Ticketsystem, das jeder versteht Was der ÖPNV in München von Australien lernen kann

Melbourne hat das größte Tramnetz der Welt - und ein geradezu narrensicheres Bezahlsystem. Foto: imago

Herauszufinden, wie viele Ringe in welchen Zonen man in München mit dem ÖPNV fährt, ist kompliziert. Genauso wie die Preisermittlung. Wie es einfacher geht, zeigen zwei Millionenstädte in Australien: Melbourne und Sydney.

 

München - Sind es zwei Zonen oder nur eine, endet der Ring genau an diesem Bahnhof und muss ich dann einen Streifen extra stempeln? Warum sind beim Express-Bus weniger Haltestellen eine Kurzfahrt als in den anderen Bussen und U-Bahnen? Und muss ich zahlen, wenn ich den Bahnsteig betreten will?

All diese Fragen stellen sich nicht nur Touristen in München jeden Tag, wenn sie rätselnd und staunend vor den Tarifaushängen von MVG bzw. MVV stehen. Es ist wahrlich nicht einfach, die richtige Fahrkarte zu finden - daran wird sich auch trotz der angekündigten Reform des Ringe- und Zonensystems (hier nachlesen) so schnell wohl nichts ändern.

Dass es einfacher geht zeigen die zwei australischen Millionenstädte Melbourne (rund 4 Millionen Einwohner) und Sydney (rund 5 Millionen Einwohner). Beide Städte haben ein geradezu idiotensicheres System bei ihrem ÖPNV eingeführt - eines, das noch dazu mit äußerst billigen Preisen funktioniert. Zumindest aus Münchner Sicht.

Wie funktioniert das System? Man erwirbt eine Chipkarte (myki-card bzw. opal-card), lädt sie mit einem beliebigen Betrag auf (das funktioniert an vielen Bahnhöfen und Läden in der Stadt) und fertig. Betritt man dann einen Bahnhof, Station oder Fähranleger, "tappt" man mit der Karte auf ein Lesegerät. Verlässt man den Zielbahnhof wieder, tappt man erneut auf ein Lesegerät. Der billigste Fahrpreis wird dann automatisch ermittelt. Er ist abhängig entweder von der Distanz oder der gefahrenen Zeit.

Der Autor fuhr zum Beispiel mit einem Regionalzug von Sydney aus in die Blue Mountains, gut 100 Kilometer. Kostenpunkt: Keine 6 Dollar (umgerechnet rund 5 Euro) einfach. Eine Busfahrt von einem S-Bahnhof zum Hotel kostete 30 Cent. Und: Es gibt Tageshöchstpreise, in Sydney beispielsweise 15,80 Dollar - egal, wie lang oder weit man fährt. Wer von München aus ins Umland fahren will, dem reicht oft nicht nur eine Streifenkarte.

Melbourne: Freie Trambahnen in der Innenstadt

Besondere Schmankerl bieten beide Städte obendrein. In Sydney kosten alle Fahrten, egal mit welchem Transportmittel an Sonntagen generell 2,60 Dollar. In Melbourne, die Stadt mit dem größtenTramnetz der Welt, ist die Innenstadt Teil der "free Tram zone", dort kosten alle Fahrten mit der Trambahn nichts. Zudem gibt es eine Touristentram, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abfährt. Ebenfalls kostenlos. Positiver Nebeneffekt: In Melbourne sank der innerstädtische Autoverkehr mit der Einführung der "free tram zone" markant, es gab weniger Unfälle auf den Straßen, die Luftqualität stieg.

lsmelMelbourne hat eine "free tram zone": Hier kosten alle Fahrten nichts. Foto: ls

Schwarzfahren ist dank dieses Systems so gut wie unmöglich, die Verkehrsbetriebe sparen dadurch Prozess- und Personalkosten. Geld, das denn auch in den Ausbau und den Erhalt der Strecken investiert wird.

Freilich, Münchens ÖPNV-System lässt sich nicht in allen Bereichen mit denen der beiden australischen Städte vergleichen. Dennoch ist es auffällig, wie einfach und preiswert solch ein System funktionieren kann.

 

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