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Naqa-Ruinen im Sudan, Foto: von Poser Foto: srt

Liegt's am Lockruf des Risikos? Jedenfalls finden Ziele wie der Sudan, Afghanistan und Irak immer häufiger den Weg in die Reisekataloge.

 

Allah sei mit uns! Amir tritt ins Pedal. Wie ein Gummiball hüpft der Toyota zwischen den Dünen hin und her. Benommen schwappt das Auto über die Sandberge. Kleinen Schlangenlinien gleich hat der Wind Wellen in den Dünensand gezeichnet. Dann stehen sie plötzlich vor uns: die Pyramiden von Meroë. Feuerrot lodern ihre Spitzen im Sonnenuntergang.

"Die Nubier waren ein mächtiges Volk", sagt Amir, als die Sonne im Nil versinkt. Gleichzeitig mit den Pharaonen herrschten sie über weite Teile des heutigen Sudan und pflegten ähnliche Totenrituale wie die Nachbarn in Ägypten. Rund 120 Pyramiden zählt alleine die Nekropole von Meroë.

Schwierige Ziele mit interessanter Kulturgeschichte

Doch kaum ein Europäer hat den Ort in den vergangenen 50 Jahren betreten. Seit 1956 kommt der größte Staat Afrikas nicht zur Ruhe. Jetzt aber bieten einige Reiseveranstalter wieder Touren in das Land an. Nicht nach Darfur, wo die Reitermiliz Djandjawid gemeinsam mit der Regierung skrupellos gegen Zivilisten vorgeht, sondern in den ruhigeren Norden.

Der Sudan ist nur eines von vielen schwierigen Zielen, die den Weg zurück auf die touristische Landkarte gefunden haben. "Man mag ein solches Regime nicht befürworten", sagt Edwin Doldi vom Münchner Reiseunternehmen Studiosus. "Aber das Land ist kulturgeschichtlich ungemein interessant. Und der Norden ist problemlos zu bereisen."

Die „Achse des Bösen“ lockt Abenteuerurlauber

Auch Kolumbien ist wieder im Angebot der Veranstalter. Jahrelang kämpften Rebellen gegen die Regierung, immer wieder kam es zu Entführungen. Inzwischen hat sich die Sicherheitslage aber verbessert. Ähnlich erging es dem Libanon. Seit der Wahl 2008 und der Beteiligung der Opposition an der Regierung ist das Land wieder ohne Bedenken bereisbar. Wenn es nach FTI-Chef Dietmar Gunz geht, soll Beirut in Zukunft bald Barcelona und Istanbul Konkurrenz machen. "Das Potenzial dazu hat die Stadt."

Andere Reize locken Urlauber nach Nordkorea: Im östlichen Eckpfeiler von George Bushs "Achse des Bösen" kann der Besucher ein einzigartiges politisches Relikt bestaunen: den Staatskommunismus. "Es sind vor allem Stammgäste und erfahrene Reisende, die solche ausgefallenen Ziele buchen", sagt Edwin Doldi von Studiosus.

Selbst in Europa werden noch neue Ziele entdeckt. Zum Beispiel Moldawien. Zwar gären die Konflikte zwischen dem an Rumänien angelehnten und dem zu Russland tendierenden Teil. "Diese ethnische, religiöse und ideologische Vielfalt und das reiche Erbe der orthodoxen Klöster machen Moldawien aber zu einem interessanten Studienreiseziel", weiß Ikarus Tours, wo das Land seit 2005 im Programm ist.

Selbst der Irak ist nicht mehr tabu.

Seit 2003 befindet sich das Land offiziell im Ausnahmezustand. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen dorthin. Doch das irakische Tourismusministerium plant schon für die Zeit danach. Mindestens zwei Milliarden Euro sollen für einen neuen Tourismuskomplex auf der Hochzeitsinsel im Tigris in Bagdad ausgegeben werden. Geplant sind mehrere Luxushotels, Wellnessanlagen, ein Yachthafen und ein Golfplatz. Der kalifornische Anbieters Distant Horizons und die französische Firma Terre Entière bieten bereits Reisen in den Norden des Irak an.

Und was bleibt noch, wenn man im Iran bereits war? Afghanistan! Schon bieten einheimische Veranstalter Touren zu den 2001 von Talibankriegern gesprengten Buddha-Statuen von Bamian an, unternehmen Trekkingtouren in die nördliche Provinz Badakhshan, Snowboard-Touren in den Hindukusch und Rafting auf dem Panshir River.

Schurkenländer zu isolieren bringt den Menschen nichts

Aber kann ich als Gast überhaupt bedenkenlos in Länder reisen, in denen Unrecht, Entführungen und Gewalt auf der Tagesordnung stehen? "Solche Länder zu isolieren bringt den Menschen vor Ort gar nichts. Sie ihrem Schicksal zu überlassen, ist der falsche Weg", sagt Edwin Doldi.

Studiosus geht einen anderen Weg: In Burma zum Beispiel, wo seit Jahren ein Militärregime regiert, unterstützt das Unternehmen eine Klosterschule durch die Anschaffung medizinischer Geräte für die Schulklinik. "Die Lehranstalt besuchen rund 6500 Schüler - und unsere Gäste im Rahmen von Studienreisen. Das bringt beiden Seiten etwas."

Fabian von Poser

Weitere Informationen

Sudan: Die 14-tägige Expeditionsstudienreise "Sudan - im Reich der schwarzen Pharaonen" kostet bei Studiosus ab 4295 Euro pro Person.Kolumbien: Die 14-tägige Erlebnisreise "Unentdecktes El Dorado" ist bei Gebeco ab 2895 Euro pro Person buchbar.Nordkorea: 17-tägige Studienreise "Nord- und Südkorea - die umfassende Koreareise", buchbar bei Studisosus ab 4590 Euro pro Person.Moldawien: Ikarus Tours hat eine achttägige Reise "Unbekanntes Moldawien" ab 1735 Euro pro Person im Programm.

 

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