Theater Verrücktes frisches Blut

Szene aus „Peer Gynt“, inszeniert von Antú Romero Nunes. Foto: Volkstheater

Sauerstoffmangel, Langeweile, Mattheit. Auf dem Plakat zur siebten Ausgabe des Radikal jung-Festivals sieht man herzhaft gähnende Menschen, wobei das Festival junger Regisseure natürlich das Gegenteil sein will – ein Aufputschmittel gegen alle Frühjahrsmüdigkeit. Auch wenn manche durchaus verschlafen sind: „Uns fällt auf, dass die Studenten sich oft zu spät um Tickets kümmern, während die ältere Generation sich beim Vorverkaufs-Beginn die Karten sichert”, meint Kilian Engels, Chef-Dramaturg des Volkstheaters und Festivalleiter.

 

Zehn aufgeweckte Inszenierungen locken mit frischen Ideen, teils fern unserer Sehgewohnheiten – die Jury, bestehend aus dem leidenschaftlichen Publizisten C. Bernd Sucher, Kammerspiele-Schauspielerin Annette Paulmann und Engels haben dieses Mal auch Arbeiten aus Brüssel, London und Belgrad eingeladen. Repräsentativ kann diese Auswahl nicht sein, „Es ging uns schon immer um eine möglichst große Vielfalt”, erklärt Engels. „Welches internationale Festival ist wirklich repräsentativ?” So wollte die Jury eine Produktion wie „Gott ist ein DJ”, nach dem Stück von Falk Richter, inszeniert von Miloš Lolic, dem Münchner Publikum nicht vorenthalten: „Gut abgehangene deutsche Postdramatik aus den Neunzigern – das ändert sich stark, wenn das von einem serbischen Regisseur gemacht wird.”

Der Transfer in einen anderen Kulturraum garantiert Erkenntnisgewinn. Aktuelles wird eifrig gespiegelt: In der Berliner Inszenierung von „Verrücktes Blut” (12.4., 19.30 Uhr) zwingt eine bewaffnete Lehrerin ihre Schüler mit Migrationshintergrund, Schiller zu spielen. Die Sarrazin-Debatte wird hier irrwitzig durchgespielt, wobei der Film, auf dem das Stück basiert, früher entstand. Einen „empathischen Blick auf die vielzitierte Parallelwelt der ,Kopftuchmädchen’” wirft laut Engels „Arabqueen”, noch eine Inszenierung aus Berlin. Neben dieser Königin lässt ein Möchtegern-Kaiser das Festival am Samstag starten: „Peer Gynt”, inszeniert von Antú Romero Nunes.

Engels hofft, dass auch die untertitelten Gastspiele für volles Haus sorgen werden. Die Belgier kommen sowieso fast ohne Worte aus: „Life: Reset” (14.4., 18.30 und 21 Uhr) erzählt vom Alltag einer Frau, der ins Virtuelle führt. Ebenfalls ein Solo ist Bastian Krafts „Dorian Gray” fürs Wiener Burgtheater: Markus Meyer spielt mit und gegen 17 Projektionsflächen. „Ich habe sowas noch nie gesehen”, meint Kilian Engels. Nun denn: Studenten müssen sich sputen, um noch Karten zu bekommen. Aufwachen!

 

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