Terror in Australien Kein Ende der Geiselnahme in Sydney in Sicht

Wegen der Geiselnahme in einem "Lindt"-Café herrscht in Sydney seit Stunden Ausnahmezustand. Eine Mitarbeiterin des Cafés, in dem sich der Geiselnehmer verschanzt hat, flüchtet aus der Gefahrenzone. Foto: dpa/az

Ein Bewaffneter hält in der australischen Stadt Gäste eines Cafés in seiner Gewalt. Sie müssen eine Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis zeigen. Handelt es sich um einen Terrorakt?

 

Sydney - Eine Geiselnahme in einem Café in Sydney hat am Montag Spekulationen über einen möglichen Terrorakt geschürt. Ein bewaffneter Angreifer hielt auch rund zwölf Stunden nach dem Beginn des Überfalls in der Innenstadt der australischen Metropole noch eine unbekannte Zahl Geiseln in seiner Gewalt. Die Hintergründe waren unklar. Fünf Menschen gelang die Flucht aus dem Gebäude. Hunderte Polizisten und Antiterrorkräfte sperrten das Gebiet weiträumig ab.

Die Geiselnahme hatte mit der Hauptgeschäftszeit im Finanz- und Einkaufszentrum von Sydney begonnen. Das Café wird vom Schweizer Schokoladenhersteller Lindt betrieben. Nach rund sechs Stunden konnten zunächst drei Männer aus dem Gebäude herauskommen, wie die Polizei bestätigte. Wenig später flohen zwei Frauen, offenbar Angestellte des Cafés. Sie trugen Schürzen mit dem Logo des Betreibers. Schwer bewaffnete Polizeibeamte nahmen sie in Empfang.

Zwei Personen hielten während des Geiseldramas eine schwarze Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis an ein Fenster, was Spekulationen über einen dschihadistischen Hintergrund auslöste. Die Polizei, die mit dem Geiselnehmer verhandelte, äußerte sich weder zum möglichen Motiv des Bewaffneten noch zur Anzahl der übrigen Geiseln. Auch wurde nicht mitgeteilt, ob der Angreifer Forderungen gestellt habe und ob den aus dem Café geflohenen Personen freigelassen worden seien.

"Zuallererst müssen wir sichergehen, dass wir nichts tun, das in irgendeiner Weise diejenigen in Gefahr bringen könnte, die noch im Gebäude sind", sagte der Polizeichef des Bundesstaats New South Wales, Andrew Scipione. Die Polizei erklärte, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass jemand verletzt worden sei. Scipione sagte, es sei noch unklar, ob es einen terroristischen Zusammenhang gebe.

Premierminister Tony Abbott sprach von "Anzeichen", dass die Tat politisch motiviert sein könnte. "Das ist ein beunruhigender Zwischenfall", sagte er. Die australische Regierung hatte im September als Reaktion auf eine Bedrohung durch Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat die Terroralarmstufe angehoben.

Der Sender Channel 10 erhielt nach eigenen Angaben ein Video, in dem eine Geisel im Café die Forderungen des Angreifers weitergibt. Die Polizei habe darum gebeten, dass es nicht ausgestrahlt werde. Polizeichef Scipione forderte alle Medien, die möglicherweise von dem Geiselnehmer kontaktiert würden, auf, ihn stattdessen dazu zu drängen, mit der Polizei zu sprechen.

Hunderte Schaulustige hinter Absperrungen beobachteten die Szene in der Innenstadt. Mitarbeiter des Fernsehsenders Seven Network, die das Geschehen von einem gegenüberliegenden Gebäude aus beobachteten, berichteten von rund 15 verschiedenen Gesichern unter den Geiseln, die an den Fenstern zu sehen waren. Reporter Chris Reason sagte, der Geiselnehmer trage offenbar eine Flinte, sei unrasiert und habe ein weißes Hemd und eine schwarze Kappe an.

Bei Einbruch der Dunkelheit wurde das Licht im Café ausgeschaltet. Bewaffnete Polizisten vor dem Gebäude statteten ihre Helme mit grünleuchtenden Nachsichtbrillen aus. Wer in dem abgeriegelten Gebiet arbeitet, wurde aufgefordert, am Dienstag zu Hause zu bleiben.

 

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