Theater "Call Me God" - eine Todeszellen-Revue

Die Kombination aus Doku-Schauspiel und Mediensatire verlangt ihnen einiges ab: Thomas Gräßle, Lukas Turtur, Katrin Röver und Genija Rykova (von links). Foto: Hans Jörg Michel

„Call Me God“ – Im Marstall beschäftigen sich gleich vier Autoren mit einem Serienkiller

 

Über die Praktiken der CIA hat man schon manch’ Verwerfliches gehört. Regisseur Marius von Mayenburg schildert in „Call Me God“ eine psychologische Kriegsführung, wie sie unangenehmer sein könnte: Für die Rekrutierung von Killern tanzt die Abteilungsleiterin Striptease. Katrin Röver macht daraus eine fulminante Nummer und der Angeworbene unterzeichnet begeistert, obwohl sich die neue Chefin noch nicht einmal ausgezogen hat. Die „mission impossible“ ist es, den Beltway Sniper unschädlich zu machen.

Der erschoss 2002 im Großraum Washington acht Menschen – wahllos auf der Straße, vor der Schule, aber vorzugsweise an Tankstellen. An den Tatorten hinterließ er Tarotkarten mit der Aufschrift „Call Me God“, „Nennt mich Gott“. Nicht nur die CIA war alarmiert, sondern auch das FBI und die regionalen Behörden. Mit allen Betroffenen von den Opfern über die Ermittler und die Journalisten bis zu den Tätern selbst verursachen die Autoren Gian Maria Cervo, Albert Ostermaier, Rafael Spregelburd sowie von Mayenburg einen Auflauf aus mehr als 50 Mittelstandsfiguren der amerikanischen Ostküste.

Die werden während der rund 100 Minuten der Koproduktion des Romaeuropa Festivals in Rom und dem Bayerischen Staatsschauspiel von Katrin Röver, Genija Rykova, Thomas Gräßle und Lukas Turtur virtuos durch den Marstall gescheucht. Der Text verlangt das ambitionierte Kunststück, dokumentarisches Schauspiel und Mediensatire gleichzeitig zu spielen. Von Mayenburg lässt die Szenen unterschiedlos als eine Art Vaudeville-Comedy-Splatter-Revue mit Slapstick in der Todeszelle spielen.

Das gelingt eher aufgeregt als aufregend. Es wird viel überillustriert, wie etwa das kindertheaterhaft deutliche Ausspielen des Lochs, das die Heckenschützen in den Kofferraumdeckel bohrten, um ihre Limousine zum ambulanten Sniper-Basiscamp umzurüsten. Nebenbei noch etwas zum Motiv: Den Tätern ging es darum, mit der Attentatsserie einen noch geplanten Mord wegen eines Sorgerechtsstreits zu verschleiern. Was für ein Stoff über die monströse Einsamkeit in einer bewaffneten Gesellschaft wäre das!

Marstall, 24., 25., Nov., 2., 3., 20., 23. Dez., 20 Uhr

 

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