Tödliche Schüsse Was treibt Rentner zu Messerattacke

In diesem Haus in Starnberg lebte Heinrich W. zurückgezogen. Nachbarn beschreiben ihn als Sonderling. Foto: hub

 Nachbarn rätseln über die Gründe, weshalb Heinrich W. mit einem Messer auf einen Polizisten losging. Zuletzt war der Rentner immer mürrischer
 

Starnberg - Die Nachbarn von Heinrich W. stehen noch immer unter Schock. Der 73-Jährige galt in der Straße als verschrobener Sonderling. Doch niemand hätte ihm zugetraut, dass er mit einem Küchenmesser in der PI Starnberg auftaucht und auf einen Polizisten losgeht (AZ berichtete).

Heinrich W. hat sich zuletzt immer mehr zurückgezogen. Der Garten vor seinem kleinen Häuschen verwilderte zusehens. „Früher hat er immer gegrüßt, wenn man sich auf der Straße begegnete und wir haben uns unterhalten“, erzählt ein Ehepaar aus der Nachbarschaft. Doch zuletzt sprach er kaum mehr ein Wort. Er ging den Leuten aus dem Weg, starrte zu Boden, wenn ihm jemand begegnete.

Die letzten Monate lebte Heinrich W. ganz alleine in dem Haus. Seine Tante starb vor über einem Jahr. Der gelernte Schlosser war nie verheiratet, hat keine Kinder.

Heinrich W. litt unter psychischen Problemen, an paranoiden und schizophrenen Schüben. „Er stand unter Betreuung“, bestätigt Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. Ein armer Teufel sei er gewesen, sagt ein Bekannter. Ein Einzelgänger, den seine psychische Probleme immer mehr in die Isolation trieben.

Am Freitagmorgen sahen ihn Nachbarn zuletzt. Da wirkte er ruhig und gelassen. Er holte Semmeln beim Bäcker und seine Post aus dem Briefkasten am Gartenzaun. Möglichwerweise lag etwas in der Post, dass ihn so in Rage brachte.

Am Nachmittag tauchte er jedenfalls plötzlich in der PI in Starnberg auf. In der Hand ein Messer mit 17-Zentimeter-Klinge. Weil zwei Unbeteiligte im Wartebereich standen, ließ ein Beamter Heinrich W. in den Flur. Polizisten versuchten den Rentner zu beruhigen. „Sie forderten ihn auf, das Messer wegzulegen“, so Ken Heidenreich. Doch der Rentner reagierte nicht. Schlimmer, er kam mit dem Messer auf die Polizisten zu.

Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Doch es zeigte keine Wirkung. „In dieser Bedrohungsssituation“, so Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer, „schossen die Beamten auf den Mann.“ Heinrich W. starb von mehreren Schüssen getroffen. LKA und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Am Wochenende wurde das Haus des Rentners durchsucht. Noch ist das Motiv unklar, weshalb Heinrich W. mit einem Messer auf einen Polizisten losging.

 

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