Nach Medienberichten Flughafen-Angreifer stand unter Radikalisierungsverdacht

, aktualisiert am 18.03.2017 - 13:21 Uhr
Spezialkräfte der französischen Polizei betreten mit der Waffe im Anschlag das Terminal am Flughafen. Foto: Kamil Zihnioglu/AP/dpa

Ein Angreifer wird auf dem Flughafen Orly südlich von Paris erschossen. Es gab bereits Festnahmen. Jetzt wird bekannt: Die Behörden hatten den Mann Medienberichten zufolge unter Radikalisierungsverdacht.

Paris - Der Angreifer am Flughafen Orly bei Paris soll unter Radikalisierungsverdacht gestanden haben. Es habe bei ihm eine Hausdurchsuchung ohne Richterbeschluss gegeben, berichtete der Sender Franceinfo unter Berufung auf eine Polizeiquelle. Die Zeitung "Le Figaro" schrieb, diese Durchsuchung im November 2015 habe nichts ergeben. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Nach Informationen der Zeitung "Le Figaro" soll der Mann nicht in die Datenbank möglicher Gefährder aufgenommen worden sein.

In den Wochen nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015, bei denen Islamisten 130 Menschen getötet hatten, durchsuchten die Behörden zahlreiche Wohnungen, um mögliche gewaltbereite Extremisten aufzuspüren. Der nach der Terrornacht verhängte Ausnahmezustand erlaubt den Sicherheitskräften Hausdurchsuchungen ohne Richterbeschluss.

Laut AFP war der Angreifer ein 39 Jahre alter Franzose. Der Polizei war er demnach wegen Kriminaldelikten bekannt, darunter bewaffneter Diebstahl und Drogenhandel. Innenminister Bruno Le Roux hatte zuvor gesagt, dass der Mann der Polizei und den Nachrichtendiensten bekannt gewesen sei.

Vater und Bruder des Angreifers festgenommen

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Angriff übernommen. Der Mann wurde am Samstagmorgen niedergeschossen, als er versuchte, einer Soldatin die Waffe zu entreißen. Der  Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian berichtete, der Angreifer habe die Soldatin zu Boden geworfen. Die Frau sei Reservistin und als Teil einer Patrouille von drei Soldaten am Flughafen unterwegs gewesen. Sie habe ihre Waffe festgehalten. "Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten - und sie hatten Recht - das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen, und vor allem, um alle Leute drumherum zu beschützen", sagte Le Drian. Er lobte die "Professionalität" und "Selbstbeherrschung" der Militärs.

Mittlerweile gab es zwei Festnahmen: Der Vater und der Bruder des erschossenen Angreifers befinden sich in Polizeigewahrsam, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise.

Vor Flughafen-Angriff: Täter bedrohte Besucher einer Bar

Kurz vor dem Angriff am Flughafen kam es zu einem ähnlichen Vorfall im Pariser Vorort Vitry-sur-Seine: Der Angreifer habe ein Fahrzeug in seine Gewalt gebracht und in einer Bar die Anwesenden bedroht. Zuvor habe er bei einer Identitätskontrolle in Garges-lès-Gonesse das Feuer auf einen Polizisten eröffnet. Dieser sei verletzt worden und werde im Krankenhaus behandelt, sagte Le Roux. Die Verletzungen seien aber anscheinend nicht sehr schwer.

Der Luftverkehr an dem Airport wurde komplett gestoppt. Mittlerweile läuft der Flugverkehr am Terminal West wieder an. Das Süd-Terminal, wo sich am Morgen die Attacke ereignet hatte, bleibt zunächst geschlossen. Die Flugaufsicht teilte mit, dass manche ankommende Flüge zum Flughafen Charles de Gaulle umgeleitet würden. Orly liegt südlich von Paris und ist der zweite große Airport der französischen Hauptstadt nach Charles-de-Gaulle.

Vor Kurzem erst gab es ähnlichen Vorfall am Louvre

Frankreich war in den vergangenen Jahren Schauplatz einer beispiellosen Terrorserie, die mehr als 230 Tote forderte. Erst vor einigen Wochen war nahe dem Pariser Louvre-Museum ein Mann niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

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Der nach der Pariser Terrornacht verhängte Ausnahmezustand war mehrfach verlängert worden und ist aktuell bis zum 15. Juli in Kraft.

Wegen der Terrorgefahr patrouillieren Soldaten an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen gefährdeten Orten. Ein Terrorattentat auf dem Flughafen und in der U-Bahn der belgischen Hauptstadt Brüssel hatte vor knapp einem Jahr 32 Menschen das Leben gekostet.

 

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