Themenwelten Reise & Erholung Beirut: Schrill, laut und sexy

Hoch her geht es in den Beiruter Clubs, Foto: von Poser Foto: srt

In den Clubs der libanesischen Hauptstadt blitzt nach 20 Jahren Bürgerkrieg wieder der Glamour auf, der Beirut einst den Ruf "Paris des Nahen Ostens" bescherte.

 

Gott ist groß. Er hat Beirut das Nachtleben geschenkt. Und dem Nachtleben das "Noir". Es liegt im siebten Stock des In-Viertels Gemayzeh hinter verspiegelten Scheiben aus Panzerglas. Eben noch waren Ferraris und Porsches an uns vorbeigeröhrt. Wir hatten uns durch das Meer aus gut gekleideten Menschen auf der Gemayzeh Street gedrängt. Das Klackern der Stilettos klang wie Maschinengewehrsalven auf dem Pflaster.

Und jetzt sitzen wir hier im siebten Stock und blicken durch die engen Häuserschluchten hinaus auf das Meer. Wände und Tische sind schwarz lackiert, der Kellner bringt Cocktails, Techno-Musik wummert aus den Boxen. Um zehn soll es richtig losgehen, hatte man uns gesagt. Dann soll der Puls des Beiruter Nachtlebens zu schlagen beginnen – und nicht so schnell zur Ruhe kommen.

400 Leute drängen sich in dem kleinen Raum über den Dächern von Beirut. Ich bin mit Joelle und Joyce unterwegs. Beide sind blond, sprechen eine Mischung aus Arabisch, Französisch und Englisch, lieben ihre Handys und haben Beine, die nicht stillhalten können. Gemeinsam wollen sie mir das Beiruter Nachtleben zeigen.

Die Gäste tanzen auf den Tischen

"It is time for a new beginning", dröhnt es aus den Lautsprechern. Und kaum einem anderen Ort der Welt nimmt man das so ab wie Beirut. Die ersten Gäste tanzen mittlerweile auf den Tischen. Die Hektik des Tages steigert sich zu einer fiebrigen Aufgekratztheit, der überdrehte Puls ist dann an jeder Ecke zu spüren.

20 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrt das Leben zurück in die Straßen Beiruts, durch die einst Elisabeth Taylor und Ava Gardner flanierten. Schon einmal dachte man, es sei Zeit für den Aufbruch. Das war vor sechs Jahren. Doch nach dem Mord an Ministerpräsident Rafiq al-Hariri flammten die alten Konflikte wieder auf. Erst eine nationale Einheitsregierung ebnete den Weg zu den Parlamentswahlen im Juni 2009. Seit der Regierungsbeteiligung der Hisbollah ist es relativ ruhig im Land – und es geht steil bergauf.

An jeder Ecke Beiruts sprießen neue Clubs aus dem Boden. Wo einst zerbombte Häuser standen, entstehen Cafés, Bars und Luxusapartments wie der Marina Tower. Auf dem einstigen Basar stehen Luxusboutiquen von Dolce & Gabbana, Prada und Boucheron. Auf der Place d’Étoile flanieren libenesische Familien und essen Eis bei Hägen Dasz. Den Uhrturm schmückt der Rolex-Schriftzug.

Orientalischer Charme

Einer der schicksten Plätze ist das Gray-Hotel direkt am Märtyrerplatz. Von der Bar unter der gläsernen Dachkuppel genießen wir eine der schönsten Aussichten der Stadt: vorne die bunt beleuchtete Skyline, unten 2000 Jahre alte römische Säulen und am Horizont das Mittelmeer. "Seit der Eröffnung vor einem Jahr haben wir eine Auslastung von 80 Prozent", sagt Rita Chbeir Saad, PR-Managerin des Hotels stolz. "Und ich bin zuversichtlich, dass es in Zukunft noch mehr werden wird."

Allein 2009 wuchs die Wirtschaft im Libanon um neun Prozent, und jedes siebte libanesische Pfund wird im Tourismus verdient. Zwei Millionen Gäste besuchten das Land. Hin und wieder blitzt zwischen all dem modernen Chique jedoch auch der orientalische Charme des "Paris des Nahen Ostens" durch. Zum Beispiel an der sandsteinfarbenen Amin-Moschee. 2008 direkt am Märtyrerplatz neben dem Grab Rafiq Al-Hariris eröffnet, ist sie mit Platz für 2500 Gläubige die größte des Libanon und das Wahrzeichen des modernen Beirut.

Libanesische Nächte fangen spät an und hören früh auf. Es ist weit nach Mitternacht, als wir über die Rue Monot im Viertel Achrafieh schlendern. Hier verlief einst die heftig umkämpfte "Green Line", die Beirut in einen christlichen und einen muslimischen Teil trennte. Heute ist das Viertel ein Top-Ausgehspot der Stadt. Um uns herum schieben sich mehr deutsche Nobelkarossen durch die Straßen als auf der Münchner Maximilianstraße.

Kurz vor dem Verkehrsinfarkt

Beirut, das ist auch 24 Stunden Hupkonzert, eine Stadt kurz vor dem Verkehrsinfarkt. "L Club" heißt einer der angesagten Orte. Der Club wirbt damit, die "hottest party of the city" zu veranstalten. Und tatsächlich: Über die Boxen läuft "Lebnan rah yerjaa" von Joseph Atieh. Übersetzt bedeutet das: Der Libanon wird zurückkommen. Mehr als 1200 Leute bewegen sich dazu kreischend und hüftenschwingend.

Für Libanesen ist Ausgehen ein ästhetisches und eitles Vergnügen. "Sehen und gesehen werden, das ist hier alles", sagt Joelle. "Die Leute sind hungrig nach Tanz, nach Leben. Keiner weiß, wie lange der Frieden andauern wird, deswegen genießen wir das Jetzt."

Die meisten Libanesen gehören zu einer Generation, die mit dem Krieg aufgewachsen ist, einer Generation, in der Bombenangriffe fast so zum Leben gehörten wie Zähneputzen. Zwar lugen zwischen den nagelneuen Wolkenkratzern noch immer zerbombte Hausfassaden hervor. Doch die junge Generation ist voller Optimismus.

Wann schlafen die Leute hier eigentlich

Gott ist groß, und Beirut ist die Sünde. Wenn man am frühen Morgen aus einem der Clubs ins Freie stolpert, sich von einem der weinroten Taxis entlang der Corniche nach Hause fahren lässt und dabei die immer noch verstopften Straßen sieht, die BMWs, Porsches und Mercedeslimousinen, aus denen immer noch laut Musik dröhnt, dann ist das für einen Mitteleuropäer schwer zu begreifen. Wann schlafen diese Leute, wann arbeiten sie, fragt man sich in einem solchen Moment.

Als Besucher benötigt man nach einer Nacht wie dieser etwas Zeit, um herunterzukommen. Gleich ins Bett gehen ist nicht. Das Morgengebet des Muezzin, das der Wind von der Al-Amin-Moschee herüber trägt, ist irgendwann zu Ende. Auch das Läuten der Kirchenglocken im Christenviertel. Das Pfeifen in den Ohren vom Beat dieser Stadt dagegen hallt noch lange nach.

Fabian von Poser

Service Beirut

FTI hat als erster deutscher Reiseveranstalter einen Libanon-Katalog aufgelegt. Darin finden sich 26 Stadthotels in Beirut. Eine Nacht im Fünf-Sterne-Hotel "Le Gray" kostet ab 135 Euro pro Person im Doppelzimmer, im "Mövenpick" ab 95 Euro.

Der Autor recherchierte auf Einladung von FTI Touristik.

 

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