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Moorschnorcheln, Foto: Karsten-Thilo Raab Foto: srt

Nichts wie hin – zu Moorschnorchel-WM, Tomatina und After-Grunz-Party - die spaßigsten Wettbewerbe in Europa.

 

Olympische Winterspiele finden Sie zu langweilig, die Fußball-WM zu kommerziell, den America's Cup zu spießig? Dann sind Sie bei Veranstaltungen wie Luftgitarren-, Schlammfußball- und Moorschnorchel-Weltmeisterschaft genau richtig. Willkommen ist jeder, sei es als Zuschauer oder Akteur. Ein wenig Verrücktheit und viel Selbstironie sind dabei von Vorteil.

Fingerakrobatik bei der Luftgitarren-WM

Ihr 15-Jähriges Jubiläum feiert 2010 die "Air Guitar World Championship", die legendäre Luftgitarren-Weltmeisterschaft vom 25. bis 28. August im finnischen Oulu. Extrovertierte Solokünstler spielen sich zu den echten Klängen eines selbst gewählten Rocksongs an einer unechten, weil schlicht nicht existierenden Gitarre, auf einer (großen) Bühne in Rage – was in Kombination mit witzigen Outfits, duften Groupies und komischer Akrobatik zu (großem) Spaß führt.

Meisterschaft im Schweineschreien

In einem kleinen Dorf in den südfranzösischen Pyrenäen findet jedes Jahr am zweiten Sonntag im August eine Meisterschaft im Schweineschreien statt. Gewinner ist derjenige, der am besten quiekende Ferkel oder brünstige Eber nachahmen kann. Die größte Schweinerei ist dann aber die After-Grunz-Party, wenn alle Teilnehmer so richtig die Sau rauslassen – zum Beispiel beim Rekord-Blutwurstessen.

Tomatenschlacht in Bunol

Im spanischen Buñol bei Valencia geht es am 25. August nicht um Würste, sondern um Tomaten. Zumindest Ende August, wenn die verrückteste Tomatenschlacht der Welt, die "Tomatina", stattfindet. Dann feiern die Einwohner die Prozession zu Ehren des Stadtpatrons, indem sie sich eine geschlagene Stunde mit dem überreifen Gemüse bewerfen und sich im Tomatenschlamm suhlen. Binnen Augenblicken verwandeln sich Hunderte von Teilnehmern in rote Fleckenmonster und die gesamte Altstadt in eine riesige Badewanne aus säuerlich riechendem Tomatenbrei.

Handyweitwurf

Das Gefühl, dass man in bestimmten Momenten auch sein Handy zu Brei verarbeiten könnte, kennt vermutlich jeder. Mitunter würde man ein nicht-funktionierendes Gerät auch einfach wegschmeißen. Wer das in Finnland – dank Saunabausatz-Zusammenbau-WM, Zwergenweitwurf und Beerenschnellpflückmeisterschaft ohnehin bei verrückten Events weltweit führend – tut, der kann dabei sogar noch einen Titel gewinnen. Wo? Bei der jährlich Mitte August stattfindenden Handyweitwurf-WM, der "Mobile Phone Throwing World Championship". Wer weiß, dass er trotz größter Wut auf Gerät und/oder Telefon-Hotlines nicht annähernd an die Rekordmarke von 85 Meter herankommen wird, kann es ja in der Freestyle-Kategorie probieren, bei der es auf Stil und Ästhetik ankommt.

Wer kann die verrückteste Grimasse schneiden?

Ästhetik spielt bei der Grimassenschneide-WM am 18. September im britischen Egremont nicht unbedingt eine wichtige Rolle, dafür Albernheit und Körperbeherrschung. Besser: Gesichtsbeherrschung, denn hier konzentriert sich alles auf das Gesicht, das die Teilnehmer zu den wahrlich komischsten Fratzen verziehen können, inklusive doppeltem Augenrittberg und gestreckten Lippenstülpern. Komisch ist auch, dass sich ein solcher Wettbewerb so lange schon hält. Er wird seit dem Jahr 1267 im Rahmen der "Crab Fair & Sports" ausgetragen.

Käserollen in Gloucestershire

Die Briten belegen nach den Finnen definitiv Platz zwei in der inoffiziellen Meisterschaft der verrückten Event-Nationen. Das beweist neben der Brennnessel-Ess-WM und der Meisterschaft im Schienbeintreten auch das Käserollen in der Grafschaft Gloucestershire im Südwesten Englands. Alljährlich im Mai trifft man sich vier Tage lang zum "Cheese Rolling" am Cooper's Hill, einem steilen Hang am Ortsrand. Der Zeremonienmeister zählt am 31. Mai den Countdown herunter, dann schleudert er einen Laib Käse den Hang hinab. Der erreicht Spitzengeschwindigkeiten von fast 100 Stundenkilometern. Die Teilnehmer stürzen sich dem Käse todesmutig hinterher und versuchen, ihn vor der weißen Linie im Tal einzuholen. Das schafft zwar selten jemand, trotzdem lieben alle den Spaß, und das seit der Römerzeit.

Weltmeisterschaft im Moorschnorcheln

Dass es im Profifußball nicht ganz sauber zugeht, vermutet man insgeheim schon immer. Dennoch glänzen die Trikots der Profis immer um die Wette. Das kann bei der Schlammfußball-WM am 26. und 27. Juni in Strachur, Schottland, definitiv nicht passieren. Im Gegenteil. Bei dem legendären Freizeitturnier von bunt gemischten Nationalmannschaften, die gegeneinander an- und gegen den irgendwo im knietiefen Morast untergegangen Ball treten, gilt: Je dreckiger, desto besser. Man kann sich vorstellen, dass das Schlamm-Gekicke die feinsten Siegerfotos produziert. Wen der Teil mit dem Schlamm anspricht, aber nicht der mit dem Fußball, der ist vielleicht bei der Moorschnorchel-WM am 29. August in Llanwrtyd Wells in Wales richtig. Gute "Athleten" schaffen die 55 Meter durch Schlamm, Schlingpflanzen und Brachwasser unter zwei Minuten.

Extrembügeln auf Bäumen und Bergen

Nach solchen Events ist Waschen angesagt – soviel ist klar. Und das wiederum klingt wie Musik in den Ohren von Extrembüglern. Denn wo frische Wäsche ist, muss gebügelt werden. Doch diese Jungs und Mädchen tun das nicht vor dem Fernseher oder in der Waschküche, sondern an Steilhängen, während eines Marathons, auf Bäumen, ja selbst unter Wasser! Bügelbrett und Bügeleisen sind immer dabei. Und weil es gar so Spaß macht, treten bei der WM – die erste fand übrigens südlich von München statt - gleich mehrere Teams gegeneinander an, um einen Parcours der verschiedensten Bügelorte in schneller Zeit und mit viel Bügelerfolg zu absolvieren. Wann die nächste Meisterschaft ausgetragen wird, steht noch nicht fest.br>
Christian Haas

 

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