Themenwelten Reise & Erholung Traumjob am Mittelmeer

Wer als Animateur in einem der zahlreichen Ferienclubs arbeiten will, kann zwar viel Spaß und gutes Wetter haben. Aber die Arbeitsbedingungen haben es teilweise in sich

 

MÜNCHEN/FRANKFURT Der Weg zum Traumjob am Mittelmeer führt über vereiste Bürgersteige in die gesichtslose Bürostadt von Frankfurt-Heddernheim. In den kahlen Räumen der örtlichen Arbeitsagentur sitzen Manager bekannter Touristikunternehmen, die Animateure, Rezeptionisten und Servicekräfte für die kommende Sommersaison suchen. Die Einsatzorte sind vielfältig, doch von seinen neuen Leuten hat zum Beispiel der deutsche Geschäftsführer von Club Med, Eric Georges, klare Vorstellungen: „Sie müssen einen geeigneten Beruf und mindestens ein Talent haben.“ Freundlich, offen und multikulturell soll es zugehen in den 80 hochpreisigen Clubs der französischen Kette mit weltweit rund 16 000 Mitarbeitern, und dafür sollen vor allem die Animateure sorgen: die Kinder bespaßen, zum Sport anleiten, den Abend mit Gesang und Tanz verkürzen. Georges hat dabei durchaus landsmannschaftliche Vorzüge entdeckt und verteidigt sie gegen den Klischeeverdacht: „Brasilianer sind toll fürs Feiern, Franzosen gut in der Küche und Deutsche hervorragend an der Rezeption.“ Den Bedarf an deutschsprachigen Saisonkräften schätzt er für sein Unternehmen auf bis zu 250. Die meisten sind Wiederholungstäter oder melden sich über das Internet, aber jedes Jahr müssen auch neue Talente gefunden werden.

Neue Kräfte testet der Club vor der Einstellung genauso wie die anderen Veranstalter auf Herz und Nieren. Bei der TUI bringt ein harmonisches Gespräch dem 27 Jahre alten Markus zunächst nur eine Einladung zu einem „Job Day“ im Februar ein. „Das ist wohl so eine Art Casting“, mutmaßt der gelernte Vermessungstechniker ganz richtig.

Dort wird sich zeigen, ob seine Gastro-Erfahrungen und das karnevalerprobte Talent zu Moderationen und Büttenreden den Weg in die Sonne ebnen. Üblich sind auch Probewochen oder Großtrainings mit Hunderten von Animateuren.

„Ich will vor allem mein Englisch verbessern“, sagt die junge Deutsch-Kurdin Cicek Tunc aus Nidderau bei Frankfurt. Zuletzt hat die 26 Jahre alte Hotelfachfrau als Verkäuferin gearbeitet und will jetzt endlich ihren Traum von einer internationalen Hotelkarriere in Angriff nehmen. Sie hofft auf eine vom Arbeitsamt bezahlte Schulung bei der Europäischen Hotel Akademie im südhessischen Heppenheim mit anschließender Job-Garantie. In vier Wochen werden dort die Kandidaten fit gemacht für Jobs in der Spitzengastronomie im englischsprachigen Raum.

Linda Breenaart von der Hotelkette Iberostar lässt die Träume vom lässigen Leben unter der heißen Sonne Spaniens bei ihren Zuhörern nicht allzu hoch fliegen. „No Siestas!“, lautet ihre Ansage, in 30 bis 45 Minuten statt der landesüblichen zwei bis drei Stunden muss das Mittagessen für die Animateure beendet sein. Während die Gäste noch verdauen, organisiert und probt die Spaßtruppe nämlich in aller Regel schon das Unterhaltungsprogramm für den Abend.

Die weiteren Konditionen klingen auch mehr nach harter Arbeit als nach Urlaub: In der Hochsaison sind die Staff-Unterkünfte prinzipiell außerhalb der vollgebuchten Hotels, die Einrichtungen wie Pools und Fitnessräume für den privaten Bedarf tabu, die Arbeitstage lang und das Vorbereitungstraining unbezahlt. Dafür hält sich der bürokratische Aufwand trotz spanischem Arbeitsvertrag in engen Grenzen. Zu verdienen gibt es nicht allzu viel, so Club Med- Manager Georges. Ungefähr 900 Euro bleiben nach allen Kosten und Steuern einem Club-Animateur im Monat.

Wieviele junge Menschen pro Jahr trotzdem den meist auf sechs Monate beschränkten Spaßjob im Ausland antreten, weiß niemand so ganz genau, denn eine Meldepflicht gibt es nicht. „In der Krise sind manche vorsichtiger geworden, aber das Interesse ist nach wie vor da“, schildert Maria Tronjak von der Zentralen Ausland- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur (ZAV) ihre Eindrücke. In der Statistik tauchen die Animateure als einzelne Berufsgruppe nicht auf.

Dafür sind nach der Jahresauswertung der ZAV für 2009 mit 800 Köchen und 713 Servicekräfte gleich zwei touristische Berufe unter den Top 3, nur von den fast 1800 Bauarbeitern überholt.

„Natürlich ist der exklusive Hauch vom Abenteuer ein wenig weg, seit es so einfach ist, einen Job im Ausland zu bekommen“, meint die TUI-Bereichsleiterin für die ostgriechischen Inseln Kos und Rhodos, Jessica Schulz. Doch sie fügt hinzu: „Die meisten machen es dann doch nicht und wissen folglich auch nicht, was sie verpassen.“ (www.ba-auslandsvermittlung.de)

Christian Ebner

 

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