Tiefe Trauer im Netz Zum Tod von Sascha Lewandowski: "Beschissener Tag"

Sascha Lewandowski wurde 44 Jahre alt. Foto: dpa

Sascha Lewandowski ist tot. Der ehemalige Bundesliga-Trainer wurde drei Monate nach seinem Aus bei Union Berlin wegen eines Burnouts am Mittwoch leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Die Fußball-Nation trauert - die Reaktionen im Netz.

Bochum/Paris - Sascha Lewandowski wollte kämpfen, er wollte wieder das tun können, was er so liebte, was ihm Halt gab. "Ich denke 24, 25 Stunden am Tag über Fußball nach", hat er einmal gesagt - doch in seinem Kopf gab es auch einen Dämon, der ihn manches Mal davon abhielt.

Sascha Lewandowski hat die Rückkehr in den Fußball nicht geschafft. Drei Monate nach seinem Abschied vom Zweitligisten Union Berlin wegen eines Burnouts und "funktioneller Herzbeschwerden" wurde der frühere Bundesliga-Trainer am Mittwoch tot in seiner Bochumer Wohnung aufgefunden.

Die Todesursache ist unklar, Fremdverschulden wird von der Polizei ausgeschlossen. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft hat beim Amtsgericht Bochum die Obduktion des Leichnams beantragt. Lewandowski wurde 44 Jahre alt, er hatte mit Depressionen gekämpft. Sein Tod schockiert die Branche.

 

"Es ist für uns alle kaum vorstellbar, dass Sascha tot ist. Er war ein toller Mensch, der all seine Kraft und Leidenschaft in seine Arbeit einbrachte", sagte Rudi Völler, der Lewandowski bei Bayer Leverkusen einst in die Bundesliga aufsteigen ließ.

Bayers Geschäftsführer Michael Schade erinnerte sich an einen "wunderbaren Menschen, der Spuren hinterlassen hat. Es ist furchtbar, dass er nun nicht mehr unter uns ist." Auch die Eisernen aus Berlin fielen in Trauer, sie stellten ein Schwarz-Weiß-Foto Lewandowskis auf ihre Internetseite.

 

"Wir sind tief bestürzt und unglaublich traurig. Unsere aufrichtige Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie und den Angehörigen", sagte Union-Präsident Dirk Zingler. Größen wie Karl-Heinz Rummenigge ("Ich bin absolut geschockt"), frühere Zöglinge wie Hakan Calhanoglu ("Ruhe in Frieden"), die deutschen Nationalspieler in Evian, alle waren erschüttert.

 

"Wir haben es nach dem Training erfahren. Die Gedanken sind bei seiner Familie und Freunden", sagte Manager Oliver Bierhoff am Donnerstagmittag stellvertretend.

Lewandowski wollte seine Probleme offen angehen - er bat vor drei Monaten selbst um die Veröffentlichung der Burnout-Diagnose. "Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte. Dies war aber leider überhaupt nicht der Fall", sagte er am 4. März.

 

"Neben den gesundheitlichen Risiken muss ich auch akzeptieren, dass ich nicht annähernd die Power habe, mit so viel Energie zu arbeiten." Nach Einschätzung seiner Ärzte, fügte er hinzu, werde es "noch Monate dauern, bis ich wieder der Alte bin".

Er wurde es nicht mehr, trotz Behandlung. Lewandowski, ein Taktikfachmann, akribisch, engagiert, fordernd, hatte von April 2012 bis Sommer 2013 gemeinsam mit Sami Hyypiä Leverkusen trainiert. Nach Hyypiäs Entlassung im April 2014 übernahm er bis Saisonende erneut Bayers Bundesliga-Team.

 

Zuvor hatte sich Lewandowski einen glänzenden Ruf in der Jugendarbeit erworben. Er wurde mit der A-Jugend des VfL Bochum zweimal in Folge westdeutscher Meister, ebenfalls zweimal führte er seine Mannschaft ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Beide gingen verloren.

Danach übernahm Lewandoski die zweite Mannschaft, ehe er für fünf Jahre zur Leverkusener A-Jugend wechselte und etliche Spieler formte. Selbst hatte er maximal in der Oberliga Westfalen gespielt - für den VfR Sölde, einen Stadtteilklub aus dem Dortmunder Osten.

 

Als Trainer war Lewandowski impulsiv, viele nennen seine Fähigkeiten herausragend. In Leverkusen bildete er den Gegenpol zum Finnen Hyypiä, einem schweigsamen, ruhigen Trainer.

Lewandowski wohnte in Bochum. Er war seit langem mit einer Reporterin liiert, er hatte keine Kinder. Bis 2006 arbeitete er selbst nebenbei noch als Journalist, beispielsweise erstellte er Taktik-Analysen für Regionalzeitungen.

 

Staatsanwaltschaft beantragt Obduktion

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Obduktion des Leichnams beim Amtsgericht Bochum. Das sagte Andreas Bachmann von der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum. "Sollte der Obduktion stattgegeben werden, ist Anfang nächster Woche mit einem Ergebnis zu rechnen", sagte Bachmann.

 

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