Teure gegen billige Finanzierungen tauschen Raus aus dem Ratenkredit!

MÜNCHEN Nominal 11.39 Prozent zahlt AZ-Leserin Anneliese B. für einen Verbraucherkredit, den sie im Jahr 2007 abschloss. Für gut 10000 Euro bestellte sie sich damals eine neue Küche. Mit Zinseszinsen und Gebühren beträgt der sogenannte Effektivzins über zwölf Prozent – deswegen würde Anneliese B. gerne umschulden.

 

Aktuelle Kreditangebote sehen Zinsen ab fünf Prozent vor. Anneliese B. zahlt, wenn sie den Kredite bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2017 abstottert, insgesamt 16783 Euro. Ende des Jahres wird sie immer noch mit über 4000 Euro in der Kreide stehen. Sollte sie diesen Betrag auf einen ebenfalls bis 2017 laufenden Kredit mit effektiv sechs Prozent umschulden können, würde sie am Ende nur 16250 Euro gezahlt haben – über 540 Euro weniger, und das mit einer niedrigeren Monatsrate.

Aber ein vorzeitiger Ausstieg wird teuer, teilte ihr die Bank mit. Wenn Anneliese B. tatsächlich kündige, würde eine dicke Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Eine solche Klausel ist allerdings rechtlich nicht haltbar, sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der für Verträge vor dem 11. Juni geltende Gesetzestext lege ausdrücklich fest, dass die Kündigung bei einem Ratenkredit – anders als bei einem Immobiliendarlehen – nicht ausgeschlossen werden könne.

Auch Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest verweist auf die Verbraucherkreditrichtlinie vom 11. Juni 2010. Sie legt fest, dass bei einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr maximal ein Prozent der Restschuld als Vorfälligkeitsentschädigung verlangt werden darf, bei kürzeren Restlaufzeiten maximal 0,5 Prozent. Allerdings gilt die Richtlinie nur für neue Kredite. „Alle Kredite, die vor dem 11. Juni 2010 abgeschlossen wurden, können nach dem früheren Recht gekündigt werden“, sagt Stephanie Pallasch. Das heißt: Mit einer Frist von drei Monaten, ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Besonders scharf scheinen die Banken nicht darauf zu sein, ihr Geld vorzeitig zurückzubekommen. „Ich habe bei zwei Instituten nachgefragt, und sie meinten, dass sei nicht möglich“, sagt AZ-Leser Hans M. Die Auskunft erklärt sich mit der Unkenntnis des Sachbearbeiters – möglicherweise auch mit dem Unwillen einer Bank, sich von hoch verzinsten Ratenkrediten zu trennen.

Gefallen lassen müssen sich das die Kunden allerdings nicht. Wer einen alten Kredit loswerden will, sollte zunächst nach Vergleichsangeboten suchen. Wichtig: Geben Sie, wenn Sie Angebote einholen, an, dass Sie mit dem Geld einen alten Kredit ablösen wollen. Zusammen mit der neuen Belastung ergibt sich in den Augen des Bankberaters, der über den Antrag entscheidet, sonst das Bild eines gewaltigen Schuldenberges. Erst wenn Sie die Kreditzusage der neuen Bank haben, sollten Sie den alten Kredit kündigen. Alternative: Sie gehen mit dem zinsgünstigen Angebot in der Tasche zum Bankberater – der wird möglicherweise dann doch eine hausinterne Lösung anbieten.

Auch wer einen Kredit abzahlt, für den die Verbraucherkreditlinie von 2010 gilt, kommt mit einer Umschuldung unter Umständen günstiger weg. Zwar wird dann eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig, jedoch dürfte der Zinsvorteil in vielen Fällen trotzdem beträchtlich sein. sun

 

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