbraucher werden von der Industrie verarscht. Die EU-Bio-Zertifizierung ist viel zu niedrig, auch „QS“ ist kein Qualitätsmerkmal. Man betrachtet Tiere als Teil eines Produktionsprozesses und der Tierschutz wird maximal ausgedehnt.“

 

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