Tödlicher Fehler in Würzburg Polizei-Kollege erschossen: Opfer stirbt durch Kopfschuss

, aktualisiert am 01.03.2019 - 16:30 Uhr
Der Vorfall ereignete sich in der Mainau-Kaserne, dem Sitz der Bereitschaftspolizei III. Foto: Nicolas Armer/dpa

Kurz bevor zwei junge Polizisten ihren Nachtdienst antreten wollen, fällt ein Schuss. Wenig später ist einer der beiden tot – laut Polizei war es ein tragischer Unfall. Der Azubi hatte die Waffe falsch entladen.

 

Würzburg - Ein Auszubildender der Bereitschaftspolizei hat in Würzburg einen Mit-Auszubildenden offenbar versehentlich erschossen. "Nach momentanem Stand der Dinge sieht es danach aus, dass ein Polizeikollege seine Waffe nicht richtig entladen hat und noch ein Schuss im Lauf war", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Gegen den 19-Jährigen wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Bei der Tragödie ist der Würzburger Polizeischüler von einem Kopfschuss tödlich verletzt worden. Wie aus Ermittlerkreisen am Freitag verlautete, war aber unklar, ob die Kugel den 20-Jährigen direkt traf oder ob es ein Querschläger war. Ein Schussgutachten sollte klären, wohin der 19-jährige Schütze am Donnerstagabend schoss.

Nach Angaben der Polizei befanden sich der Polizeischüler und sein 20-jähriger Kollege kurz vor Dienstbeginn am Donnerstagabend in einem Unterkunftszimmer der Bereitschaftspolizei. "Darin muss es zu der unbeabsichtigten Schussabgabe durch den Jüngeren der Beiden gekommen sein", sagte Polizeihauptkommissar Michael Zimmer. Ein anderer Polizist hörte den Schuss und eilte in den Raum, wo er die beiden jungen Männer fand - den einen lebensgefährlich verletzt, den anderen unter Schock. Der angeschossene Azubi erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Innenminister Herrmann: Waffe falsch entladen

Wie genau es zu der Tragödie kam, wollte die Polizei am Freitag mit Verweis auf aktuelle Ermittlungen nicht bekanntgeben. Herrmann ging davon aus, dass es sich um menschliches Versagen handelte: "Alle Polizeibeamten lernen, wie man seine Waffe richtig entlädt. Das gehört standardmäßig zum Programm und es ist überaus bedauerlich, wenn klare Vorschriften über das Handling mit der Waffe nicht richtig beachtet werden."

Bereitschaftspolizisten müssen ihre Waffe nach Dienstende immer entladen. Nur leere Pistolen dürften mitgenommen werden, sagte Herrmann. Das sei auch in diesem Fall so beabsichtigt gewesen. "Es kann passieren, dass ein Kollege zwar das Magazin aus der Waffe nimmt, aber vergisst, dass die Pistole noch geladen ist", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Peter Schall. Nur so könne er sich erklären, warum sich auf dem Zimmer ein Schuss lösen konnte. "Der Dienstführer hätte in diesem Fall aber bemerken müssen, dass eine Patrone zu wenig abgegeben wurde", sagte Schall.

Einen Zusammenhang mit den neuen Polizeipistolen sah Herrmann nicht. Damit die Beamten in Gefahrensituationen schneller reagieren können, haben die Waffen keine zusätzliche Sicherung mehr - einmal geladen, kann man einfach den Abzug betätigen. Klar sei aber: "Völlig unbeabsichtigt kann sich ein Schuss nicht lösen, es muss jemand den Abzug betätigt haben. Die Waffe kann nicht von alleine losgegangen sein", sagte Herrmann.

"Die geladenen Waffen sind sau gefährlich", bestätigte auch Schall. Strengere Regeln brauche es aber nicht: "Die Vorschriften reichen aus, wenn sich alle daran halten." Er bedauert den "tragischen Fall" sehr, menschliches Versagen könne man aber nie ganz verhindern.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Tatsächlich gibt es immer wieder Fälle, in denen Polizeibeamte aus Versehen Schüsse abgeben. Nach Informationen des Innenministeriums allein in der Bereitschaftspolizei bis zu sieben Mal pro Jahr. Bei Tausenden Beamten und dem täglichen Umgang mit Munition sei dies aber generell nicht überraschend. Trotzdem wolle man mögliche Konsequenzen genau überprüfen, betonte Herrmann. Entscheidend sei, dass auch entmunitionierte Waffen noch einmal überprüft werden und in dieser Situation nie auf Menschen gerichtet sein dürfen.

In der Unterkunft, in der sich das Unglück abspielte, sind insgesamt einige hundert Polizisten untergebracht. "Nachvollziehbarerweise sind die anderen Kolleginnen und Kollegen ganz erheblich von den Geschehnissen betroffen", sagte Zimmer. Bereits in der Nacht sei eine Betreuung der Kollegen und Angehörigen organisiert worden.

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