Testspiel Deutschland gegen Spanien Paul Breitner: „Beide Länder sind gesegnet“

Paul Breitner im AZ-Interview Foto: firo/augenklick/dpa

Vor der Partie Deutschland – Spanien erklärt Paul Breitner im AZ-Interview, warum die Teams weltweit führend sind, warum er von Gegnern wie Gibraltar nichts hält und wer Weltfußballer werden soll.

AZ: Herr Breitner, am Dienstag begegnen sich mit Spanien der aktuelle Europameister und mit dem DFB-Team der aktuelle Weltmeister in einem Freundschaftsspiel. Ein wirklich sinnvolles Duell zum Abschluss des Länderspieljahres?

PAUL BREITNER: Um die Titel geht es nicht. Ich sehe das Spiel unter der Überschrift: die zwei führenden Fußballnationen der Welt auf dem Weg, den nächsten Schritt zu machen. Für mich sind sie die Top-Favoriten der WM 2018. Ihre Situation ist vergleichbar, sie haben in etwa die gleichen Probleme.

Welche denn?

Ich erkläre es mal so: Wenn bei Bayern, Real Madrid oder dem FC Barcelona zwei, drei Spieler ihren Rücktritt erklären, kaufen die Vereine eben zwei, drei neue Stars. Das geht in Nationalteams aber nicht! Dazu kommen langfristige Verletzungen.

Also hier Schweinsteiger und Özil, dort Thiago und Martínez.

Darunter leiden beide Nationalteams. Sie haben in etwa das gleiche Potenzial und eine Menge von Talenten, die jetzt zwei bis vier Jahre Zeit haben nachzurücken.

Und die EM 2016?

Ach, eine EM ist interessant, hat aber nicht den Stellenwert wie eine WM. Man kann eine Zwischenbilanz ziehen, um zu sehen, wie weit die Talente und die Nachrücker sind, ob sie ihre Unsicherheit, Nervosität und Hektik aus der Zeit als Jungnationalspieler abgelegt haben.

Manuel Neuer musste absagen. Nun auch Jérome Boateng. Bundestrainer Joachim Löw fehlen Schweinsteiger, Özil, Reus, Schürrle, Draxler. Zurückgetreten sind Kapitän Lahm, Klose und Mertesacker.

Es ist ein Test für die zweite Reihe auf höchstem Niveau, gegen die absolute Spitze. Es geht um den Wert für einzelne Spieler. Daraus kann Löw seine Schlüsse ziehen. Es ist ein nettes Länderspiel – und diesmal nicht gegen Kasachstan, Bora Bora, die Fidschi Inseln oder weiß der Teufel wen.

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Im ersten Halbjahr 2015 geht es in der EM-Qualifikation gegen Georgien und nochmal gegen Gibraltar.

Ja eben. Das ist genau so kontraproduktiv wie das Auffüllen der EM 2016 auf 24 Mannschaften. Das bringt mehr Geld, klar. Aber auch eine Reduzierung der Qualität. Wir bekommen eine Wischiwaschi-EM. Da kann man ja gleich sagen, dass jede Nation mitspielen soll. Dann zieht sich das Turnier über zwei Monate. Also: Für die Spieler und für Löw bringen Duelle wie mit Spanien viel mehr. Lieber zwei Mal im Jahr auch gegen Holland oder England, aber nicht ständig diese unsinnigen Partien.

Bayern ist Klubweltmeister, Real Champions-League-Sieger. Sind Deutschland und Spanien auf einem Level?

Ja, was die Nationalteams und die Ligen betrifft. Beide Länder sind gesegnet mit überragenden Talenten und können da aus dem Vollen schöpfen. Spanien ist zwar bei der WM schon in der Vorrunde ausgeschieden, sie sind aber weiterhin mit den Deutschen die dominierende Nation.

Sind Real, Barça und Bayern, wenn sie nicht zuvor gegeneinander gelost werden, drei sichere Halbfinalisten der Champions League?

Ja, sicher. Plus Borussia Dortmund.

Wie bitte?

Wenn der BVB wieder in normaler Besetzung spielt, gehören sie in Europa zu den Top 4, die dominieren. Erst danach kommen Paris St. Germain und der FC Chelsea.

Dem BVB müsste es aber wichtiger sein, die erneute Qualifikation für die Königsklasse zu packen. Dazu müssten sie noch Vierter werden in der Bundesliga. Utopisch?

Nein, zu 100 Prozent wird Dortmund mindestens Vierter. Sie kommen wieder zu uns rauf, der Tabellenstand wird sich demnächst bald relativieren.

Bei Real Madrid, Ihrem ehemaligen Verein, schwärmt man von Toni Kroos.

Ich freue mich unendlich für ihn, dass es so gut läuft, dass er ab der ersten Sekunde voll bei Real eingeschlagen hat. Toni hat perfekte technische Voraussetzungen, ist immer im Spiel präsent. Nach kurzer Zeit schon spielt er bei Real eine tragende Rolle. Er wird sich in Madrid spielerisch und auch als Persönlichkeit weiter entwickeln und noch wertvoller werden für die Nationalelf.

Muss Bayern seinen Abgang bedauern? Eine Vertragsverlängerung scheiterte an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen.

Wenn Real Madrid einen Spieler auf der Welt haben will, dann bekommen sie ihn. Wenn Real anklopft, geht jeder Profi nach Madrid – zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Es ist der Traum Nummer eins, bei Real zu spielen. Danach kommt Bayern.

Letzte Frage: Wer soll Weltfußballer werden?

Entweder Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm für sein Lebenswerk oder Manuel Neuer. Wenn es nicht Neuer wird, dann ist die Botschaft derjenigen, die abstimmen, dass ein Torhüter kein Fußballer ist. Diese Wahl hat doch den Sinn, den Fußballer zu wählen, der auf seiner Position im aktuellen Jahr mit Abstand der Beste ist – und das ist Neuer.

Am Ende wird es doch wieder Reals Cristiano Ronaldo.

Dazu kann ich nur sagen: Bitte nicht schon wieder!

 

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